Klimawandel Greenpeace benennt letzte Frist


Die Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, das Wetter spielt verrückt, das Klima gerät außer Kontrolle. In Berlin hat Greenpeace vor den Folgen der Erderwärmung gewarnt - und auf eine letzte Frist hingewiesen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace dringt angesichts der globalen Erderwärmung auf eine drastische Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen. "Die neuen Erkenntnisse sind alarmierend", sagte Greenpeace-Experte Karsten Smid bei der Vorstellung des Gletscherreports in Berlin. Derzeit gebe es noch ein Zeitfenster von zehn Jahren, um zu verhindern, dass die Erde sich um jene zwei Grad erwärmt, die als kritisch gelten. Sollte sich nicht bald ein Bewusstseinswandel einstellen, laufe der Mensch Gefahr, die Kontrolle über die zerstörte Erde zu verlieren, sagte Smid. Es droht eine Klimakatastrophe.

Kritik an Industrieländern

Der Weckruf der Umweltschutzorganisation erfolgt wenige Tage vor Beginn der Klimaschutzkonferenz der Vereinten Nationen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Dort wird ab Montag über die Einhaltung der Grenzen für Treibhausgas-Emissionen vor allem von Seiten der Industrieländer verhandelt. Greenpeace-Vertreter bemängelten in Berlin, dass das im Kyoto-Protokoll festgeschriebene Ziel, den Ausstoß klimaschädlicher Gase bis 2012 um fünf Prozent gegenüber 1990 zu senken, möglicherweise nicht erreicht werde. Zwischen 2000 und 2004 sei der Ausstoß sogar gestiegen. Besorgniserregend sei die Situation für die Entwicklungsländer. Während die reichen Industrienationen über Mittel verfügten, um Schutzmaßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels einzuleiten, seien die Entwicklungsländer diesen schutzlos ausgeliefert.

Wachsende Bedeutung für die Politik

Die Greenpeace-Vertreter zeichneten ein drastisches Bild der Folgen einer globalen Erderwärmung. Umweltkatastrophen seien die unausweichliche Konsequenz, hieß es. Wetterextreme würde zunehmen, schmelzende Gletscher würden zu einem Anstieg des Meeresspiegels von sieben Metern führen. Schon jetzt, so die Greenpeace-Experten, schlage das Klima in Deutschland Kapriolen - mit Sturmfluten, anhaltend heißen Sommern und Orkanen zerstörerischen Ausmaßes.

Die Bedeutung des Klimawandels für die Politik hat in den vergangenen Monaten zugenommen. Die Bundesregierung hat das Thema auf die Tagesordnung des G8-Gipfels im kommenden Jahr gesetzt, Umweltminister Sigmar Gabriel dringt mit Verve auf ein "grünes Industriekabinett", das sich ausschließlich mit Klima- und Umweltfragen beschäftigen soll. Und auch in den USA hat ein Bewusstseinswandel eingesetzt, der nicht zuletzt durch den Erfolg des Films "Eine unbequeme Wahrheit" von Ex-Vizepräsident Al Gore versinnbildlicht wird.

Tobias Unger mit Reuters

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