Elefanten Aufgepäppelt und abgeschossen


Nur noch rund 4000 Elefanten leben auf Sri Lanka. In einem Elefantenheim ziehen Pfleger elternlose Dickhäuter auf, die später wieder in die Wildnis entlassen werden. Doch das Programm allein reicht nicht, um die Tiere zu schützen. Jedes Jahr schießen Bauern rund 150 Elefanten ab.

Widerwillig verlassen acht kleine Elefanten ihr Zuhause. Tierpfleger locken sie mit Milch und Grünzeug, bis sie über eine Rampe in den Lastwagen stapfen. Der wird sie zurück in die Wildnis bringen - nach Jahren im Waisenhaus für Elefantenbabys in Sri Lanka. Die zwischen drei und fünf Jahre alten Dickhäuter sollen sich ihren 400 wilden Artgenossen im Schutzgebiet Udawalawe anschließen.

Den 22 Tierpflegern des Elefantenheims fällt der Abschied schwer, die elternlosen Elefantenkinder sind ihnen ans Herz gewachsen. "Aber wir sehen ein, dass es das Beste für die Elefanten ist", sagt Tierarzt Tharaka Prasad. Er hat Erfahrung mit der Auswilderung: "Seit Beginn des Programms 1998 ist es bereits das achte Mal, dass wir Babyelefanten freilassen."

Seit 35 Jahren setzt sich Sri Lanka für die Elefantenwaisen ein. Das Heim für die Jungtiere etwa 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Colombo und das Auswilderungsprogramm sind ein Beitrag zum Schutz der bedrohten Tiere. Anfang des Jahres konnten Tierarzt Prasad und sein Team einen großen Erfolg feiern, als erstmals ein ausgewildertes Elefantenweibchen ein Junges bekam. "Wir hatten Sandamalee im Jahr 2000 freigelassen. 2007 war sie dann trächtig, dieses Jahr bekam sie ihr Kalb", erzählt der Veterinär. "Das war der Höhepunkt unseres Auswildungsprogramms."

64 Elefanten in die Wildnis entlassen

Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren 64 Elefanten in die Wildnis entlassen und den meisten gelang es, sich den Herden in Udawalawe anzuschließen. Derzeit werden 31 verletzte Elefantenkinder in dem Dickhäuterheim aufgepäppelt. Einige wurden von Zügen angefahren, andere von Bauern angeschossen, wieder andere mussten aus tiefen Brunnen gerettet werden. Und mindestens einer der Elefanten war auf eine Mine getreten.

Die Elefanten in Sri Lanka bilden eine Unterart des Asiatischen Elefanten und stehen unter Schutz. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gab es schätzungsweise noch 12.000 Elefanten auf der Insel, heute sind es nur noch etwa 4000. Obwohl sie als heilig gelten, fallen jährlich etwa 150 Tiere Bauern zum Opfer, die um ihre Ernte fürchten.

Da der Lebensraum für die Elefanten immer kleiner werde, gebe es immer mehr Konflikte zwischen Menschen und Tieren, sagt Experte Srilal Miththapala. "Man kann dem Bauern, dessen Ernte von Elefanten vernichtet wurde, nichts von Tierschutz erzählen", sagt Miththapala. "Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen vom Naturschutz profitieren." Er fordert deshalb, die Naturparks auszuweiten und Reisfelder und Zuckerrohrplantagen mit Elektrozäunen vor den wilden Tieren zu schützen.

40 Liter Milch am Tag

Umweltminister Patali Champika Ranawaka will die Dorfbewohner in die Bemühungen zum Schutz der Tiere einbeziehen. "In den Naturparks ist die Zahl der Elefanten wieder gestiegen, obwohl sie im gesamten Land zurückgeht", sagt der Minister. Ein Grund für Letzteres ist der bewaffnete Konflikt auf der Insel, in dem seit 1972 nicht nur 60.000 Menschen, sondern auch zahlreiche Elefanten getötet wurden. Dank besserer Geräte und Medikamente können heute mehr verletzte Tiere gerettet werden. Die Sterblichkeitsrate im Elefantenheim sei von 40 auf 15 Prozent gesunken, sagt der Tierchirurg Suhada Jayawardana. Trotzdem müssen die Tierärzte und Pfleger um das Leben der kleinen Dickhäuter kämpfen. Denn es fehlt an Geld. Jedes Tier brauche allein 40 Liter Milch am Tag, erklärt der Chirurg. Umso mehr freut er sich über neue Paten für die Elefantenbabys, die 1250 Dollar (790 Euro) im Jahr spenden.

Die in Großbritannien lebenden Sri Lanker Gilbert und Mala Silva haben die Patenschaft für das zweieinhalb Jahre alte Elefantenmädchen Sahara übernommen, das vermutlich durch einen Zug verletzt wurde. Vor Kurzem besuchte das Paar sein Patenkind. Jetzt möchten die beiden mehr Elefanten-Paten gewinnen. "Viel zu wenige Menschen wissen von der Arbeit hier", sagt Gilbert Silva.

Auch die unter dem Bürgerkrieg leidende Tourismusbranche hat die kleinen Elefanten für sich entdeckt und will das Waisenhaus für Dickhäuter als Reiseziel für Naturfreunde anbieten. Es sei schwer, ausländische Urlauber anzulocken, sagt Sulochana Ramiah Mohan von der srilankischen Tourismusbehörde. "Aber wenn sie erst einmal hier waren, können wir sicher sein, dass sie wiederkommen."

AFP AFP

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