HOME

Abenteurer: Stadt, Land, Wüste

Achill Moser lebt ein Doppelleben. Mal wandert er monatelang allein durch die Wüsten der Erde - 25 von 30 hat er schon bereist. Dann wieder genießt der Familienvater aus Hamburg-Lokstedt wieder das Leben in der Stadt.

Seit 25 Jahren schon pendelt Achill Moser zwischen den Welten, zwischen Großstadt und Einöde. Wenn er nicht allein die Wüsten dieser Welt zu Fuß durchwandert, geht er in die Oper und ins Ballett oder kickt in der Kneipen-Mannschaft seines Stamm-Italieners. "Ich brauche einfach beides", sagt der 52-Jährige. Achill Moser ist hoch gewachsen, sein Blick offen, sein Händedruck fest. Er hat eine Menge erlebt und eine Menge zu erzählen. 25 der rund 30 Wüsten dieser Erde hat er bereist, dabei 15 000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. In seiner Stadtvilla mit Fachwerkgiebel deutet allerdings nichts auf sein zweites Leben hin. Das Wohnzimmer ist im Landhausstil gehalten, neben der hellen Schrankwand hängt ein Adventskranz. Keineswegs wirkt der Abenteurer wie einer, den sein Doppelleben innerlich zerreißt, eher wie die Ausgeglichenheit in Person.

"Meine Reisen sind von langer Hand geplant"

Er nippt an seinem Kaffee und erzählt: "Mit 15 bin ich das erste Mal auf eigene Faust mit dem Zug nach Marokko gefahren, bis Marrakesch, und von dort mit einer Beduinen-Karawane in die Sahara gegangen." Mit der Rückkehr zu Schuljahresbeginn wurde es nichts, er kam Wochen zu spät und flog vom Gymnasium. "Acht Mal wurde ich von der Schule verwiesen", sagt er und lächelt dabei verschmitzt in den Vollbart. Sein Abitur hat er dennoch gemacht, dann Wirtschaftswissenschaften, Völkerkunde, Afrikanistik und Arabisch studiert.

Erst war es nur die Lust auf Abenteuer, Einsamkeit und spannende Begegnungen, die ihn trieb. Dann entdeckte er, dass man von den Entdeckungsreisen auch leben kann. An renommierte Hochglanzmagazine verkauft er seine Fotos und Reisereportagen, 23 Bücher hat Moser über seine Wüstentouren bislang veröffentlicht. Kurz vor Weihnachten ist er zu einer Dia-Vortrags-Tournee durch 70 deutsche Städte gestartet.

"Meine Reisen sind von langer Hand geplant. Ich überlasse nichts dem Zufall", sagt Moser. Monate im Voraus recherchiert er die Route, liest über die Landschaft, die Bewohner und die politische Situation, knüpft Kontakte vor Ort. Auch sprachlich bereitet er sich akribisch vor: Als er zu den Uiguren in die Mongolei wollte, ließ er sich vorher von einem Professor an der Uni eine Liste mit den 500 wichtigsten uigurischen Vokabeln zusammenstellen. "Die habe ich gepaukt, dann war das Eis bei jeder Begegnung schnell gebrochen."

Die größte Gefahr geht nicht von der Natur aus, sondern vom Menschen

Damit die Familie ihm auch immer grünes Licht gibt, beginnt eine Tour meist mit einer gemeinsamen Woche Badeurlaub, anschließend begleiten ihn seine Frau Rita (50) und seine Söhne Dirk (28) und Aron (15) oft noch auf der ersten Etappe. Und dann ist der Wüstenexperte allein, kann sich oft wochenlang nicht melden. Er navigiert mit einem Handkompass und orientiert sich an den Sternen. "Das habe ich von den Beduinen gelernt, auf Handy und Satelliten-Navigation verzichte ich."

"Hitze, Kälte, Trockenheit, Schlangen, Skorpione - die Natur kenne ich, die kann ich einschätzen", sagt Moser über die Gefahren unterwegs. Das größere Risiko gehe von menschlichen Bewohnern der kargen Landstriche aus: "Ich wurde auf meinen Reisen schon entführt, beschossen und mehrfach beraubt", erzählt er. Dennoch zieht es ihn immer wieder in die Einöde.

Zuletzt war er im Sommer 1500 Kilometer von Agadir nach Algier unterwegs. Für das kommende Jahr hat sich Achill Moser eine noch größere Tour vorgenommen: Er will die Sahara in Ost-West-Richtung durchqueren, von Marokko bis zum Nil, durch fünf Länder, 5500 Kilometer weit. "Natürlich zu Fuß."

Jan Dube/DPA/DPA
Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren