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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Promis am Badestrand: Im Sommer hat die Würde hitzefrei

Sylvie Meis im Bikini, Leonardo Di Caprio auf einem Boot: Sie kennen diese Bilder? Gut, dann geht es ihnen so wie Micky Beisenherz. Der wundert sich über ein Phänomen, das jeden Sommer seine Kreise zieht: die Yachtsaison.

Finden St. Tropez auch richtig dufte: Brigitte Nielsen und ihr Ehemann Mattia Dessi 

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Picture Alliance

Gerade eben hätte der große seinen 101 Geburtstag gefeiert. Ob der große Zoologe privat BUNTE oder GALA gelesen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Er hätte den Magazinen aber vermutlich wenig Neues entnehmen können, war er mit Affenfelsen doch schon in den 50er Jahren durch.

In den Sommermonaten laufen die Prominentenbeschattungsorgane zur Höchstform auf und machen aus ihren Lesern 80 Millionen Ernährungsberater, Dermatologen, Geographen. Dann ist Badesaison, und wenn Zelebritäten aller Länder nicht schon seelisch bis auf die Knochen runter gestrippt wurden, so lassen sie jetzt auch buchstäblich die Hosen runter. Das guckt man sich natürlich gerne an.

Zunächst einmal sei an dieser Stelle Sylvie Meis gedankt, die in ganzjährigem unermüdlichen Einsatz eine gewisse Badebildergrundversorgung herstellt, wenn sie quartalsmäßig irgendeinen Paparazzo anruft, der sie Mittwochmittag pünktlich dabei erwischt, wie sie um 13 Uhr 52 am Emscher Lippe Kanal in einem Hunkemöller- Bikini den Fluten entsteigt.

Da INTOUCH und Co aber in erster Linie dazu dienen, sich mit dem Leben ranghöherer Primaten abzugleichen, muss der Anteil maritimer Schnappschüsse spätestens mit Beginn der Sommerzeit hochgefahren werden.

Man möchte schließlich sehen, ob sein Ed von Schleck auch zwischen dreißig knallroten Engländern (Tautologie!) essen muss und George Clooney mit den Zwillingen im Nichtschwimmerbecken hockt, während Amal bei Aquajogging ist. (Spoileralarm: Es ist nicht so.) 

Es ist Yachtsaison, da gibt es keinen Artenschutz.

Klassiker sind die alljährlich neu aufgelegten Bilder von Leonardo Di Caprio, der sämtliche Modelbestände leergefischt hat und mit ihnen jetzt auf einem Boot größer als das Elbe Einkaufszentrum Richtung schippert, um auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen.

Ziemlich enge Kiste: Cristiano Ronaldos Badehose

Fußballer sind aufgrund einer gewissen Geschmacksunsicherheit immer beliebte Motive: Franck Ribery in einer Baggy Pant aus Weingummi, eine blaue Luxusuhr im Gegenwert Brandenburgs tragend auf einer gecharterten Feretti, Mario Götze (nur echt mit Bauchansatz), der "sich von seiner Frau den WM Frust wegcremen lässt" und natürlich der ewige Cristiano Ronaldo, dessen Badehose knapper ist als der Kontostand von .

Überhaupt, Boris Becker: Nicht nur, dass der mittlerweile fünfzigjährige Teenager aus Leimen es hinnehmen muss, öffentlich vom BILD Mariachronisten Franz Josef Wagner bemitleidet zu werden- jetzt wartet er auch noch stündlich darauf, dass seine Ex bei dem Irren aus Würselen (Martin Schulz hat bereits dementiert) einzieht, der gerade seine Finca auf Mallorca besetzt.

Der hat wenigstens keine Schulden. Becker selbst darf sich überdies nicht einmal beim Kauf eines Mini Milk erwischen lassen, ohne mit der Anschlussschlagzeile "Pleite Boris lässts sich gut gehen" leben zu müssen. Beliebte Orte für´s Vainspotting sind stets das oben bereits erwähnte Sardinien, Saint Tropez, Miami oder die Amalfiküste.

