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Artgerechte Haltung: Schweine brauchen Spielzeug

Kauen an kalten Metallketten - bisher der einzige Zeitvertreib für Eber, Säue und Ferkel im Stall. Nach dem Willen der EU muss sich das nun ändern: Daher diskutieren Bauern und Tierschützer über das geeignete Spielzeug für Schweine.

Viele deutsche Schweinezüchter überlegen zurzeit, welches Spielzeug sie ihren Tieren geben sollen. Neue EU-Tierschutzvorschriften verlangen, dass die Schweine ausreichend Beschäftigungsmaterial haben, das ihrem Erkundungsverhalten dient. Doch was damit genau gemeint ist, darüber streiten bislang Tierschützer und Tierzüchter.

Bislang müssen sich Eber, Säue und Ferkel in den Ställen meist mit einer nackten Eisenkette begnügen. Das Kauen auf dem kalten Metall ist ihre einzige Beschäftigung zwischen den Fütterungen."Doch das reicht nicht für eine artgerechte Haltung", sagt der Schweine-Experte der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Werner Lüpping, in Lütjenburg.

Was zum Wühlen soll es sein

Die Europäische Union habe bislang noch keine Normen und Vorschriften zum Schweine-Spielzeug festgelegt, sagt Lüpping. Die entsprechende EU-Richtlinie sei allgemein gehalten und nenne nur Beispiele für Beschäftigungsmaterialien: insbesondere Stroh, Heu, Holz, Sägespäne, Pilzkompost und ähnliche Materialien, sagte Lüpping. Damit ist jedoch die Richtung klar: "Letztendlich sollen die Tiere ihr 'Wühlbedürfnis' befriedigen können."

In den Niederlanden seien jetzt erstmals verschiedene Beschäftigungsmaterialien für Schweine wissenschaftlich untersucht worden, sagte Lüpping. Das Ergebnis: "Patentlösungen für die heutigen Stallsysteme gibt es offensichtlich nicht." Was aus Tierschutzsicht gut ist, sei den Bauern meist zu teuer, mache ihnen zu viel Arbeit, oder sei mit modernen Stall-Systemen nur schwer kombinierbar.

Ein Ball ist nicht genug

Ein Ball, ein Stück Holz, ein Kanister oder Ähnliches auf dem Boden reichen nach Erfahrungen von Fachleuten keinem Schwein. Es fühlt sich am wohlsten in einem Stall mit Krippe und Stroheinstreu. Sehr gute Alternativen dazu seien spezielle Neuentwicklungen der Industrie, so genannte Wühltröge. Die 250 bis 350 Euro teuren Automaten "belohnen" die Schweine mit "Leckerli". In der Praxis bewährt haben sich auch Kettenkreuze mit kleinen Holzstücken, Sisal-Tauen oder Kunststoffschläuchen an den Enden.

"Der Einsatz von Beschäftigungsmaterial beschränkt sich in erster Linie auf die abgesetzten Ferkel und Mastschweine", sagte Lüpping. Es gebe noch keine konkreten Empfehlungen für den Abferkelbereich sowie für Sauen, insbesondere in Kastenstandhaltung - das sind Metallgitter, in die die Tiere eingesperrt sind, ohne auch nur einen Schritt gehen zu können.

Bundesweit wurden im November vergangenen Jahres 26,8 Millionen Schweine gehalten, drei Millionen von ihnen sind Zuchtschweine. Jährlich ziehen deutsche Landwirte 6,7 Millionen Ferkel auf.

Wolfgang Runge/DPA / DPA
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