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Jane Goodall: Die Botschafterin der Menschenaffen

Ihren Schimpansen gibt Jane Goodall Namen, und wenn sie lacht, klingt es wie ein Menschenaffenlachen. Früher kritisierte man, sie vermenschliche die Tiere. Jetzt erhält sie gleich zwei Auszeichnungen für ihren unermüdlichen "Affen-Einsatz".

Erst belächelte man sie, weil sie ihren Schimpansen Namen gab wie David Barbe-Grise (Graubart), Mike oder Mac Gregor. Der erste Beitrag der früheren Sekretärin für die Zeitschrift "Nature" kam postwendend zurück - bei Affen schrieb man nicht "er" und "sie" wie bei Individuen. Das alles ist für die heute 71-jährige Jane Goodall aber längst Geschichte. Seit Jahrzehnten ist die britische Affenforscherin anerkannt und gefragt sowie als Tier- und Umweltschützerin höchst aktiv. Gleich zwei hohe Auszeichnungen erhielt die "Botschafterin der Menschenaffen" am Dienstag in Paris.

Ihr Lachen ist irgendwie unheimlich. Wie ein gewaltiger und ungebremster Energieausbruch. "So lachen eben Schimpansen", sagt Jane Goodall und führt damit Besuchern vor, was sie bei den Menschenaffen alles gelernt hat. Seit über vier Jahrzehnten kämpft sie unermüdlich dafür, die letzten Schimpansen zu retten. Wie niemand zuvor erkundete und beschrieb sie das Sozialleben der Tiere. "Wenn ich sterbe, dann will ich mir sagen können, dass ich mein Bestes gegeben habe", sagte sie einmal. Auch die paar Stunden zwischen den Preisverleihungen in Paris dürfte sie genutzt haben, um unermüdlich für ihre Sache zu werben.

"Bald keine Affen mehr"

Mittags am Unesco-Sitz händigte Generaldirektor Koïchiro Matsuura der Affenforscherin die Jubiläumsmedaille seiner UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur aus, "als Dank für den unermüdlichen Einsatz, die Menschenaffen in Afrika in ihrer natürlichen Umgebung zu erhalten". Immerhin war Goodall eine der ersten, die Alarm schlugen - wenn die Schimpansen ausstürben, dann ginge eine direkte Verbindung des Menschen zu seiner Vergangenheit für immer verloren. In 50 Jahren schrumpfte die Zahl der Menschenaffen von zwei Millionen auf 400.000. Geht das so weiter, gibt es in drei bis fünf Jahrzehnten keine mehr.

Abends hat dann Premierminister Dominique de Villepin die zerbrechlich und doch jugendlich wirkende "Botschafterin der Affen" in seinen Amtssitz geladen, um sie zum Offizier der französischen Ehrenlegion zu ernennen - für Goodall gleich die nächste Gelegenheit, für die engsten Verwandten der frühen Menschen einzutreten.

Nach einem alarmierenden Bericht des UN-Umweltprogramms verschwinden 90 Prozent der Wälder mit Menschenaffen bis 2030, sollten im Rhythmus wie bisher Straßen gebaut, Bodenschätze ausgebeutet und Infrastruktur angelegt werden. Ehrungen sind schön und gut, so dürfte Goodall sagen, wenn ich damit mehr Geld für die letzten Schimpansen sammele.

Hanns-Jochen Kaffsack/DPA / DPA
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