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Golf von Mexiko Neuer Anlauf im Kampf gegen das Öl


Mit einem Tag Verzögerung beginnt die Operation "Top Hat 10" im Golf von Mexiko. Kann BP mit der neuen Auffangglocke das sprudelnde Öl stoppen? Genug Grund zur Skepsis gibt es in jedem Fall.

Wieder Daumendrücken am Golf von Mexiko: Knapp drei Monate nach Beginn der Umweltkatastrophe unternimmt der BP-Konzern einen neuen Versuch, das unablässig ausströmende Öl endlich einzudämmen. In der Nacht zum Donnerstag begann mit eintägiger Verzögerung ein kritischer Belastungstest für eine neue Abdichtung über dem ramponierten Bohrloch. Die US-Behörden hatten zuvor geprüft, ob sich durch die anstehenden Arbeiten das Leck vielleicht nicht sogar noch vergrößert. Nach Angaben von BP werden die Tests etwa 48 Stunden dauern. Erst dann werde man wissen, ob die neue Absaugvorrichtung wie geplant arbeite.

Der Sonderbeauftragte der US-Regierung für die Bekämpfung der Ölpest, Thad Allen, erklärte, jeder sei sich der Dringlichkeit bewusst, man wolle aber auch keinen irreparablen Schaden anrichten. Erst sollte geklärt werden, ob die Abdichtung, wenn alle Ventile erst einmal geschlossen seien, nicht dazu führe, dass durch den Druck an anderen Stellen neue Lecks entstünden.

Fortsetzung der Verzögerungen

Die neue Auffangeinrichtung, eine rund 75 Tonnen schwere Metallkonstruktion, war schon am Montag ins Meer hinabgelassen worden. Aber noch bevor BP mit den Tests beginnen konnte, schritt die US-Regierung ein, um letzte Bedenken ausräumen zu lassen. "Wir haben lange überlegt, ob wir die Tests verschieben sollen", erklärte Allen. Es sei aber im Interesse der Öffentlichkeit, der Umwelt und der Sicherheit notwendig gewesen.

Die Tests beginnen nun damit, dass BP Leitungen unterbricht, die noch Öl aus dem Bohrloch zu Schiffen an der Meeresoberfläche leiten. Damit strömt dann das ganze Öl in die Auffangvorrichtung. Tiefseeroboter schließen dann nach und nach drei Öffnungen, die das Öl zunächst noch durchlassen. Schließlich soll kein Öl mehr ins Meer fließen. Dabei beobachten Techniker ständig, wie der Druck ist, um zu überprüfen, dass es keine neuen Schäden oder Lecks gibt.

Seit dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" sollen zwischen 348 Millionen und 690 Millionen Liter Öl ins Meer geströmt sein. Der eintägige Verzug bei der Platzierung des meterhohen Zylinders über dem ramponierten Bohrloch war die Fortsetzung einer Serie von Verzögerungen und Misserfolgen. Wann immer BP verschiedene Kappen oder Absaugsysteme installierte, Schäden an der Quelle reparieren oder das Leck verstopfen wollte, brauchte der Konzern länger als geplant. Entweder machten ihm technische Probleme oder die geringe Erfahrung in solch großer Tiefe einen Strich durch die Rechnung - oder das Wetter spielte nicht mit, etwa als Ausläufer des Hurrikans "Alex" den Golf von Mexiko aufwühlten.

Doch selbst wenn die Vorrichtung funktioniert, wäre sie nur eine vorübergehende Lösung. Vollständig verschließen sollen die Quelle Entlastungsbohrungen mehrere Kilometer unter dem Meeresboden. Damit wird aber frühestens Ende Juli oder Anfang August gerechnet.

DPA/APN/swd DPA

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