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Seit 100 Jahren ausgestorben: Die Wandertaube soll geklont werden

Früher zogen Abermillionen Wandertauben über den Himmel Nordamerikas - bis sie den Menschen zum Opfer fielen. 100 Jahre nachdem das letzte Tier gestorben ist, wollen Forscher die Tiere klonen.

Eine ausgestopfte Wandertaube - bald könnten die Tiere wieder am Himmel erscheinen

Eine ausgestopfte Wandertaube - bald könnten die Tiere wieder am Himmel erscheinen

Die letzte Wandertaube starb vor 100 Jahren in einem Zoo von Cincinnati in den USA. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts zogen kilometerlange Schwärme von Hunderten Millionen Vögeln über Nordamerika und verdunkelten den Himmel oft stundenlang. Doch Jäger erschossen die Tiere massenweise. Die schmackhaften Vögel wurden oft zu Schleuderpreisen verkauft - zuweilen kosteten zwölf Stück nur 50 Cent. Nun wollen Forscher die Tiere klonen, wie die Umweltstiftung WWF am Freitag mitteilte.

Mit Hilfe des Erbguts sollen Embryonen entstehen, die von Weibchen nahe verwandter Taubenarten ausgetragen werden. Der WWF betrachtet das Projekt mit Blick auf viele bedrohte Spezies jedoch kritisch: "Bevor man zu diesem Mittel als Beitrag zum Artenschutz greift, sollte man alle anderen bestehenden Werkzeuge einsetzen, um noch lebende Arten zu schützen und die Bedingungen zu schaffen, um das Artensterben zu verringern."

Neben dem Fleisch sei der Wandertaube vor allem der technische Fortschritt zum Verhängnis geworden. "Mit der damals neuen Telegrafentechnik wurden die Positionen der riesigen Brutkolonien der Tauben weitergegeben und die erbeuteten Vögel per Eisenbahn zu den Konsumenten gebracht", sagte WWF-Artenschutzexperte Arnulf Köhncke. Im Jahr 1900 sei die letzte bekannte wildlebende Wandertaube getötet worden. Martha, die Zootaube, starb am 1. September 1914 gegen Mittag im Alter von 29 Jahren.

amt/DPA / DPA
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