Grüner Punkt Alles in eine Tonne kloppen


Moderne Technik macht es möglich: Die gelben Tonnen werden abgeschafft und der Grüne-Punkt-Abfall wird künftig maschinell vom Hausmüll getrennt. Vertreter der Recycling-Industrie sind noch skeptisch.

Die Tage der Gelben Tonne für Verpackungsmüll sind möglicherweise gezählt. "Eine gemeinsame Erfassung von Hausmüll und Leichtverpackungen mit anschließender maschineller Trennung ist eine innovative und viel versprechende Technologie", erklärte die Abfallpolitikerin Antje Vogel-Sperl (Bündnis 90/Die Grünen) am Mittwoch nach einer Expertenanhörung im Bundestag. Auch die FDP forderte, die Mülltrennung für Verbraucher zu erleichtern. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.

Gemeinsame Entsorgung ist einfacher

Hintergrund sind Versuche, Verpackungsabfall mit dem Grünen Punkt einfach zusammen mit dem normalen Hausmüll zu sammeln und danach mit modernen Maschinen zu trennen. Dies würde die Entsorgung nicht nur in der heimischen Küche, sondern auch beim Abtransport erheblich vereinfachen. Experten - unter anderem des Grünen Punkts - verweisen allerdings darauf, dass die Ergebnisse erster Studien viele Fragen offen lassen.

Vogel-Sperl meinte deshalb, die Forderung nach einem Ende der Getrenntsammlung sei eindeutig verfrüht. Gut funktionierende und ökologisch sinnvolle getrennte Erfassung etwa von Bioabfall, Altpapier und Glas müssten erhalten bleiben. Andere Getrenntsammlungen, die keinen ökologischen Nutzen brächten oder die auf moderne Sortiertechnologien umgestellt werden könnten, "gehören dagegen auf den Prüfstand".

FDP will auf Mültrennung verzichten

Die FDP, die die Expertenanhörung beantragt hatte, stimmte zu. Sie hält es für erwiesen, dass Rest- und Verpackungsmüll künftig ohne Abstriche beim Umweltschutz in derselben Tonne gesammelt werden können. "Wenn der Inhalt von Gelbem Sack und grauer Tonne sowieso fast identisch ist, sollte man konsequenterweise dies zusammen sammeln und mit Ausnahme von Papier, Kompost und Glas auf die Mülltrennung in den Haushalten verzichten", erklärte FDP-Umweltexpertin Birgit Homburger.

Die Union zeigte sich skeptischer. "Auch in den nächsten Jahren wird auf die Trennung des Hausmülls in Deutschland nicht verzichtet werden können", schlossen ihre Experten aus der Anhörung. Noch gebe es zu viele offene Fragen.

Die Müllmenge insgesamt geht in Deutschland zurück, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Für das Jahr 2002 betrug das bei Entsorgungsanlagen wie Deponien oder Verbrennungsanlagen ermittelte Abfallaufkommen 381 Millionen Tonnen. Das waren 14 Millionen Tonnen oder 3,5 Prozent weniger als im Jahr 2001. Den größten Anteil stellten die Bau-und Abbruchabfälle mit 241 Millionen Tonnen, gefolgt von Hausmüll mit 53 Millionen Tonnen, dem Schutt aus dem Bergbau mit 46 Millionen Tonnen und Abfällen aus Produktion und Gewerbe mit 42 Millionen Tonnen.

Von den 381 Millionen Tonnen Gesamtaufkommen wurden 129 Millionen deponiert oder in Müllverbrennungsanlagen beseitigt. 252 Millionen Tonnen wurden wiederverwertet, davon 248 Millionen stofflich und vier Millionen Tonnen thermisch durch Verbrennen in Produktionsanlagen der Industrie. Die Verwertungsquote von 66 Prozent blieb gegenüber 2001 und 2000 praktisch unverändert.

Die Wiederverwertungsquoten für getrennt gesammelten Müll sind ebenfalls stabil. Glas sowie Papier, Pappe, Kartonagen wurden im Jahr 2002 zu 99 Prozent wiederverwertet, Metall- und Verbundverpackungen zu 96 Prozent, Leichtverpackungen und Kunststoffe zu 75 Prozent und Elektronikschrott nahezu vollständig.

AP AP

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