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Tag des Baumes Es regnet nicht mehr – was macht das mit der Umwelt? Fünf Fragen an den Nabu

Toter Baum im Gremberger Wäldchen. Buchen leiden neben Fichten besonders unter Dürre und Schädlingen
Toter Baum im Gremberger Wäldchen. Buchen leiden neben Fichten besonders unter Dürre und Schädlingen
© Oliver Berg / DPA
Der Naturschutzbund Deutschland befürchtet in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der Waldschäden. Grund sei die anhaltende Trockenheit nach zwei Hitzesommern. Was das heißt, beantwortet der Nabu in fünf schnellen Fragen.

Wird das Waldsterben wieder aktuell oder ist es das immer noch?

Das Waldsterben in den 1980er Jahren hat auf Grund des Handelns der Politik und der Industrie glücklicherweise großflächig nicht stattgefunden. Zur Reduktion von Schwefeldioxid und Stickoxiden wurden Rauchgasentschwefelungsanlagen in Kraftwerken eingebaut,  Kraftstoffe entschwefelt und die Katalysatoren für Autos eingeführt. Beim "Waldsterben 2.0" lässt sich leider nicht so einfach der "Hebel" umlegen. Seit Jahren steigen die Durchschnittstemperaturen (ein Rekord folgt dem nächsten), der Niederschlag wird weniger, oder er verteilt sich regional unterschiedlich. Ein zusätzlicher großer Stressfaktor sind die sogenannten Hitzetage über 30°C. Diese lagen in den 1950er Jahren noch bei durchschnittlich 3 Tagen (1-8 Tage) und sind in den 2010er Jahren auf durchschnittlich 10 Tage (5-20 Tage) angestiegen. Die Zahlen zeigen deutlich, wir befinden uns mitten im Klimawandel. Es kann gut sein, dass die extremen Hitzejahre 2018 und 2019 in Zukunft Normalität sein werden, oder vielleicht schon Normalität sind – mit allen Konsequenzen – für die Natur und für uns Menschen.

Lässt sich sagen, wie viel Regen aktuell fehlt?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Im März sind z.B. im Schwarzwald 200l/m² Regen gefallen, das war deutlich mehr als im langfristigen Mittel. Dagegen sind in Brandenburg nur 30l/m² und in Mecklenburg-Vorpommern 35l/m² gefallen.

Das grundlegende Problem für die Wälder ist, dass oft in den Bodenschichten unter einem Meter die Wasservorräte gar nicht vorhanden sind (dafür sind die Winterniederschläge, am besten in Form von Schnee notwendig). Diese sind gerade in den warmen Monaten von Juni bis August oft der einzige Zugang zu Wasser, da der Niederschlag gering ist.

Aufschlussreiche Daten gibt es vom "Dürremonitoring Deutschland" vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ.

Demnach sind derzeit gut 20% (kein statistisch abgesicherter Wert, sondern der geschätzte Anteil der Karte) der Böden in Deutschland (bis ca. 1,8m Tiefe) von einer "außergewöhnlichen Dürre" (schlechteste Stufe) betroffen. Die "außergewöhnliche Dürre" verteilt sich dabei nicht gleichmäßig über Deutschland, sondern besonders betroffen sind davon vor allem Brandenburg, die südliche Hälfte Bayerns und Baden-Würtemberg, aber auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.

Betrifft die Dürre außer den Wäldern auch andere Bäume, etwa in Städten oder Gärten?

Oftmals sind Einzelbäume in der Stadt oder in Gärten noch viel stärker betroffen. Im Wald bildet das Kollektiv der Bäume mit ihren Kronen eine Art Sonnenschirm und durch die Verdunstung von Wasser über die Blätter verfügt der Wald über eine eigene "Klimaanlage". Stadtbäume können nicht den Schutz andere Bäume genießen und sind der Sonneneinstrahlung extrem ausgesetzt. Dazu kommt, dass die Bäume in der Stadt oft nicht über genügend Raum für ihre Wurzeln verfügen, weil sie z.B. neben einer Straße stehen. Zugute kommt den Bäumen in der Stadt manchmal, dass sie von Menschen mit Wasser versorgt werden. 

Welche Gefahr außer Trockenheit und dem Borkenkäfer drohen den Bäumen sonst noch?

Wichtig ist es derzeit, die "Klimaanlage" des Waldes zu fördern und zu schützen. Gerade in Laubwäldern muss das Kronendach als Sonnenschirm unbedingt geschlossen bleiben. Werden durch die Forstwirtschaft zu viele Bäume entnommen, kommt zu viel Licht und Wärme in den Wald – der Wald wird zu warm. In den "Dürrejahren" 2018 und 2019 sind viele Nadelbäume abgestorben, auf dem Holzmarkt gibt es ein Überangebot. Der Holzpreis des einstigen "Brotbaums" der Fichte ist innerhalb kurzer Zeit (wenigen Jahren) von um die 100 Euro je Kubikmeter auf z.T. unter 20 Euro gefallen. Für die Forstbetriebe wird aufgrund der Erntekosten der Holzverkauf z.T. zum Verlustgeschäft, bzw. die Einnahmen sind deutlich geringer als kalkuliert. Gerade große Forstbetriebe, wie etwa die Landesforstverwaltungen, haben hohe Fixkosten in Form von Personalkosten. Der Holzverkauf ist eine wesentliche Säule um die Personalkosten zu decken. Um das Einnahmedefizit zu decken besteht die Gefahr, dass vermehrt Laubbäume wie Eichen und Buchen eingeschlagen werden. Kurz- und Mittelfristig hat das zur Folge, dass die oben beschriebene "Klimaanlage" des Waldes außer Kraft gesetzt wird – der Stress für die Wälder nimmt zu.

Gibt es etwas, was jeder einzelne jetzt für Bäume tun kann?

Grundsätzlich ist der Klimawandel derzeit die größte Bedrohung für unsere Wälder. Ohne eine Verringerung des Temperaturanstiegs wird die Situation für unsere Wälder immer schwieriger werden. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, kann und muss jeder bei seinem täglichen Handeln einen Beitrag leisten – der Schlüssel heißt letztendlich – weniger Konsum.


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