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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Ganz ohne 10.000 Euro - meine Liebeserklärung an Carsten Maschmeyer

Carsten Maschmeyer und unser Autor Micky Beisenherz werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Warum? Das erklärt er in einem offenen Brief an "Maschi". "Hart. Aber rechtlich sauber", wie Micky betont.

Von Micky Beisenherz

Carsten Maschmeyer als Fantomas

Carsten Maschmeyer als Fantomas

Lieber ,

eins gleich vorweg: Als jemand, der über absolut keinen Geschäftssinn verfügt, muss ich sagen: Ich bewundere Sie. Sie sind reich, berühmt und mit einer Frau zusammen, die ihnen absolut nichts vorspielen kann. Außerdem ein absoluter Menschenfreund.

Wieso sonst würden Sie regelmäßig bei der "Ein Herz für "- Gala von der "Bild" am Ende der Veranstaltung noch spontan eine Million drauflegen. "Komm … . Für die Kinder." (Da sendet selbst die Black Box in Kerners Empfindungszentrum wieder schwache Signale.)

Sie könnten sich doch wirklich entspannt aus der Öffentlichkeit zurückziehen - oder mal wieder im Partykeller nachschauen, ob die Scorpions und noch da sind. Stattdessen wagen Sie mutig den Schritt nach vorne in die Medien, um den Menschen zu helfen.

Mit Büchern, in denen Sie dem finanztapsigen Pöbel erklären, wie gutes Business funktioniert oder Fernsehshows, in denen Sie sogenannten "Gründern" dabei helfen, ihre Ideen zu verwirklichen und vor windigen Typen in der Geschäftswelt warnen.

Dabei machen Sie es sich nicht leicht. ist die globale Sammelstelle für Missgunst aller Art, und so kramen neidgelbe Säcke regelmäßig alte Videos aus, in denen Sie zu sehen sind, wie Sie als Chef des Finanzdienstleisters AWD Hallen voll mit mercedesbenzgeilen Versicherungsmastinos mit Schwänzetittenpimmelmonologen auf den Klinkenputzblitzkrieg einschwören.

Damals hatten Sie noch einen Schnäuzer. Dessen Aroma liegt auch heute noch in der Luft. Wie ein Phantomschmerz. Wieder andere werden nicht müde, Ihnen zu unterstellen, Sie hätten als Schrottweiler ihren Reichtum nur anhäufen können, indem Sie zehntausenden Anlegern fragwürdige Finanzprodukte angedreht haben.

Was ist das nur für ein Land.

Schon in der Show "Die Höhle der Löwen" sind Sie ganz unbürokratisch eingesprungen, als mit dem Touristikunternehmer Vural Öger ein Juror ausfiel. Als gütig lächelnder Onkel haben Sie keine Miene verzogen, selbst wenn Ihnen die hanebüchensten Ideen präsentiert wurden. Sie standen mit Rat und Tat zur Seite und gaben Geld, als wäre schon wieder die "Ein Herz für Kinder"-Gala.

Das haben Sie so gut gemacht, dass Sat.1 gesagt hat: "Super Typ, dem geben wir 'ne eigene Show!" Gut, das haben sie auch schon bei Elmar Hörig gesagt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Als Musterprofi, der sich ganz einer Sache verschreibt, war Ihnen klar, dass ein Chefjuror im Privatfernsehen zunächst einmal entknittert werden muss, damit das Ferrero-Rocher- Papier bügelnde Privatfernsehpublikum sich angesprochen fühlt. Böse Zungen behaupten, nach Ihrer Vollverbohlung sähen Sie aus wie irgendwas zwischen der Katzenfrau und Fantomas.

Aber solchen Gemeinheiten würde ich hier nie ein Forum bieten. Bei Sat.1 zog man alle Register, um die Show zu einem Erfolg zu machen. Eine großangelegte Plakatkampagne. Vorne drauf ein dynamischer, deutscher Mittfünfziger, die Ärmel vor Tatkraft strotzend hochgekrempelt, ein Pfeil, der nach oben zeigt rechts daneben - eine echte Alternative für Fernsehdeutschland.

Deutschland sucht den Supergründer.

