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Er wäre heute 101 geworden: Heinz Sielmann: Er kämpfte für den Naturschutz

Der international renommierte Tierfilmer und Naturschützer Heinz Sielmann wäre heute 101 Jahre alt geworden. Berühmt wurde er die TV-Serie "Expeditionen ins Tierreich". Vom Kongo zu den Galapagos-Inseln - für seine Dokus reiste er durch die Welt.

Heinz Sielmann

Heinz Sielmann im Mai 1992

Picture Alliance

Der Zauber der Natur war für den Tierfilmer Heinz Sielmann stets auch Verpflichtung zur Demut. Zur Einsicht nämlich, dass der Mensch nur ein Teil des wunderbaren Kosmos sei, dass er aber als Krönung der Evolution in großer Verantwortung für den Erhalt des Naturerbes stehe. Alle seine Filme waren in diesem Geiste gedreht - in staunender Neugier und zugleich in tiefem Respekt vor der Schöpfung. Sielmann zählt zu den bekanntesten Tierfilmern Deutschlands, die von ihm begründete Reihe "Expeditionen ins Tierreich" gehört zu den größten Erfolgen der deutschen Fernsehgeschichte.

"Die Bevölkerung der Welt hat sich zu meinen Lebzeiten verdreifacht und alles, was wir machen, tun wir zu Lasten der Natur", sagte Sielmann einmal. "Trotz der schlimmen Entwicklung bin ich aber zuversichtlich. Wir Menschen werden zu guter Letzt doch noch erkennen, dass wir unsere Maßlosigkeit einschränken müssen, wenn wir Mutter Erde nicht in den Abgrund wirtschaften wollen. Deshalb müssen wir vor allem mit der Jugend reden."

Heinz Sielmann: Naturschutz als positive Lebensphilosophie

Neben zahlreichen Dokumentationen drehte Sielmann deshalb auch rund 30 Unterrichtsfilme für die Schulen. Die Umweltpädagogik gehört auch zu den Schwerpunktthemen der Heinz Sielmann Stiftung, die der Tierfilmer und Autor zahlreicher Bücher zusammen mit seiner Frau Inge 1994 gegründet hatte. Die Stiftung, die sich "Naturschutz als positive Lebensphilosophie" zum Ziel gesetzt hat und auch wichtige Biotope sichern soll, gilt als Krönung seines Lebenswerks und als sein Vermächtnis.

Er reiste durch die Welt, immer den Tieren auf der Spur

Kilimandscharo und Kongo, Galapagos-Inseln und Rocky Mountains - mehr als ein halbes Jahrhundert reiste Sielmann rund um die Welt, um die Natur per Kamera einzufangen. Vom Ameisenbär bis zum Zitteraal - fast jede Spezies kam bei ihm vor die Linse. Mit Jeep oder Helikopter ging er ebenso auf Expedition wie mit Boot oder Schlitten. Auch im Kino hatte der am 2. Juni 1917 in Rheydt im Rheinland geborene Verhaltensforscher und Biologe große Erfolge mit "Lied der Wildbahn", "Herrscher des Urwalds" oder "Galapagos - Landung in Eden". Die Arbeit des "TV-Dinosauriers" wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter fünf Bundesfilmpreise, Goldene Kamera, zwei Bambis und das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.

Im Krieg arbeitete Heinz Sielmann als Ornithologe

Nach dem Willen seines Vaters, eines Chemikers, hätte Heinz Sielmann eigentlich Lehrer werden sollen. Doch schon in den Jugendjahren geriet der Sohn, der in Ostpreußen aufwuchs, in den Bann der Natur. "Mein Vater war leidenschaftlicher Angler und Jäger, die Exkursionen mit ihm waren für mein Leben entscheidend", sagte Sielmann einmal. Doch anders als der Vater ging er später statt mit dem Gewehr mit der Kamera auf Jagd. Seine Karriere startete er 1938, als er mit 21 Jahren seinen ersten Film "Vögel über Haff und Wiesen" vor Ornithologen in Berlin präsentierte. "Ich habe aus einem Kindheitstraum meinen Beruf gemacht, das ist der größte Erfolg in meinem Leben", sagte der Tierfilmer einmal im Rückblick.

Sohn starb durch Unfall

Der größte Schicksalsschlag traf ihn 1978. Sein einziger Sohn Stephan - der schon in die Fußstapfen des Vaters getreten war - kam durch einen Unfall in Kenia ums Leben. Seit 1951 lebten Sielmann und seine Frau in Bayern - in einem Landhaus mit einem 3300 Quadratmeter großen Gartenpark am Stadtrand von München. "Haustiere brauchen wir in dieser Oase keine, bei uns fischt der Eisvogel und kommt der Steinmarder zu Besuch", pflegte Sielmann gerne zu sagen.

Als er seine ökologischen Mahnungen auch in Tierserien bei privaten TV-Sendern präsentierte, handelte er sich vorübergehenden Ärger mit seinem "Stammhaus" - der ARD - ein. "Es ist gigantisch, was sich in den letzten 50 Jahren auf der Erde verändert hat: Arten wie der sibirische Tiger und der Berggorilla in Ruanda sind vom Aussterben bedroht", sagte Sielmann und betonte: "Und selbst in unserer Landschaft sind Rebhühner und Hasen fast verschwunden." Das Schlimme sei, dass der Großteil der bedrohten Arten nahezu unbemerkt verschwinde. 2006 ist der leidenschaftliche Naturschützer gestorben - nach Angaben seiner Stiftung entschlief er "ruhig und in Würde im Kreise seiner Familie und Freunde".

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Jürgen Balthasar/DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?