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Kampf gegen Zika und Co. Florida Keys wollen ihr Mücken-Problem lösen – mit 750 Millionen genmanipulierten Mücken

Die Aedes aegypti, auch Gelbfiebermücke, Denguemücke oder Ägyptische Tigermücke genannt
Alle Mücken sind Quälgeister, diese hier kann sehr gefährlich werden: Die Aedes aegypti, auch Gelbfiebermücke, Denguemücke oder Ägyptische Tigermücke genannt, überträgt verschiedene potenziell tödliche Krankheiten
© Gustavo Amador / epa efe / DPA
In den Florida Keys breitet sich seit Jahren die gefährliche Ägyptische Tigermücke aus, die mehrere tödliche Krankheiten übertragen kann. Nun geht man auf der Inselgruppe mit einer besonderen Methode gegen die Plagegeister vor.

Weite Strecken des Jahres ist es in den Florida Keys feucht, heiß und schwül. Während viele Menschen das als suboptimale Lebensbedingungen ansehen würden, gedeihen manche Spezies unter solchen Konditionen prächtig: Mücken zum Beispiel, was wiederum teilweise erklärt, warum derartige Regionen bei vielen Menschen eben nicht so beliebt sind. Die Behörden der Keys wollen nun einem kleinen, aber besonders gefährlichen Teil ihrer Mücken zuleibe rücken – und zwar mit speziellen, genveränderten Mücken.

Die sollen nämlich die unter verschiedenen Namen bekannte Stechmücke Aedes aegypti nach Möglichkeit ausmerzen. Die Ägyptische Tigermücke macht rund ein Prozent der örtlichen Mückenpopulation in den Florida Keys aus. Doch das eine Prozent hat es in sich. Denn die Ägyptische Tigermücke kann das potenziell tödliche Zika-Virus übertragen sowie die nicht minder gefährlichen Krankheiten Dengue-, Chikungunya- und Gelbfieber. Einen siebenstelligen Betrag pumpen die Behörden daher jedes Jahr in die Bekämpfung eben jener Mücke, zumeist in das Versprühen von Pestiziden.

Genveränderte Mücke OX5034 soll Ägyptische Tigermücke bekämpfen

Weil die fliegenden Plagegeister aber zum Teil immun gegen Pestizide sind und die herkömmliche Bekämpfung auf Dauer auch einen nicht unerheblichen Teil des Budgets verschlingt, wird in den nächsten zwei Jahren ein neuer Ansatz ausprobiert. Unter der Woche gab es grünes Licht von der örtlichen Mücken-Kontrollbehörde, im Mai hatte bereits die Umweltschutzbehörde auf Bundesebene, die Epa, das Projekt abgenickt. Satte 750 Millionen genveränderte Mücken sollen in den kommenden zwei Jahren auf den Inseln ausgesetzt werden.

Der Clou: Die Insekten mit dem wohlklingenden Namen OX5034 sind so manipuliert worden, dass der weibliche Teil ihrer Nachkommen noch im Larvenstadium verendet. Nur weibliche Mücken stechen Menschen, weil sie Blut saugen, das sie für die Produktion ihrer Eier benötigen. Die männlichen Labormücken sollen sich mit wilden Mücken paaren, im Idealfall mit vielen der gefährlichen Tigermücke. Von dem daraus resultierenden Nachwuchs bleiben dann nur nektarschlürfende Männchen übrig, die keine Gefahr für die Menschen in der Region sind. Diese sollen das Vorgehen dann über mehrere Generationen wiederholen, so zumindest der Plan.

Kritik von Naturschützern und Anwohnern

Nicht alle sind von der Idee begeistert. Die US-basierte Aktivistengruppe Zentrum für Nahrungssicherheit kritisierte die Maßnahme in einem Statement als "Jurassic-Park-Experiment". Naturschützer von "Friends of the Earth" sprachen von "unnötiger Gefahr für Einwohner, Umwelt und gefährdete Spezies". Fast eine Viertelmillion Menschen hat eine Petition auf Change.org gegen den Mücken-Feldversuch unterzeichnet.

Zahlreiche Einheimische werden in Medienberichten zitiert, sie müssten als "Versuchskaninchen" für "Super-Insekten" und "Robo-Frankensteins" herhalten. Der Hersteller Oxitec beteuert derweil, dass für Menschen keine Gefahr ausgehe, weil die genveränderten Mücken und ihre Nachkommen ja nur Männchen seien und daher nicht stechen würden. 

Tatsächlich aber zeigte eine Studie, dass bis zu vier Prozent der weiblichen Nachkommen doch überleben und nicht geklärt ist, ob sie unfruchtbar sind. Der Versuch in Florida ist nämlich nicht der erste seiner Art. Laut CNN wurde ein enger Verwandter von OX5034, namentlich OX513A bereits auf den Cayman-Inseln, Panama und Brasilien getestet. In einer Region in Brasilien soll damit einer Studie zufolge 95 Prozent der Ägyptischen Tigermücke ausgerottet worden sein.

Die neue, überarbeitete Variante hat bereits die Freigabe auf Bundesebene erhalten, um auch in Texas eingesetzt zu werden. Dort wurde der geplante Feldversuch allerdings erstmal auf Eis gelegt, weil man aktuell alle Ressourcen für die Bekämpfung des Coronavirus benötige.

Quellen:CNN / Gizmodo / WLRN / BBC / Center for Food Safety / Mücken-Studie / Mücken-Studie 2 / Change.org


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