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Bonobos: "Hippie-Schimpansen" in Gefahr

Sie sind berühmt für ihr ausschweifendes Sexleben - dennoch sind Bonobos vom Aussterben bedroht. Skrupellose Wilderer jagen die Zwergschimpansen wegen ihres schmackhaften Fleisches. Ein "Friedenswald" soll nun ihr Überleben sichern.

Ihr Erbgut ähnelt dem des Menschen bis aufs Haar, und sie haben lieber Sex, als sich zu streiten. Trotzdem - oder gerade deswegen - sind die Bonobos, die Zwergschimpansen, vom Aussterben bedroht. Ihr einziges Verbreitungsgebiet ist der Kongo. Vor zwanzig Jahren tummelten sich dort noch etwa 100.000 dieser schwarzpelzigen, im Gesicht dunkelhäutigen Menschenaffen (pan paniscus). Mittlerweile ist ihre Population auf 5000 geschrumpft. "Die Bonobos sind ernsthaft gefährdet", warnt der Zoologe Ino Guabini vom World Wildlife Fund.

Die Männchen sind Meister im Penisfechten

Zum Verhängnis wird den Bonobos allzu oft ihr schmackhaftes Fleisch. Im Kongo gelten sie als Delikatesse, und werden deswegen gejagt. Für ein Tier erhalten die Wilderer bis zu 200 Dollar. "Das ist genug, um zwei Wochen über die Runden zu kommen", sagt der Gelegenheitswilderer Richard Ipaka in der Provinzhauptstadt Mbandaka. Der 50-Jährige wusste bisher nicht, dass die Zwergschimpansen nur in seinem Land leben und immer weniger werden.

Und dies trotz eines ausschweifenden Sexuallebens. Bonobos verstehen sich nicht nur auf Zungenküsse und Oralsex. Die Männchen sind Meister im Penisfechten, die Weibchen reiben ihre Genitalien aneinander. Dabei haben die Praktiken auch wichtige soziale Funktionen. Zänkereien werden häufig durch innige Umarmungen oder einen Quickie beigelegt. "Bonobos sind Ikonen für Liebe und Frieden, sie sind die Hippie-Schimpansen", sagt die Forscherin Sally Coxe von der Bonobo Conservation Initiativ. "Sie aussterben zu lassen wäre eine Katastrophe."

Sie machen die Affen betrunken und packen sie in Taschen

Die Affenjäger sind voller Hinterlist. Am einfachsten sei es, die Tiere im Vollrausch zu töten, erklären sie. Deswegen werden sie mit Bier oder Palmenwein betrunken gemacht, bis sie einschlafen. Dann werden sie in Taschen gepackt und zum Markt verfrachtet. Andere benutzen Gewehre, um die Tiere aus ihren Nestern zu schießen, die sie nachts zum Schlafen in den Baumkronen aufsuchen. Eine andere Methode: Es wird vergiftete Nahrung ausgelegt. Dadurch werden bis zu 20 Tiere auf einmal ums Leben gebracht.

Ipaka, der mit einer Kalaschnikow auf Beutezug geht, wildert meistens in Begleitung von Kriegsveteranen. Ganze Banden von Exmilizionären gehen inzwischen auf die Jagd nach Bonobos, sie sind von den zahlreichen Rebellionen, Umsturzversuchen und Stammeskriegen übrig geblieben. Während der Bürgerkriege, die Mitte der 90er Jahre begannen, streiften tausende hungrige Flüchtlinge durch den Dschungel, um Menschenaffen und andere Tiere zu erlegen. Mittlerweile wird das Bonobo-Fleisch an Restaurants in den Städten verkauft, die das Gericht mehr oder weniger heimlich servieren.

"Friedenswald" soll die Zwergschimpansen retten

Viele Kongolesen sagen, die Bonobos, die in vielen Liedern besungen und in Legenden bewundert werden, können überhaupt nicht aussterben. "Unsere Vorfahren haben die Tiere schon vor hunderten Jahren gegessen, warum sollen sie jetzt verschwinden", sagt Ipaka. Doch auch er kann nicht bestreiten, dass es immer schwieriger wird, die freundlichen und intelligenten Tiere zu finden.

Am leichtesten gelingt dies noch im Bonobo Paradise, einem Zwergschimpansenzoo der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. Hier leben einige Dutzend Tiere, die die Polizei Wilderern abgenommen hat. Ein Bonobo hält sich mit seiner Hand an einem Ast fest und schwingt hin und her, unter ihm schmusen zwei Artgenossen. Dann lässt er sich fallen und die drei beginnen, sich gegenseitig zu massieren und vor Behagen zu summen. Die Bonobo Conservation Initiative bemüht sich, so viele Gemeinden wie möglich zur Verhängung eines Jagdverbotes zu bewegen. Sie wollen einen "Friedenswald" einrichten, in dem die Zwergschimpansen auch in freier Wildbahn ihre Neigungen ausleben können.

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