Brasilien Rodung im Regenwald nimmt ab


Holzeinschlag und Brandrodungen im Amazonas-Gebiet sind seltener geworden. Nach Angaben der Regierung ist die Vernichtung des Regenwalds das zweite Jahr in Folge rückläufig. Umweltschützer stellen die Erfolgsmeldung in Frage.

Die Urwald-Zerstörung wird in Brasilien in diesem Jahr nach einer amtlichen Hochrechnung zum zweiten Mal in Folge deutlich abnehmen. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sei eine Fläche von 10.943 Quadratkilometern vernichtet worden, teilte Umweltministerin Marina Silva in Brasilia mit. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet entspreche das einer Fläche von rund 16.700 Quadratkilometern - ein Gebiet so groß wie Thüringen. Das würde eine Abnahme des Zerstörungsniveaus um elf Prozent im Vergleich zu 2005 (18.790 Quadratkilometer) bedeuten, hieß es.

Ministerin Silva berief sich auf Satellitendaten des Weltrauminstituts INPE (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais). Im vergangenen Jahr war die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien sogar um 31 Prozent im Vergleich zu 2004 zurückgegangen. Das war die größte Abnahme in neun Jahren.

Silva sieht wesentlichen Minderung

"Wir verzeichnen wieder eine Abnahmetendenz, die aber im Gegensatz zu anderen Jahren nicht episodisch ist", beteuerte Marina Silva. Die neuesten Zahlen seien das Ergebnis der Regierungsarbeit. Als sie die Führung des Umweltministeriums übernommen habe, sei ein Anstieg der Zerstörung auf rund 27.000 Quadratkilometer registriert worden. Damit war kurz nach der Amtsübernahme von Staatspräsident Luiz Lula da Silva das zweithöchste Niveau aller Zeiten erreicht worden. Die bislang größte Urwaldzerstörungsrate wurde in Brasilien im Jahr 1995 mit 29.000 Quadratkilometern registriert worden.

Silva sagte dem illegalen Roden von Regenwald erneut den Kampf an. Ein konsequentes Vorgehen gegen korrupte Beamte in den Umweltschutzbehörden habe zum Rückgang der Rodung beigetragen. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Beamte verhaftet, die gefälschte Zertifikate für den Holzeinschlag ausgestellt hatten. Die internationale Umweltorganisation Greenpeace schätzt, dass drei Viertel des Regenwald-Einschlags illegal gerodet werden.

Rückgang bestätigt etwas dramatisches

Umweltschützer erklärten, die jüngsten Zahlen seien kein Grund zum Feiern. "Die Vorhersage eines Rückgangs um elf Prozent bestätigt etwas dramatisches: Was in den 90er Jahren die Decke war, ist nun der Boden", sagte der Direktor von Friends of the Earth, Roberto Smeraldo. Umweltschützern zufolge hängt der rückläufige Flächenverbrauch mit einer gesunkenen Nachfrage nach Sojabohnen und dem gegenüber dem Dollar stark gestiegenen Real zusammen.

Auch Medien relativierten die Erfolgsmeldung von Ministerin Silva. Bei der aktuellen Zerstörungstendenz handele es sich immer noch um sehr hohe Zahlen, die bereits in den 80er und 90er Jahren registriert worden seien und unter Umweltschützern Empörung ausgelöst hätten, schrieb die Onlineausgabe der Zeitung "Folha de Sao Paulo". Die in den ersten sieben Monaten von 2006 zerstörte Urwaldfläche entspricht mehr als einem Viertel der Schweiz.

DPA/AP AP DPA

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