Mit all den Zutaten, die man für zeitgemäßes Entertainment braucht: Töffelige StartUpper, mit Ideen, die doof genug sind, um sich als Zuschauer zuhause besser zu fühlen. Maschi, der sie alle durchtrumpt. Und Sidekicks, die gerade noch rechtzeitig reingeschoben wurden, bevor man in der Sat.1- Sendezentrale wegen akuter Untermockridgung Alarm schlägt. Alles da.

Aber eine Show kannste nicht botoxen. Nix läuft glatt. Die Quoten gleiten langsam Richtung Boden wie der Segelflieger von Steve McQueen in "Die Thomas Crown Affäre".

Manchmal ist Fernsehen wie Finanzdienstleistung: Du butterst Kohle rein - und wenn die Zahlen kommen, isses zum Heulen. Das hast Du nicht verdient, Maschi! (Darf ich Maschi sagen?)

Da machst Du freiwillig ein paar Stunden sozialen Hilfsdienst bei Sat.1 und stehst am Ende so alleine da wie eine Gucci-Filiale in der Gelsenkirchener Fußgängerzone. Schön, dass einen die alten Kumpels in solchen Zeiten nicht hängen lassen.

Deshalb haben Deine Homies von der "Bild" ("Maschi, komm, das kann so nicht bleiben, da bringen wa morgen was drüber, kein Thema.") nach Sendung zwei den hämischen Mob aufgeklärt, warum die Zahlen so desaströs ausgefallen sind: Nicht etwa der Hauptdarsteller, nein, der TON war schuld!

Um das zu belegen, hat man sogar extra den Quotenverlauf, die Kurve abgedruckt, um zu zeigen, dass die Leute erst weggeschaltet haben, als alles so schlecht zu verstehen war. Nett von der "Bild". So etwas abzudrucken.

Weil, man muss ehrlicherweise sagen: Quotenverläufe in der Zeitung interessieren die Leute in der Regel so wenig wie ...

... eine Gründershow bei Sat.1. Aber netter Versuch. Dafür gibt´s bei der nächsten "Herz für Kinder"- Gala 'ne Mio extra. Für die Kinder. Klar.

Maschi, warum tust Du Dir das nur an?

Dieser ganze Stress. Und weil die Welt schlecht geworden ist, wird Spott nicht länger als Volkssport an Gemüsetheken oder Kantinenauslagen ausgetragen, sondern in medialen Meinungsdeponien wie Twitter. Das Game beherrschst Du natürlich. Andere würden sich verheult in den Schmollwinkel verkriechen, weil alle so gemein sind. Du nicht. Im Gegenteil!

Du lädst unter #RoastCM diese Nattern sogar noch via Twitter dazu ein, Dich zu roasten, dich zu grillen. Wie ein Wiesenhof Würstchen. Also, stramme Pelle außen, und von innnen ... man will's gar nicht so genau wissen.

Wo war ich? Ach, ja. Du lädst dazu ein, den gemeinsten Tweet über Dich und deine fehlvertonte Ideenschmiede zu verfassen. Dem Gewinner winken 10.000 Euro. Ein Hauch von Haffenloher liegt in der Luft.

Hat da gerade irgendwer "Prinz Marcus von Anhalt" gesagt? Absurder Vergleich, ich weiß. Der hat ja lediglich iPads verlost. Für ein bisschen Zuwendung. Außerdem hat der ein klares Geschäftsmodell.

Kurze Verständnisfrage: Wenn man Hunderttausende auffordert, für einen in die Tasten zu tippen - befehligt man dann schon eine Drückerkolonne? Ach, was weiß ich.

Zehntausend Euro für gerade mal einen läppischen Tweet. Leichter kann man sein Geld eigentlich nur verdienen, wenn man, wasweißich, Rentnern wertlose Finanzprodukte aufschwatzt. Zum Beispiel.

Man kann natürlich nur hoffen, dass Du dieses schnelle Geld auch wirklich auszahlst. Aber wer wärst Du denn, wenn Du so etwas nur leer versprechen würdest? Oder war das ganze Spiel nur für diejenigen, die die Show geguckt haben? Dann sollte es ein Abzählreim wohl auch tun.

Alles Gute weiterhin.

Und viel Spaß im Nachtprogramm.

"P. S.: Soeben erfahre ich, dass nicht ich, sondern irgendwer anders die 10.000 Euro gewonnen hat. Sie werden das jetzt vielleicht zum ersten Mal hören, aber: Ich fühle mich betrogen."

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo