Klimawandel und Abgase Patient Wald


Der Zustand des deutschen Waldes ist so schlecht wie nie zuvor: Die Schäden haben in einem bislang unvergleichlichen Ausmaß zugenommen, heißt es in dem noch unveröffentlichten Waldzustandsbericht 2004 der Bundesregierung.

Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast sagte: "Eine einfache Lösung gibt es nicht. Was wir brauchen, sind eine konsequente Umweltschutzpolitik und Reformen im Agrarbereich."

Heißer Sommer 2003 verursachte große Schäden

Eine besonders extreme Belastung zeige sich bei der Buche, sagte Künast am Rande des Parteitags der hessischen Grünen in Marburg. "Der Wald leidet jetzt unter den Folgen des Klimawandels. Insbesondere der heiße, trockene Sommer des Jahres 2003 hat große Schäden verursacht, die sich jetzt zeigen", sagte die Grünen-Politikerin. Weitere Ursachen seien die nach wie vor starken Schadstoffbelastungen von Industrie, Autoverkehr und Landwirtschaft. Der neue Waldzustandsbericht werde in einigen Wochen vorgelegt.

Laut "Welt am Sonntag" sind nach den Buchen Eichen und Fichten besonders geschädigt. Zwar sei der Waldbestand in Deutschland seit 1987 von 2,28 Milliarden Kubikmeter auf 2,63 Milliarden Kubikmeter Holz um 17 Prozent gewachsen. Doch das Ausmaß der Schäden sei angesichts der bisher für den Wald günstigen Witterung des Jahres 2004 auch für Experten überraschend, heißt es in dem Bericht.

Buche besonders betroffen

Wie stark ein Baum geschädigt ist, erkennen die Forstwirte an seiner Laub- oder Nadeldichte. In diesem Jahr sei der Anteil der Bäume mit der höchsten Schädigungsstufe auf 31 Prozent gestiegen. Dies sei die bisher größte Zunahme und gleichzeitig auch der höchste Stand seit Beginn der Zeitreihe, schreiben die Beamten des Landwirtschaftsministeriums.

Dieser Trend zeigt sich demnach bei allen Baumarten. Doch keine sei so stark betroffen wie die Buche. Über die Hälfte der Bäume, bei den älteren sogar 65 Prozent, wiesen laut dem Bericht deutliche Kronenverlichtungen auf; auf Rang zwei rangiere die Eiche, gefolgt von der Fichte.

Mehrere Jahre für Regeneration nötig

Laut Landwirtschaftsministerium muss damit gerechnet werden, dass es vermutlich mehrere Jahre dauern wird, bis sich der Kronenzustand auf das ursprüngliche Ausgangsniveau der letzten Jahre verbessere. "Dies setzt jedoch voraus, dass es nicht erneut zu gravierenden Stresssituationen für die Wälder kommt", heißt es in dem Bericht. Den Stress verursachten vor allem Hitze und Ozon.

"Parallel dazu die kontinuierlichen Schadstoffeinträge den Boden im Ökosystem Wald stark versauern und damit instabil werden lassen", sagte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Hermann Ilaender, der "Welt am Sonntag". Gefahr droht dem Wald außerdem von Insekten. "Das Insektenproblem ist auf Grund der Klimaveränderungen eine tickende Zeitbombe", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Matthias Berninger.

DPA


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