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Antikes Heilmittel: Dattel "Methusalem" keimt auf

Es erinnert an Steven Spielbergs "Jurassic Park", nur das es diesmal nicht um Saurier und Fiktion, sondern um Pflanzen und die Realität geht: Wissenschaftlern ist es gelungen, den 2000 Jahre alten Samen einer Dattelpalme wieder zu beleben.

Bei Ausgrabungen in der jüdischen Felsenfestung Masada wurden die antiken Samen einer Dattelpalme gefunden, wie Sarah Sallon vom Louis-Borick-Forschungszentrum für Natürliche Medizin in Jerusalem mitteilte. Eine anschließende Analyse mit der Radiokarbonmethode ergab, dass der Samen aus einer Dattel stammt, die 1940 bis 2040 Jahre alt sein muss. Israelische Wissenschaftler machten sich schließlich daran den jahrtausende alten Samen zum Keimen zu bringen und hatten letztendlich auch Erfolg: Die Palme ist mittlerweile 30 Zentimeter groß - ein neuer Rekord. Nie zuvor entstand nach Angaben der Forscherin Leben aus einem älteren Samen. Zuletzt gelang es in China, den 1.200 Jahre alten Samen einer Lotus-Pflanze zum Keimen zu bringen.

Von der DNA-Analyse eines Blatts der mit dem Spitznamen Methusalem versehenen Dattelpalme erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschluss über eine mögliche medizinische Heilwirkung, die die heute kultivierten Arten der Dattelpalme nicht mehr aufweisen. Sallon und ihre Kollegen bauen auf ähnlichen Forschungen zu anderen Pflanzenarten auf. So wurde aufgrund von Erfahrungen der traditionellen chinesischen Heilpflanzenmedizin der Wirkstoff Artemisinin entwickelt, der zur Behandlung von Malaria verwendet wird. Und aus der Rinde der Pazifischen Eibe wurde ein Mittel in der Krebs-Therapie gewonnen.

Antiquität mit medizinischer Wirkung

„Datteln hatten eine hohe medizinische Bedeutung“, erklärte Sallon. "Ihre Nutzung bei Infektionen und zur Bekämpfung von Tumoren war in der Antike weit verbreitet." Die heute kultivierten Dattelpalmen stammen aus einer ursprünglich im Irak beheimateten Art ab, die diese Wirkung nicht mehr haben. "Wir sind der Überzeugung, dass antike Heilmittel zur Medizin der Zukunft werden können", sagte Sallon.

Bis die Ergebnisse der DNA-Untersuchung in einigen Wochen eintreffen werden, beobachten die Wissenschaftler die morphologische Entwicklung der Pflanze, also ihre äußere Gestalt. "Wir beobachten sie und versuchen zu erkennen, ob es Unterschiede gibt", erklärt die Medizinbiologin. "Eines der Blätter, die sich bis jetzt entwickelt haben, ist wunderschön, aber sehr viel länger als das normale Blatt einer Dattelpalme."

Falls die Pflanze am Leben erhalten werden kann, wird es rund 30 Jahre dauern, bis sie erstmals Früchte trägt - vorausgesetzt es handelt sich um eine Pflanze mit weiblichen Blüten. Aber auch wenn es sich bei "Methusalem" um eine männliche Dattelpalme handelt, versprechen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse. "Die genetische Beschaffenheit dieser Pflanze ist unabhängig vom Geschlecht hochinteressant", sagte Sallon.

Phönix und die Palme

Schon der botanische Name der Dattelpalme, Phoenix dactylifera, gibt einen Hinweis auf ihre zeitlose Lebensdauer. Der mythische Vogel Phönix galt nach ägyptischer und griechischer Vorstellung als Inbegriff der Unsterblichkeit, da er am Ende seines Lebens in seinem Nest verbrannte und aus der Asche wiedergeboren wurde. Daher wurden Samen der Dattelpalme als Symbol der Unsterblichkeit auch in die Gräber der Pharaonen gelegt. "Entweder wurde der Baum nach dem Phönix benannt oder der Phönix nach der Palme", erklärte Sallon. Darin zeige sich eine besondere Kraft der Verjüngung, "weil sie in gewisser Weise niemals stirbt".

Steve Weizmann/AP / AP
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