FORSCHUNG Antibiotika gegen BSE


Schottische und italienische Forscher haben möglicherweise einen Weg gefunden, die Creutzfeldt-Jakob-Krankreit zu behandeln: Antibiotika schwächen die krankheitserregenden Prionen.

Forscher in Italien und Schottland sind auf eine mögliche Waffe gegen Gehirnerkrankungen wie der neuartigen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD), Scrapie und der Rinderseuche BSE gestoßen. In den »Proceedings of the National Academy of Sciences« (PNAS, DOI: 10.1073/pnas.162195499) vom Dienstag berichten sie, dass das ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline die krankheitserregenden Prionen schwächt.

Eiweisstoffe werden wehrlos

Durch die Antibiotika-Attacke seien einige dieser Eiweißstoffe so wehrlos geworden, dass sie von Enzymen »verdaut« wurden. Gewöhnlich werden sie nicht von Enzymen angegriffen. Fabrizio Tagliavini und Kollegen aus Meran, Turin und Edinburgh berichten in den PNAS, dass sie ein Tetracyclin im Labor auf BSE- und vCJD-infiziertes Hirngewebe einwirken ließen. Einige Prionen seien danach »leichtes Spiel« für die Enzyme geworden.

Wirkung nicht nur im Labor

Hoffnungsvoll stimmt die Forscher, dass das Antibiotikum im Gegensatz zu manch anderen Medikamenten die so genannte Blutbarriere im Hirn durchdringen kann und damit nicht nur im Labor wirkt. An lebenden Hamstern zeigten Tagliavini und Kollegen bereits, dass Tiere gesünder bleiben und länger leben, wenn sie mit Tetracyclin- behandelten Prionen infiziert wurden statt mit unbehandelten Prionen. Das Team folgert daraus, dass Tetracycline eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung vor Ansteckungen mit der Rinderseuche oder der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit spielen könnte.

Ein Team um Prof. Hans Kretzschmar und Kollegen der Ludwig- Maximilians-Universität-München hatte erst Mitte Juli erfolgreiche Tierversuche mit künstlichen Gen-Schnipseln gegen Prionen-Krankheiten veröffentlicht. Diese so genannten CpG Oligodeoxynucleotiden (CpG ODN) stimulierten das Immunsystem von Mäusen und schützten bei einer wiederholten Gabe die Tiere lange Zeit vor den Erregern (»Lancet«, Bd. 360, S. 229).


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