Kambodscha Vier-Dollar-Ofen für besseres Klima


Mehr als 10.000 Delegierte beraten bis zum 14.12. auf der Klimakonferenz über Maßnahmen gegen die Erderwärmung. Eine Erfolgsgeschichte findet derweil in Kambodscha statt: Der dort entwickelte "Neue Laos Ofen" vereint Klimaschutz und Entwicklungshilfe.
Von Michael Lenz, Phom Penh, Kambodscha

Jeder hat am Klimawandel auf seine Weise seinen Anteil. Die Industriestaaten mehr, die Entwicklungsländer weniger. Vermutlich hinterlässt jeder einzelne Teilnehmer der Klimakonferenz auf Bali alleine für seinen Flug zur Konferenz eine tiefere Kohlendioxid-Spur als jeder der armen Menschen in den Dörfern Kambodschas. Aber obwohl die Dorfbewohner nicht durch die Weltgeschichte fliegen, kaum elektrischen Strom haben und fast keine fossilen Brennstoffe verbrennen, tragen sie durch eine ganz einfache, lebensnotwendige tägliche Arbeit zur Kohlendioxidlast der Atmosphäre bei: dem Kochen. Gekocht wird traditionell auf Tonöfen, die mit Holzkohle befeuert werden. Zur Produktion der Holzkohle werden ganze Wälder abgeholzt. Wald aber ist als Kohlenstofffresser unentbehrlich.

Dem Problem rücken die Kambodschaner jetzt mit dem "Neuen-Laos-Ofen" zu Leibe, einer energie- und brennstoffsparenden Weiterentwicklung des traditionellen Laos Ofens. Der sieht aus wie ein dickwandiger Eimer aus Ton. Unten kommt die Holzkohle rein. Der Wok sitzt oben auf den drei Noppen auf dem Rand des Ofens. Fertig ist der Herd. Der von der französischen Umwelt- und Klimaschutzorganisation Geres entwickelte "New Lao Stove" (NLS) sieht kaum anders aus als das alte Modell. Aber er verbraucht ein Viertel weniger Holzkohle und durch die effektivere Nutzung der Hitze wird die Kochzeit kürzer. Mit einer Lebenszeit von etwa vier Jahren hält er außerdem mehr als doppelt so lange.

Ein Mikrokredit für den neuen Ofen

Der Nachteil aber ist, dass er teurer ist als der alte Ofen, der für anderthalb US-Dollar, der inoffiziellen Währung Kambodschas, zu haben ist. Der NLS aber kostet mit vier Dollar mehr, als sich Menschen in einem Land leisten können, wo ein Lehrer 30 Dollar im Monat verdient. Aber auch für das Problem hat Geres eine Lösung gefunden. "Wir vermitteln für den Differenzbetrag Mikrokredite von der Weltbank", sagt Nop Polin von der Klimaschutzabteilung bei Geres Cambodia. "Die können die Menschen leicht und schnell mit dem Geld zurückzahlen, das bei den Ausgaben für Holzkohle sparen."

Die Neuen-Laos-Öfen sind auch ein gutes Geschäft für die Ofenproduzenten. "Seitdem ich auch Neue-Laos-Öfen herstelle, hat sich mein Geschäft verbessert", freut sich Kung Sok, ein Ofenbrenner im Dörfchen Tadu. Das NLS-Know-How haben die Geres-Experten Kung Sok beigebracht. Nop Polin betont: "Wir bilden lokale Betriebe aus, diese Dinge dann zu produzieren und zu vermarkten. Dieser entwicklungsorientierte Technologietransfer verbindet Entwicklungshilfe und Umweltschutz."

Holzessig als Düngemittel

Die Projekte entwickelt die Organisation Geres gemeinsam mit den Gemeinden. Nop Polin: "So können die Projekte auf die jeweiligen besonderen Gegebenheiten zugeschnitten werden, die Menschen identifizieren sich leichter damit und bekommen ein schärferes Bewusstsein für ihre Umwelt." Ein solches Projekt ist auch die Köhlerei und die Plantage, die Geres in der Nähe von Tadu initiiert hat. In den Plantagen werden schnell wachsende Bäume wie Eukalyptus oder Akazien gezogen, die dann in von Geres entwickelten energieeffizienten Köhlereien zu Holzkohle verarbeitet werden. Jeder geschlagene Baum wird sofort ersetzt. Sombok, der Forstwirt von Geres Cambodia, sagt: "Wir achten darauf, dass der Wald richtig genutzt und abgeholzt wird und das Holz nur aus Plantagen mit schnell wachsenden Holzarten kommt. Wildes Holz akzeptieren wir nicht."

In der Köhlerei entsteht als Nebenprodukt Holzessig. Sehr einfach ausgedrückt ist diese schwarze Brühe verflüssigter Dampf, der während des Köhlerprozesses entsteht. Die Brühe wird bis zu vier Monaten in Fässern gelagert, bis sich der darin enthaltene Teer unten und das Holzfett oben abgesetzt hat. Die Flüssigkeit dazwischen ist der eigentliche Holzessig, der riecht und schmeckt wie eben jeder Holzkohlequalm beim Grillfest im Garten riecht und schmeckt. Nach einem Reinigungs- und Destillationsprozess ist der Holzessig einsetzbar: als Gewürz in der Küche, als Moskitoschutz und vor allem als organisches Düngemittel.

Im kommenden Jahr will Geres mit der Entwicklung des Marktes für Holzessig in Kambodscha beginnen. Der Anreiz für die Köhler ist beachtlich. Die Herstellung des Holzessig ist wenig arbeitsintensiv, der Profit durch das bisherige Abfallprodukt lässt sich sehen: 200 Liter Holzessig bringen mindestens 100 Dollar, wie die Märkte in Nachbarländern wie Thailand zeigen, wo es Holzessig seit langem gibt. Holzessig schafft also zusätzliches Einkommen - und kann so bei dem Kampf gegen die Armut helfen.

Klimaneutrales Designhotel

Bislang war Geres zur Finanzierung seiner Projekte auf die Unterstützung der EU und anderer Organisationen angewiesen. Eine neue Verdienstquelle hat sich aber durch den Verkauf von-Carbon-Offset Zertifikaten aufgetan. Sie steuern bereits etwa 40 Prozent des Budgets bei. Jüngster Kunde für die Kohlendioxidzertifikate ist das Unternehmen Food and Beverage Solutions (FABS). "Wir sind das die erste kohlendioxideutrale Restaurant- und Hotelkette", strahlt FABS-Sprecherin Mini Surendran. Zu den FABS-Betrieben gehört der legendäre "Foreign Correspondents Club" in Phnom Penh, seit vielen Jahren der Treffpunkt für Journalisten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Touristen in Kambodschas Hauptstadt. Ab Februar 2008 wird das luxuriöse Quay Hotel - Dank der Klimaschutzexpertise von Geres CO2-neutral - ebenso dazu zählen. Für Geres ist das Quay Hotel das Pilotprojekt für ein Gütesiegel, das wie die bekannten Hotelsterne funktionieren soll. Nur gibt es eben nicht Auskunft über den Komfort einer Herberge, sondern über seine Umwelt- und Klimanachhaltigkeit. So kann jeder seine Kohlendioxid-Spuren verringern. Die Dorfbewohner mit dem Neuen-Laos-Ofen und Urlauber mit der kohlenstoffneutralen Edelherberge ihrer Wahl.


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