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Jahrhundert-Kollision in der Antarktis: Eisgigant bricht vom Gletscher ab

Bei einer Kollision in der Antarktis wurde ein Eisberg von der Größe Luxemburgs geschaffen. Der Gigant entstand, als ein älterer Eisberg den Mertz-Gletscher rammte. Der Abbruch könnte weitreichende Folgen für Wetter und Meeresströmung haben.

Es war eine Jahrhundert-Kollision: Ein Eisberg mit der Bezeichnung B9B ist vor zwei Wochen in der Antarktis mit dem Mertz-Gletscher zusammengestoßen. Dabei brach ein rund 90 Kilometer langer und 30 Kilometer breiter, neuer Eisberg von der Zunge des Gletschers ab. So etwas komme einmal in 50 bis 100 Jahren vor, sagte der Gletscherexperte Neal Young am Freitag im australischen Rundfunk. Die Eismasse hat die Größe Luxemburgs und driftet leicht nach Norden.

Ein französisch-australisches Team entdeckte die Abspaltung. Es arbeitet seit Jahren an einem Projekt namens "Cracice" (Cooperative research into antarctic calving and iceberg evolution). Dabei forscht es an einer Langzeitstudie zum Thema, wie Risse in der Mertz-Gletscherzunge zum Abbrechen von Eisbergen führen. Dazu verfolgte es, wie sich zwei Hauptrisse aus gegensätzlichen Richtungen der Gletscherzunge aufeinander zu bewegten. Beide Risse hatten sich fast getroffen, sodass der nördliche Teil der Gletscherzunge laut "AAD" (Australian Antarctic Division) nur noch wie ein "loser Zahn" am Gletscher hing.

18 Jahre lang war der massive Eisberg B9B in derselben Region geblieben, jetzt aber bewegte er sich. Als er mit dem Gletscher kollidierte, brach die Hälfte der Eismasse ab. Auf Satellitenaufnahmen ist dieser driftende neue Eisberg deutlich zu sehen: Er umfasst rund 2500 Quadratkilometer und ist bis zu 400 Meter dick. B9B selbst ist 90 Kilometer lang.

Das Verhalten der beiden Eisberge Mertz und B9B ist von großem Interesse. Experten warnen, dass ein so großer Eisberg die Meeresströmungen beeinflussen kann. So könnte die Masse eine Region vom Meer abschneiden, aus der besonders kaltes Meereswasser in die Ozeane fließt. Das könne das Wetter tausende Kilometer entfernt im Nordatlantik verändern. Auch auf die Meeresbiologie der Region wird die Kollision wichtige Auswirkungen haben. Es gebe keine Anzeichen, dass der Klimawandel zu dem Abbruch beitrug, sagte Young.

DPA / DPA
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