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Neue Ölfunde: Noch mehr Brennstoff für den Klimawandel

So schnell wie gedacht, geht das Öl nicht aus. Nach neuen Funden sollen die Reserven jetzt noch über 100 Jahre reichen. Fragt sich nur, ob das Weltklima diese verlängerte Ölzeit aushält.

Von Harald Kaiser

Eigentlich dürfte es längst kein Öl mehr geben. Nach der Prognose des Wissenschaftlergremiums Club of Rome von 1972 hätte der letzte Tropfen noch vor Ende des 20. Jahrhunderts gefördert werden müssen. Doch der zähflüssige schwarze Rohstoff sprudelt weiter. Somit scheint sich der kesse Spruch des einstigen saudischen Ölministers Ahmed al Jamani zu bewahrheiten, der mal zum vermeintlich nahen Ende des Ölzeitalters meinte: "Die Steinzeit ging nicht zu Ende, weil es an Steinen mangelte."

Wenn stimmt, was der Mineralöl-Wirtschaftsverband (MWV) in seinem neuesten Jahresbericht schreibt, dann werden die Ölquellen noch in Jahrzehnten nicht versiegt sein. In dem Bericht steht, dass es weltweit sichere Reserven von 140 Milliarden Tonnen Rohöl gibt. Damit sind nicht Tanks, sondern Ölfelder im Boden gemeint, die entweder bereits erschlossen wurden oder die es noch werden. Bei einem laut MWV aktuellen Weltverbrauch von etwa vier Milliarden Tonnen pro Jahr würde der wertvolle Rohstoff rechnerisch noch etwa 35 Jahre reichen. Weil aber die Fördertechnik stets verfeinert wird, geht man davon aus, dass die Reserven mehr als 50 Jahre reichen.

Immer neue Ölfunde

Zu den Reserven kommen die Ressourcen. Damit sind jene Ölvorkommen gemeint, die entweder noch nicht wirtschaftlich erschlossen werden können, weil eine Förderung derzeit zu aufwendig wäre, oder nicht sicher ausgewiesene Ölfelder, die jedoch auf Grund geologischer Indikatoren vermutet werden. Zählt man die Werte für Reserven und Ressourcen zusammen, dann beläuft sich das Gesamtpotenzial an Erdöl nach Einschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe weltweit auf 515 Milliarden Tonnen (Stand 2010). Rein statistisch betrachtet, betont der MWV in seinem Bericht, würde diese Menge für deutlich mehr als 100 Jahre reichen.

Und ständig kommen neue Ölfunde hinzu. Zu den bedeutendsten der letzten Jahre zählen mehrere Felder im Südatlantik, an der Westküste Afrikas, in China und rund um das kaspische Meer. Darunter sind einige sogenannte Super-Giants, Ölfelder mit mehr als fünf Milliarden Barrel (etwa 700 Millionen Tonnen) Förderkapazität. Das Feld "Kashagan" im Norden des Kaspischen Meeres ist solch ein Gigant. Ebenso die Felder "Lula", "Carica" und "Libra" vor Brasilien. In jeder dieser neu entdeckten Lagerstätten stecken nach Darstellung des MWV sogar jeweils mehrere Milliarden Tonnen Öl.

Mehr als der Planet erträgt

Angesichts der offenbar riesigen Ölvorräte unseres Planeten kann man aber kaum erleichtert aufatmen. Richtig ist, dass Autos, Flugzeugen und Heizungen nicht der Brennstoff ausgeht. Sollte diese Menge aber in CO2 verwandelt werden, hätte das unabsehbare Folgen für das Weltklima. Umso mehr ist jetzt die Politik gefragt, denn sie muss allein durch schärfere Regeln den Verbrauch eindämmen, wenn auf eine natürliche Verknappung mangels Masse nicht mehr gerechnet werden kann.

Betrachtet man den stetig steigenden Ölverbrauch, scheinen solche härteren Umweltvorschriften nötiger denn je zu sein. 2011 stieg der Verbrauch im Vergleich zu 2010 um 50 Millionen Tonnen auf 4,1 Milliarden Tonnen. Laut MWV setzte sich damit der seit etwa zehn Jahren anhaltende Aufwärtstrend der weltweiten Ölnachfrage mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 1,2 Prozent pro Jahr fort. Treiber dieser Entwicklung sind Schwellenländer wie China, Indien, Malaysia und Brasilien.

Chinas Öldurst

Allein China hat seinen Verbrauch 2011 um fünf Prozent auf 466 Millionen Tonnen erhöht. Das sind elf Prozent der Weltölnachfrage. Und China hat den Willen und die Mittel den eigenen Ölnachschub zu sichern. Erst kürzlich hat der staatliche chinesische Rohölförderer Cnooc bekanntgegeben, dass er das kanadische Ölförderunternehmen Nexen übernehmen will. Für 15,1 Milliarden Dollar. Bezahlt werden soll die Übernahme angeblich nicht mit einem Aktiendeal, sondern ganz klassisch: in bar.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?