HOME

Schönheitschirurgie: Leichenfett im Billigbusen

Wer mit seinem Körper unzufrieden ist, sollte sich nicht in Osteuropa unters Messer legen. Deutsche Chirurgen warnen vor Billigangeboten im Stil der "Geiz-ist-geil"-Mentalität. Bei solchen Operationen können unabsehbare Folgen auftreten.

Es seien Fälle bekannt, bei denen in osteuropäischen Kliniken "Schaumstoffchips, Leichenfett, Silikonöl und Ähnliches mehr zur Brustvergrößerung verwendet wurden", sagte der Berliner Mediziner Johannes Bruck. Zudem seien keine ausreichende Nachsorge sowie im Falle möglicher Komplikationen keine Gewährleistung und keine rechtliche Handhabe gegeben. Deshalb hat die Vereinigung der deutschen plastischen Chirurgen (VDPC) eindringlich vor Billigangeboten für Schönheitsoperationen in Osteuropa gewarnt.

"Im Stile einer Butterfahrt"

Bruck sagte, "dass in unseren östlichen Nachbarländern Hygienenormen, amtsärztliche Überwachung, Qualitätszertifikate und Medizinprodukte - noch - nicht mit der gleichen Akribie auf ästhetisch-chirurgische Eingriffe angewandt werden wie hier zu Lande". Aus medizinischer Sicht sei daher dagegen zu protestieren, dass Schönheitsoperationen, die ihrem Wesen nach Körperverletzungen mit lebenslangen Folgen seien, "im Stile einer Butterfahrt und einer ’Geiz-ist-geil’-Mentalität angepriesen werden".

Im Schnitt 700.000 Eingriffe

Nach VDPC-Angaben führen die Mitglieder der Vereinigung pro Jahr etwa 700.000 Eingriffe durch. Rein ästhetische Eingriffe machen dabei einen Anteil von 25 Prozent aus, wie die Medizinerin Marita Eisenmann-Klein aus Regensburg berichtete. Am häufigsten werde dabei Gewebe mit Fremdmaterial oder Eigenfett unterfüttert. Auf Platz zwei liegen Injektionen mit Botolinumtoxin, dann folgen Fettabsaugung, Lidstraffung, Brustvergrößerungen, Brustverkleinerungen und Nasenkorrekturen.

Jeder Achte ist ein Mann

Eine Zunahme der Eingriffe bei Männern sei nicht zu verzeichnen, sagte Eisenmann-Klein. Der Anteil liege weiter bei 12,5 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Gesamtzahlen ästhetischer Eingriffe auf dem sechsten Platz nach den USA, Mexiko, Brasilien, Japan und Spanien. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen liegt den Angaben zufolge in Deutschland unter zehn Prozent, wobei hier die Korrektur abstehender Ohren weitaus am häufigsten vorkommt.

AP / AP
Themen in diesem Artikel