Brathähnchen Bohlen

Dort werden für gewöhnlich die Filetstücke des internationalen Jet Sets zu Wasser gelassen. Wenn´s keine richtigen Stars sein müssen, geht natürlich auch Mallorca. Sofern eine Einladung vorliegt, sieht man Dieter Bohlen dort in einem Gummiboot herum schippern. Wenn er nicht gerade in Cala Ratjada inmitten der selfiewilligen Zielgruppe am Strand liegt und kurz davor steht, die endgültige Transformation zum Broiler abzuschließen.

Tim Wiese oder ähnliche intellektuelle Höchstleister findet man zumeist in, klar, Dubai - so etwas wie eine Shisha Bar mit eigenem Flugplatz. Ein Ort, dessen von Fans vielgelobte Charakteristika wie garantierte Sonnenbräune, gewaltige Shopping Mall nebst Skihalle(!) so exakt auch im Radius von acht Kilometern rund um Oberhausen zu finden sind.

Sylt geht natürlich immer. Da ist der Kerner, der Klopp ebenso (vermutlich sogar zusammen) und der Geist von Judith Rakers weht durch jede Düne. Unlängst hat eine große deutsche Boulevardzeitung eine Art Korrespondenten für eine Woche dorthin geschickt: Zurück kam er mit einer Story über den "Fischbrötchenkrieg zwischen Jürgen Gosch und Tim Raue", sowie einem Interview mit einem mittlerweile doch etwas vermangten Ex- Model. Garniert mit einem Foto auf dem beide bei 30 Grad in einem Strandkorb posieren. Zu ihren Füßen ein Husky, und im Grunde genommen ist damit auch schon alles gesagt.

Bis vor ein paar Jahren waren Boulevardmagazine und Frauke Ludowig so etwas wie der Türsteher zum Jet Set, der uns zumindest mal lugen ließ, "wie die so sind". Das einzig vorhandene Nadelöhr zu einer anderen Welt. Jetzt, da Stars kein Geheimnis mehr um sich selbst machen, sondern sich in sozialen Netzwerken edhardymäßig selbst verramschen, sind die Heftchen eigentlich fast überflüssig.

Wobei, halt: Kommen wir zurück zum Affenfelsen. Es gibt erwiesenermaßen kaum ein Medium, das auch nur annähernd so unglücklich macht wie Instagram oder Snapchat. Hier haben "die da oben" die Gelegenheit, sich so zu präsentieren, dass Ottonormalposter völlig ernüchtert aufgeben muss. Das "f" von Facebook müsste eigentlich grün sein, so wie das Gras auf der anderen Seite des Zaunes. Fünfhundert Versuche, drei Filter und schon sieht Ariana Grande beim Calippo essen ziemlich heiß aus.

Zoom auf die Dellen

Da kannst Du als Durchschnittslebender dich nur mies fühlen. Mehr gelogen wird nur auf den Bildern der Speisekarten mallorquinischer Promenadenbratereien.

Man möchte fast dankbar sein, dass die klassischen Printmedien, allen voran Piranhapostillen wie die Closer mit einem gesunden Schuss Menschenverachtung Bilder drucken, die Madonna oder Lena Mayer Landrut so niemals freigegeben hätten. Da werden Dellen, Macken und kapitulierendes Bindegewebe so gnadenlos herangezoomt und durchdekliniert, dass man nicht in der (schlaffen) Haut des geschmähten Objektes stecken möchte.

SOWAS kriegt Jay Z abends zu sehen?!

Oh, Gott, John Travolta!

Ist DAS der Rest von Britney Spears?!

Spätestens seitdem jedes Jahr wieder über den tapferen Pierce Brosnan berichtet wird, der mit seiner Frau noch zusammen ist, OBWOHL "die nach der Schwangerschaft doch so zugenommen hat!", ist klar:

Zwischen Juni und September hat die Würde endgültig hitzefrei. Und für echte Entspannung sorgt vor allem die Fehlbarkeit der Anderen. So schmeckt der Sommer.

P.S.: Wie sah eigentlich Heinz Sielmann in Badehose aus?

Überraschung: Britney Spears erntete Spott für ihr Blumen-Bild - doch verkauft es für 10.000 US-Dollar