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Archäologie: Goldschatz aus Schiffswrack geborgen

Goldmünzen, Schwerter, Elfenbein - in einer Diamantenmine in Namibia ist das Wrack eines alten portugiesischen Handelsfrachters mit allerlei Schätzen an Bord aufgespürt worden. Forscher jubilieren über den guten Zustand des Fundes und sprechen bereits von einem "Weltkulturerbe".

Selten sind Wissenschaftler in Namibia so ins Schwärmen geraten. Die Überreste des vor langer Zeit gesunkenen Schiffes seien "ein Weltkulturerbe, das es zu erhalten gilt", sagt Bruno Werz. Der Historiker Francisco Alves von der portugiesischen Denkmalschutz-Behörde legt gleich nach: Dieser Fund berge "ein Fenster in die Zeit der Entdecker und Eroberer, wie es heute kaum noch zu finden ist". Die Überraschung der Experten kommt nicht von Ungefähr. Denn das Wrack eines portugiesischen Handelsfrachters vom Typ Naõ, das während der Trockenlegung des diamantenreichen "Sperrgebiets" an der Atlantikküste Namibias entdeckt wurde, raubt nicht nur afrikanischen Forschern den Atem.

"Der Fund ist außergewöhnlich"

Gut erhaltene Goldmünzen aus dem 16. Jahrhundert, Kupferformen (Ingoten) und Silbermünzen, Kanonen, Schwerter und Elfenbein sowie Zinngeschirr, Tonkaraffen und Navigationsinstrumente - das alles haben sie aufgespürt auf einem nur 16 mal 18 Meter großen Areal, sieben Meter unter dem Meeresspiegel. "Der Fund ist so außergewöhnlich, weil er so komplett ist", erklärt Werz, der die Ausgrabungen leitet. "Das kommt daher, dass das Wrack in einem Sperrgebiet gefunden wurde, zu dem Schatzsucher und Hobbytaucher keinen Zugang hatten."

Einblick in die Welt vor 500 Jahren

Deshalb gewähre er auch einen "wirklich neutralen Einblick in die Welt vor fast 500 Jahren", meint Projektleiter Webber Ndoro vom African World Heritage Fund, der seit knapp einem Jahr für den Schutz der Weltkulturerbe-Stätten auf dem afrikanischen Kontinent zuständig ist. Der Kranführer Kaapanda Shatika war im vergangenen April bei der Vorbereitung des Meeresgrundes für eine Exploration vor der Küste des Wüstenstaates auf die ersten Wrackteile gestoßen.

"Mein Chef informierte sofort unseren Archäologen Dieter Noli, der dann auch gleich aus Kapstadt anreiste", erzählt Shatika bei der ersten Journalisten-Führung an den Fundort, der etwa 160 Kilometer südlich des Küstenstädtchens Lüderitzbucht liegt. Die Angestellten der Minengesellschaft haben ein geschultes Auge. Ihre Hilfe bei den Ausgrabungsarbeiten, an denen Experten aus Namibia, Südafrika, Simbabwe, Großbritannien, den USA und Portugal beteiligt sind, ist deshalb von unschätzbarem Wert.

Bisher haben die amtlichen Schatzsucher tausende Gold- und Silbermünzen geborgen, die nun sicher in den Tresoren der Bank of Namibia lagern. Hinzu kommen tonnenweise Kupfer und Zinn, die vorerst in einer Halle der Diamanten-Gesellschaft Namdeb zwischengelagert wurden. "Die Kupferingoten weisen noch den Dreistern auf, das Siegel des Handelshauses Jakob Fugger", berichtet Alves mit glänzenden Augen. "Dies wiederum war der größte Lieferant der portugiesischen Krone." Damit seien Spekulationen widerlegt, dass es sich um das Schiff des im Jahr 1500 verschollenen Bartholomäus Dias handelt.

Reger Handel zwischen den Kontinenten

Dagegen stammen die mindestens 60 Elefanten-Stoßzähne mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Afrika. Insgesamt zeuge der Fund von einem regen Handel zwischen den Kontinenten in "einem Zeitalter der Globalisierung, das es schon lange vor der Moderne gab", fügt Ndoro hinzu. Er ist zuversichtlich, auf weitere Wracks zu stoßen. "Nicht umsonst nennt man die Küste vor Namibia "Skelettküste". Hier sind wahrscheinlich Hunderte, wenn nicht tausende Schiffe zerschellt."

Frauke Röschlau/DPA