HOME

ASTRONOMIE: Letzter Sternschnuppen-Schauer für 100 Jahre

Dieses Himmelsspektakel kommt so bald nicht wieder: Zum vorerst letzten Mal für viele Jahrzehnte soll der Sternschnuppenstrom der Leoniden in diesem Jahr noch einmal ein großes Feuerwerk am Himmel entfachen.

Bis zu 500 Sternschnuppen pro Stunde

Dieses Himmelsspektakel kommt so bald nicht wieder: Zum vorerst letzten Mal für viele Jahrzehnte soll der Sternschnuppenstrom der Leoniden in diesem Jahr noch einmal ein großes Feuerwerk am Himmel entfachen. Bis zu 6000 Meteore pro Stunde werden den Prognosen zufolge am Morgen des 19. November aufflammen. »Nach jetzigem Kenntnisstand wird kaum einer der heute Lebenden ein solches Leoniden-Schauspiel noch einmal erleben können«, sagt Jost Jahn, Uelzener Meteor-Experte der Vereinigung der Sternenfreunde (VdS). Allerdings stört das Mondlicht in diesem Jahr das Spektakel erheblich.

Schon vom 14. November an werden Schätzungen zufolge mehrere Dutzend Leoniden pro Stunde über den Morgenhimmel ziehen. Für Laien bleibt der etwa eine Woche anhaltende Sternschnuppen-Regen anfänglich vergleichsweise unspektakulär. Mit zwei regelrechten Meteor-Stürmen rechnen die Astronomen aber am kommenden Dienstag (19. November).

»Die Vorhersagen lassen zwar erwarten, dass die diesjährigen Leoniden-Stürme rein rechnerisch die des Vorjahrs übertreffen«, sagt der Präsident der Internationalen Meteor-Organisation (IMO), Jürgen Rendtel vom Astrophysikalischen Institut Potsdam. »Für den Beobachter sieht es dennoch nicht so gut aus, weil wir praktisch Vollmond haben.« Das helle Mondlicht überstrahlt zahlreiche dunklere Meteore, so dass Laien nach Jahns Schätzung am Dienstagmorgen von etwa 04.30 Uhr an bis zu 500 Sternschnuppen pro Stunde erspähen können. Vorausgesetzt das Wetter spielt mit.

Nächsten Leoniden-Stürme nicht vor dem Jahr 2099

Ursprung der Leoniden ist der Komet 55P/Temple-Tuttle, der auf seiner ellipsenförmigen Umlaufbahn alle 33 Jahre ins innere Sonnensystem vorstößt. Bei seiner Annäherung an die Sonne taut der »schmutzige Schneeball« an und hinterlässt eine Staubspur. Kreuzt die Erde diese Spur, verglühen die meist unter einem Zentimeter kleinen und rund 250 000 Kilometer pro Stunde schnellen Kometenreste in der Atmosphäre und regen die Luftmoleküle zum Leuchten an. Diese Meteore, die sich über den gesamten Himmel verteilen, scheinen wegen der Lage der Staubspur alle aus dem Sternbild Löwe zu kommen, wodurch die Leoniden ihren Namen erhielten.

»Die Erde fliegt in diesem Jahr durch zwei Staubwolken, die der Komet 1767 und 1866 ausgestoßen hat«, erläutert Jahn. Die erste Wolke verursacht einen Meteor-Sturm, der um kurz vor 05.00 Uhr sein Maximum entfalten und von ganz Westeuropa zu sehen sein soll. Der zweite reiche Sternschnuppen-Schauer ergießt sich knapp sechs Stunden später über den Nachthimmel von Nordamerika. Von Europa aus sind die Meteore dieses zweiten Sturms nicht zu sehen.

Mit dem diesjährigen Sternschnuppen-Spektakel endet eine mehrjährige aktive Phase der Leoniden, die Forscher und Hobby- Astronomen seit 1998 mit reichen Meteor-Stürmen begeistert hat. Die nächsten Leoniden-Stürme erwarten NASA-Astronomen nicht vor dem Jahr 2099. Erst dann soll die Erde wieder auf eine größere Staubwolke des Kometen Temple-Tuttle treffen.

Schon Humboldt beobachtete die Leoniden

In der Vergangenheit müssen die Leoniden in manchen Jahren noch deutlich reichhaltiger ausgefallen sein als in der nun zu Ende gehenden Aktivitätsphase. Einen besonders spektakulären Meteor-Sturm hatte bereits der deutsche Universalgelehrte Alexander von Humboldt 1799 gemeinsam mit dem französischen Botaniker Aimé Bonpland in Venezuela beobachtet: »Tausende von Feuerkugeln und Sternschnuppen fielen hintereinander, vier Stunden lang. (...) Nach Bonplands Aussage war gleich zu Anfang der Erscheinung kein Stück am Himmel so groß als drei Monddurchmesser das nicht jeden Augenblick von Feuerkugeln und Sternschnuppen gewimmelt hätte.«

Deutsche Leoniden-Seite von VdS-Meteor-Experte Jost Jahn:

http:/www.leoniden.de/

Hintergrundinformationen des NASA zu den Leoniden

http://leonid.arc.nasa.gov/meteor.html

Aktuelle Prognosen der NASA für den Leoniden-Sturm 2002:

http://science.nasa.gov/headlines/y2002/09oct_leonidsforecast.htm

Von Till Mundzeck, dpa

Themen in diesem Artikel