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Long Beach: Der (vermutlich) älteste Seeotter der Welt ist tot – Charlie wurde 22 Jahre alt

Er war freundlich, hatte große Angst vor Gewitter und liebte Jakobsmuscheln: Der Otter Charlie, der im Aquarium von Long Beach lebte, starb im beeindruckenden Alter von 22 Jahren. In freier Wildbahn werden Otter meist nur 15 Jahre alt.

Der Seeotter Charlie wurde im Aquarium von Long Beach groß.

Der Seeotter Charlie wurde im Aquarium von Long Beach groß

Es war ein Tag im Jahr 1997, als der Seeotter Charlie am Ufer eines Flusses gefunden wurde. Er lag dort mutterseelenallein, war gerade einmal einen Tag alt. Vermutet wird, dass ein Sturm ihn von seiner Familie trennte und an Land spülte. Das  Überleben des Otter-Babys stand auf dem Spiel. Charlies Finder brachten ihn ins Aquarium der nahegelgenen Stadt Monterey. Dort kümmerten sich die Pfleger liebevoll um das Otter-Waisenkind – sie fütterten ihn, zogen ihn groß und bemühten sich, ihn auf das Leben in der Wildnis vorzubereiten. Denn der Plan war, Charlie wieder auszuwildern, wenn er kräftig genug war. Doch es sollte anders kommen.

Charlie wurde als hilfloses Otterbaby gefunden

Denn als es soweit war, wurde schnell deutlich: Charlie hatte sich längst zu sehr an das Leben mit Menschen gewöhnt. Er würde nie allein in der Natur zurecht kommen. Und so bot das gerade frisch eröffnete Aquarium in Long Beach an, Charlie und das verwaiste Ottermädchen Brook bei sich aufzunehmen. Die beiden Seeotter würden bald beste Freunde werden.

Charlie zeigte sich in Long Beach als freundlich, geduldig und liebenswert. Seine Besonderheit: Er würde sein Leben lang Angst vor Unwettern haben. Wenn es gewitterte, regnete und stürmte, suchte der Seeotter sofort die Nähe zu seinem Pfleger Robert Mortensen. Charlie klammerte sich an dessen Bein fest und beruhigte sich nur, wenn Mortensen ihn mit einer Decke vor dem Unwetter schützte. Vielleicht eine Erinnerung an seine traumatische Geburt?

Ansonsten war Charlie das perfekte "Übungstier" für neue Tierpfleger im Aquarium Long Beach. Der friedliche Otter erlaubte es Robert Mortensen und den Neulingen, an ihm zu üben, wie man mit Seeottern umgeht und ihre Gesundheit kontrolliert. Als Belohnung bekam der kleine Gourmet dafür stets Jakobsmsucheln – Charlies absolutes Lieblingsessen. Auch Königskrabben liebte der kleine Strolch. Und natürlich besorgten ihm die Pfleger regelmäßig diese Delikatesse.

Der freundliche Otter war ein Schleckermäulchen

Im Januar starb Charlies Otterfreundin Brook an Herzversagen. Und auch Charlie zeigte nach mehr als zwei Jahrzehnten langsam deutliche Alterserscheinungen: Er litt an Arthritis und sah immer schlechter. Seinen 22. Geburtstag feierte er aber am 2. März noch einmal "rauschend" – mit einer Torte aus Meeresfrüchten, ganz allein für ihn. Am Ostermontag starb Charlie. Er war der älteste in Gefangenschaft lebende Seeotter der Welt – in freier Wildbahn werden die Tiere meist nur etwa 15 Jahre alt. Von keinem Artgenossen ist überliefert, dass er älter wurde als Charlie. Die Besucher und die Mitarbeiter des Aquariums werden den freundlichen und cleveren Otter vermissen. Ganz besonders natürlich Charlies Pfleger Robert Mortensen. "Ich fühle mich einfach gesegnet, dass so ein großartiges Tier meinen Weg gekreuzt hat", sagte er.

Quelle: "Los Angeles Times"

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wt
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