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Dschungelcamp 2013, Tag 13: Georgina macht die Biege - und Joey nicht auf Transe

Da waren's nur noch fünf: Georgina fliegt aus dem Camp, bevor der Zickenkrieg richtig losgehen konnte. Derweil probt ein Krokodil den Aufstand - und weigert sich, Patrick Nuo zu verspeisen.

Von Jens Wiesner

Maden haben keine Lobby. Ob sie von Zähnen zermalmt, Füßen zerquetscht oder Mägen verdaut werden, geht dem gemeinen Zuschauer am Allerwertesten vorbei. In einer Mischung aus Faszination und Ekel hocken wir tagein, tagaus vor der Mattscheibe, während sich Claudelle, Fiona, Joey und Co. heldenhaft der Gefahr aus dem Tierreich stellen. Wir fiebern mit, wir würgen mit. Das Tier, so lehrt uns das Dschungelcamp, ist der Feind - zumindest wenn es als Insekt oder Reptil daherkriecht. Wären Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann noch am Leben, sie würden traurig mit den Köpfen schütteln. Jahrzehnte der Aufklärung - weggewischt durch ein Trashformat mit C-Prominenz. Doch heute drehte ein namenloses Krokodil den Spieß um und verweigerte sich - ganz Randale-Ralph - seiner Rolle als Bösewicht.

Dabei waren die Instruktionen von Dr. Bob glasklar formuliert gewesen: Schwimm' ein bisschen im Pool herum, zeig' deine Zähne und sorg' dafür, dass Patrick Nuo das Hinterteil auf Grundeis geht. Um seine Dschungelprüfung zu bestehen, musste der Schweizer nach sechs Sternlein tauchen. Weil Luftholen alleine aber zu wenig Thrill versprach, packte man noch ein Krokodil mit in die Mischung. Doch statt "Lake Placid" gab's nur Krocodoc für Arme.

Als der Nuo mit einem Hechtsprung abtauchte, flüchtete das Reptil, im Einspieler noch als grausamstes Wesen seit Schäferhund Blondie präsentiert, in die hinterste Ecke des Pools. Und dort blieb es, bis der blankbrüstige Eindringling seine Arbeit erledigt hatte. Zähneknirschend mussten Zietlow und Hartwich auf billige Oben-Ohne-Lästerien zurückgreifen. Dem Patrick war's egal. Sein noch feuchtes Sixpack zuckte vor Freude, ja sogar zu einem hämischen Seitenhieb ließ sich der siegreiche Prüfling hinreißen: "Das Krokodil", lästerte er, "war Gott sei dank sehr freundlich heute." Aber was ist schon ein Sieg, wenn ohne Mühen errungen? So sponn Käpt'n Blaubär zurück im Camp sein Seemannsgarn und sprach vor versammelter Mannschaft von "einem Riesenkrokodil", das ihn "die ganze Zeit verfolgt hätte".

Frühstück in Superzeitlupe

Ja, vielleicht hätte Dr. Bob besser Olivia Jones mit zum Planschen geschickt: Die Transe vom Kiez scheint den Beau jedenfalls mehr zu verunsichern als eine ganze Horde hungriger Krokodile. Vor allem, weil sie sich offenbar fest vorgenommen hat, dem Sängerknaben bis zum Ende der Show "ordentlich die Klöten durchzukneten". Ein Plan, der Patrick Nuo die Schweißperlen jedesmal wieder frisch auf die eidgenössische Stirn treibt - zur Freude der Jones, natürlich. Zwar fielen heute erste Berührungsängste - Olivia durfte zu Massagezwecken auf Patricks Rücken herumtrippeln - aber ein 'Happy Ending' gab's trotzdem nicht. Mann und Mann - (noch) ist diese Kombination unvorstellbar für Nuo. Aber wer weiß - vielleicht überrascht uns das Camp ja doch noch mit einem Süßkind'schen Jeder-mit-jedem-Klimax? Grenouille, übernehmen Sie!

Weitaus offener zeigte sich dagegen Joey Heindle. Ob ihn Olivia nicht als Frau zurechtmachen könnte? Doch so schnell, wie die Hoffnung auf "Joanna Tiputana am Lagerfeuer" gekommen war, zerstob sie wieder. Der Lagerbenjamin fürchtete einfach zu sehr um seinen Schniedelwutz ("Der bleibt in meiner Hose drin - für immer!") - und bewies eindrücklich, dass er das Konzept 'Transvestit' noch nicht ausreichend gedanklich durchdrungen hat. Ach, Joey!

In die Annalen der TV-Geschichte wird diese sonst eher belanglose Episode trotzdem eingehen - dank der sinnlosesten Verwendung von Zeitlupe überhaupt. Wir erinnern uns: Georgina Fleur hatte am Vortag eine Gruselnacht mit allerlei Getier und Patrick im Baumhaus verbringen müssen. Im Austausch für die erwiesene Tapferkeit ließen Sonja und Daniel am Morgen danach ein ausgiebiges Frühstück springen: Doch als die Schlemmerei ihren Anfang nahm, fror die Bewegung auf dem Bildschirm plötzlich ein: Slow-Motion? Dramatische Musik? Der trainierte Filmenthusiast freute sich auf Böses: Würde sich Fiona Erdmann an einem Brötchen verschlucken und Patrick Nuo ihr per Heimlich-Manöver das Leben retten? Würde Georgina ihrer Erzfeindin ein Marmeladenbrot ins Gesicht klatschen? Mitnichten! Es wurde gekauft, gemampft und zufrieden geschaut. Geschmacksknospenorgasmus in Superzeitlupe. Bitte???

Die Sache mit dem Sams

Und dann fiel auch noch der Showdown zwischen Georgina und Fiona Erdmann ins Wasser. Zwar wurde das "Sams" tatsächlich eliminiert, aber nicht in einer epischen Schlachtszene á la Vader und Skywalker, sondern ganz schlicht vom Publikum. Die Zuschauer hatten offenbar genug von Georgina und ihrem losen Mundwerk - Betty-Boob-Wimpernklimpern hin- oder her.

Uns Zuschauer lässt Tag 13 indes ratlos zurück: Sollte das große Highlight dieser Staffel tatsächlich Claudelles Geburtstag am Freitag werden? Dann aber bitte mit Tortenschlacht - und die mindestens so groß wie in Tony Curtis' Filmklassiker "Das große Rennen um die Welt". Allegra wäre stolz.

Anmerkung: In einer ersten Version des Artikels war fälschlicherweise die Rede davon, dass Georgina und nicht Fiona ihre Decke abgeben musste. Wir haben das korrigiert, vielen Dank für den Hinweis!