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Berliner Eisbär: Fordern Tierschützer Knuts Kopf?

104 Tage ist der kleine, tapsige Held des Berliner Zoos schon alt. Trotzdem diskutieren Experten immer noch, ob es richtig war, den verlassenen Berliner Eisbären überhaupt am Leben zu lassen.

Von Angelika Dehmel

Der kleine Knut im Berliner Zoologischen Garten wiegt inzwischen 8,6 Kilo und hat damit sein Geburtsgewicht schon mehr als verzehnfacht. Der tierische Kinderstar mit den Knopfaugen ist mittlerweile 104 Tage alt und entwickelt sich prächtig. Demnächst soll der kleine Eisbär dem Publikum vorgestellt werden. Die "Bild"-Zeitung stellte Anfang der Woche die bange Frage: "Wird süßer Knut totgespritzt?" Tierschützer plädierten angeblich für eine Tötung des Eisbären, weil er nicht artgerecht aufwächst und als erwachsener Eisbär verhaltensgestört sein könnte.

Wie "FAZ.NET" berichtet, hatte der fragliche Tierschützer jedoch nur gegen die Handaufzucht geklagt: Diese sei ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Eine Forderung nach einer nachträglichen Tötung des Bären habe es nie gegeben.

WWF: "In freier Wildbahn wäre Knut gestorben"

Ist Knuts Handaufzucht nicht artgerecht und man hätte ihn töten müssen? Jörg Ehlers vom WWF Berlin: "Warum sollte man das tun? Knut ist kein wildes Tier mehr, aber das trifft auf alle Zootiere zu." Es sei aber ein offenes Geheimnis, dass in vielen Zoos aus Kostengründen solche Tiere sterben müßten. "In freier Wildbahn hätte Knut nie überlebt." Über die Hälfte des Eisbär-Nachwuchses stirbt noch im ersten Lebensjahr. Dieses Schicksal ereilte bereits Knuts Zwillingsbruder, der vier Tage nach seiner Geburt starb. Knut überlebte, da er von dem Pfleger Thomas Dörflein mit der Flasche aufgepäppelt wurde. Bis zu sechs Mal am Tag bekam der Kleine Nahrung eingeflößt; als Zugabe gab es ausgedehnte Kuscheleinheiten.

Das Szenario, ob der kleine Eisbär durch seine Flaschenaufzucht in ein oder zwei Jahren eine Gefahr für seine Artgenossen oder die Wärter sein wird, hält Ehlers für unwahrscheinlich. "Eisbären sind Einzelgänger. Die treffen sich mal zum Poppen und gehen dann wieder ihre Wege", so Ehlers. Eine Gefahr für den Wärter bestünde nicht: In zwei bis drei Jahren werde Knut nicht mehr mit seinem Pfleger Thomas Dörflein schmusen - aber das wisse der Pfleger auch selbst. "Zootiere sind nun einmal keine Wildtiere". Man könne sogar sagen, dass alle Tiere in Gefangenschaft verhaltensgestört sind. Insgesamt sieht der WWF das Spektakel um Knut mit gemischten Gefühlen. Es sei eine Verkitschung - aber wenigstens werde so einmal das Interesse für Eisbären geweckt.