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Atomzeit: 2006 dauert eine Sekunde länger

Weil sich die Erde zu langsam gedreht hat, müssen wir die Uhren für eine Sekunde anhalten: am 1. Januar 2006 um 00:59:59 Uhr. Diese 32. Schaltsekunde der Atomzeit könnte gleichzeitig die letzte sein.

Der Neujahrstag 2006 dauert in Deutschland eine Sekunde länger als sonst. Am 31. Dezember folge auf 23:59:59 Uhr Greenwich Time erst eine Schaltsekunde, bevor die Ziffern auf 00:00:00 umspringen, teilte die Universität Bonn am Dienstag mit. Wegen der Zeitverschiebung wird die Sekunde in Deutschland am 1. Januar 2006 um 00:59:59 Uhr eingebaut.

Nötig ist diese Korrektur, weil sich die Erde tendenziell immer langsamer dreht. Schaltsekunden werden nach einem 1972 international vereinbarten System in die Atomzeit eingefügt - bisher sind es 32.

Lieber 2600 eine Stunde zurückstellen

Möglicherweise ist die nächste Schaltsekunde eine der letzten. Kritiker wollen sie in eine Schaltstunde umwandeln: Sobald die Abweichung auf mehr als eine halbe Stunde wachse, solle man die Uhren um eine ganze Stunde nach hinten stellen. "Nach unseren Schätzungen wäre das etwa im Jahr 2600 der Fall", sagte Axel Nothnagel von der Universität Bonn.

Der umstrittene Vorschlag wird seit Montag bei einem Treffen der Internationalen Fernmelde-Union (ITU) in Genf diskutiert, das bis zum Ende der Woche dauert. "Bei manchen EDV-Anwendungen ist die Synchronität voneinander unabhängiger Computersysteme enorm wichtig, und da kann die regelmäßige Korrektur der Atomzeit um eine Sekunde natürlich ein gefährliches Sandkorn im Getriebe darstellen", erläutert Nothnagel. Aus diesem Grund möchten vor allem amerikanische Experten die Schaltsekunde abschaffen.

Erde wird immer langsamer

Ein weltweites Netzwerk von Radioteleskopen misst regelmäßig die Geschwindigkeit der Erddrehung. Das Geodätische Institut der Universität Bonn koordiniert diese Messungen. Die Tageslänge kann sich binnen 24 Stunden um bis zu eine Millisekunde ändern. Dagegen ist die koordinierte Weltzeit (UTC), die aus den Daten von mehr als 250 Atomuhren erzeugt wird, immun gegen das Schwanken der Erdrotationsdauer. Folge: Die Weltzeit muss hin und wieder auf die Erde "warten", damit die Atomzeit und die durch die Erdrotation definierte astronomische Zeit nicht auseinander driften.

In Zukunft wird der Korrekturbedarf nach Angaben der Universität Bonn noch wachsen, denn tendenziell dreht sich die Erde immer langsamer - nach zuletzt fünf recht flotten Jahren.

DPA/AP / AP / DPA