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Erderwärmung: Kritische Grenze nur noch schwer zu erreichen

Das politisch angestrebte Ziel, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken, wird nur sehr schwer zu erreichen sein, warnen Klimaforscher. Sie fordern daher einen drastischen Kurswechsel: Der Kohlendioxidausstoß müsse noch stärker reduziert werden.

In vergangenen Klimakonferenzen hatten sich etwa hundert Länder, darunter die EU-Staaten, auf die kritische Marke von zwei Grad Celsius geeinigt. Höher sollte die weltweite Durchschnittstemperatur nicht ansteigen, sonst drohen erhebliche Gefahren für die Menschheit. Seit 2005 ist diese Grenze Leitlinie der EU-Klimapolitik.

Nun kommen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass das Ende der fossilen Energien schneller kommen muss als geplant. Ansonsten werde die kritische Zwei-Grad-Grenze voraussichtlich überschritten, haben zwei Forschergruppen in neuen Analysen des globalen Ausstoßes von Klimagasen und deren Auswirkung auf das Weltklima festgestellt. Nach Malte Meinshausen vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) sowie Myles Allen von der Universität von Oxford bleibt demnach nicht mehr viel Zeit, um das Ruder herumzureißen.

In der Studie der Wissenschaftler um Meinshausen, die im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde, errechneten die Forscher erstmals, wie viel Kohlendioxid die Menschheit bis 2050 maximal noch in die Atmosphäre pumpen kann, um den kritischen Wert von zwei Grad Celsius nicht zu überschreiten. Angefangen mit dem Jahr 2000 kamen die Forscher auf einen Wert von einer Billion Tonnen CO2. Allein in den vergangenen neun Jahren habe die Menschheit jedoch schon ein Drittel dieser Menge ausgestoßen. "Wenn wir fossile Energien verbrennen wie bisher, werden wir das Kohlenstoff-Budget in nur zwanzig Jahren ausgeschöpft haben", erklärt Meinshausen.

Kaum noch Spielraum

Die Zahlen der britischen Wissenschaftler um Myles Allen liefern ähnliche Ergebnisse: Die Forscher hatten hochgerechnet, wie viel Kohlendioxid die Menschheit seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 18. Jahrhunderts bereits in die Atmosphäre entlassen hat und welche Auswirkungen der Ausstoß bis in die kommenden Jahrhunderte haben könnte. Sie errechneten dabei einen Wert von 3,7 Billionen Tonnen, bei dem ein Temperaturanstieg um zwei Grad zu erwarten wäre. Die Hälfte dieser Kohlendioxidmenge habe der Mensch in den vergangenen zweieinhalb Jahrhunderten bereits ausgeschöpft. Auch den Berechnungen von Allen und seinen Kollegen zufolge bliebe der Menschheit also nicht mehr viel Spielraum zum Gegensteuern.

Bei den bisherigen Diskussionen um den Treibhauseffekt sei dem aktuellen Kohlendioxidausstoß zu viel Bedeutung beigemessen worden, erklären die Forscher in einem gemeinsamen Kommentar in "Nature". Es müssten vielmehr auch die über viele Jahrzehnte aufsummierten Kohlendioxidemissionen betrachtet werden. "Die Natur kümmert sich nicht um das Datum", erklärt Allen. "Um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden, müssen wir den Kohlendioxidausstoß insgesamt reduzieren, nicht nur die Emissionen in einem bestimmten Jahr." Denn unabhängig davon, wie schnell das Steuer herumgerissen wird und die Industrie- und Entwicklungsländer ihren jährlichen Ausstoß reduzieren: Der Menschheit könne sich nur noch eine begrenzte Menge Kohlendioxid erlauben.

sp/ DDP / DDP
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