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Australien: Koalas "praktisch ausgestorben": Sorge um Tiere wächst, nachdem viele bei Buschfeuern sterben

Traurige Nachrichten vermeldete die Australian Koala Foundation schon im Mai: Die Populationsgröße der Koalas ist zu gering, um zuverlässig eine neue Generation auf die Welt bringen zu können. Durch die verheerenden Buschbrände sterben nun noch mehr.

Ein einsamer Koala klammert sich an einen Baumstamm

Die Australische Koala-Stiftung erklärt die nur in diesem Land ansässigen Beuteltiere für "praktisch ausgestorben"

Getty Images

Die Zahl der Koalas sinkt schon lange. Inzwischen ist der Bestand des in Australien heimischen Tieres auf 80.000 reduziert. Die Australian Koala Foundation hält diesen für zu gering, um die Population der wild lebenden Beuteltiere am Leben zu erhalten. Sie erklärte die Gattung für "praktisch ausgestorben". Das bedeutet, Koalas spielen für die Umwelt keine Rolle mehr, verfügen über keine fruchtbaren Pärchen mehr oder die Anzahl vermehrungsfähiger Tiere ist so gering, dass genetische Erberkrankungen die Folge wären. Die Stiftung berichtete, seit 2010 überwache sie 128 staatliche Wahlbezirke, die sich in bekannten Koala-Habitaten befinden, und in 41 davon existierten keine Koalas mehr. Während Forscher angemerkt haben, dass Koalas umherzögen und ihre Patchwork-Lebensräume ihre Verfolgung erschwerten, entgegnete die Foundation, die Anzahl der Tiere nehme dennoch nachweisbar drastisch ab.

Zwischen 1890 und 1927 sind mehr als acht Millionen erlegter Koalas nach London verschifft worden – wegen ihres Fells. 2016 durchgeführte Untersuchungen ergaben, in Australien würden noch rund 330.000 Exemplare leben. Die Koala Foundation zählte nun aber nur noch rund 80.000 Tiere.

Und woran liegt es wieder mal? Am Klimawandel

Die stärksten Bedrohungen für Koalas sind der Verlust ihres Lebensraums sowie durch Klimawandel verursachte Hitzewellen, die, wie Studien ergaben, im vergangenen Jahr tausende Tiere an Dehydrierung sterben ließen. Seit 2012 werden Koalas offiziell in Queensland, New South Wales und dem Territorium um Canberra als gefährdet gelistet. Das bedeutet, ihre Population nimmt rasant ab oder ist gar vom Untergang bedroht. Während die Tiere in Victoria oder Südaustralien nicht als gefährdet gelistet sind, weiß man, dass dort ganze Populationen ausgestorben sind – obwohl woanders noch "vergleichsweise reichlich" vorhanden.

Mehr als 1000 Koalas wurden dieses Jahr durch Buschfeuer getötet

Deborah Tabart, Vorsitzende der australischen Koala-Stiftung, schätzt, dass mehr als 1000 Koalas allein in den vergangenen zwei Monaten durch Buschbrände und Abholzung ums Leben kamen. Die Population sei somit unter die 80.000-Marke gefallen. Tabart sagt der "Daily Mail", dass der Lebensraum der Beuteltiere so schwer beschädigt sei, dass es kaum eine Chance für neue Generationen gebe. 

Tabart wandte sich bereits Mitte des Jahres an die Politik: "Ich fordere den neuen Premierminister auf, nach den Wahlen im Mai das Koalaschutzgesetz, das seit 2016 schriftlich vorliegt, zu erlassen. Die Not des Koalas liegt nun in seiner Hand", zitierte die britische "Daily Mail". Die Vorsitzende wiederholt nun ihren Appell: "Koalas sind vergleichbar mit dem Great Barrier Reef. Jeder möchte einen Koala anfassen, also könnte man meinen, die Regierung würde etwas unternehmen, um sie zu retten", sagt sie nun. 

Australiens Premierminister Scott Morrison wies derweil Vorwürfe zurück, wonach seine Klimapolitik die beispiellosen Feuer befördert habe. Australien trage "seinen Teil" zum Klimaschutz bei, sagte er im Radiosender ABC. Morrisons Regierung hatte die Bedrohungen durch den Klimawandel in der Vergangenheit bereits relativiert. Wissenschaftler, ehemalige Feuerwehrchefs und von den Feuern betroffene Bewohner verwiesen dagegen immer wieder auf einen Zusammenhang zwischen den schweren Bränden zu dieser Jahreszeit und dem Klimawandel. Am Donnerstag brannten in allen Teilen Australiens weiter zahlreiche Feuer. Im Bundesstaat Victoria wurden Bewohner aufgefordert, Risikogebiete zu verlassen. In Sydney mussten Kinder wegen der Rauchbelastung durch die Brände weiterhin drinnen spielen.

Große Resonanz bei Spendenaktion für von Bränden betroffene Koalas

Bei einer Online-Spendenaktion für von den Buschbränden in Australien betroffene Koalas sind mehr als eine Million australische Dollar (rund 600.000 Euro) zusammengekommen. Die Sammelaktion habe mehr Spenden erzielt als jede andere derartige Kampagne in diesem Jahr, teilte die Plattform GoFundMe mit. Das ursprüngliche Ziel von 25.000 Dollar wurde damit weit übertroffen. Spenden kamen von mehr als 20.000 Menschen aus zahlreichen Ländern. Eine Koala-Klinik nördlich von Sydney rettete zuletzt 31 der Beuteltiere und will die Spendengelder für Trinkwasserstationen sowie ein Aufzuchtprogramm verwenden.

Quelle: "Daily Mail"

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmalig im Mai 2019 auf stern.de. Wir haben den Artikel aufgrund aktueller Erkenntnisse sowie der Brände in Australien aktualisiert.

bal / fis / dpa
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