SÜDAFRIKA Umweltschützer jagen seltene Bergziegen


Obwohl die Tahr-Bergziegen vom Aussterben bedroht sind, geht es den Lieblingen der Touristen jetzt an den Kragen. Grund ist ihr Appetit auf seltene Pflanzen.

Sie sind vom Aussterben bedroht, stehen unter Naturschutz und sind die Lieblinge der Touristen - wegen ihres Appetits auf seltene Pflanzen geht es ihnen nun ans Fell. Nun sollen ausgerechnet sie aus Umweltschutzgründen abgeschossen werden. Den aus dem Himalaya stammenden indischen Tahr-Bergziegen in Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt droht ein blutiges Ende.

Tiere fressen seltene Pflanzen

Die zotteligen Tiere leben seit Jahrzehnten auf Kapstadts Wahrzeichen, dem Tafelberg, und fressen für ihr Leben gern Fynbos oder »Feinbusch« - genau das ist ihr Problem. Denn was die Tahr so genussvoll finden, ist ein einzigartiger Pflanzenarten-Reichtum, der weltweit nur auf der Kap-Halbinsel und der Nachbarregion am Indischen Ozean vorkommt.

Abschuss der Tiere

»Und weil die Ziegen diese seltene Vegetation Stück für Stück auffressen, können wir das Unvermeidliche nicht weiter aufschieben«, sagt Howard Langley, Direktor des Nationalparks Kap-Halbinsel in dem die Tiere leben. »Das Unvermeidliche« heißt Abschuss der Tiere, deren Geschichte auf dem Tafelberg vor 72 Jahren begonnen hatte.

1930 aus Zoo ausgebrochen

1930 waren ein paar Tahr-Ziegen aus dem Groote Schuur Zoo nahe Kapstadt ausgebrochen und hatten sich auf dem benachbarten Bergzug nieder gelassen. »Früher war es eine kleine Touristenattraktion, dass Tiere aus dem Himalaya bei uns wild lebten. Alle haben sie gemocht, und auch die Behörden und die Parkdirektion hatten nichts gegen sie«, erzählt Cecily Blumberg von der Organisation »Freunde der Tahr«.

Ziegen vermehrten sich trotz Massenjagd

Das änderte sich schnell, als die Ziegen in den 60er begannen, immer mehr Nachwuchs in die Kapstädter Bergwelt zu setzen. Anfang der 70er Jahre wurden rund 500 Tiere erschossen, ohne das die Massenjagd Tierschützer auf den Plan rief. »Damals wollte man sie eigentlich ganz ausrotten«, sagt Blumberg. Doch einige wenige Tahrs entkamen den Jägern und sorgten erneut für mehrere hundert Nachfahren. Bis zum Jahr 1998. Dann breiteten sich die Ziegen auch auf die benachbarte Kap-Halbinsel aus, die Parkranger gingen erneut auf die Jagd.

Protest gegen Massenabschuss

Diesmal standen die gerade gegründeten Freunde der Tahr bereit und protestierten gegen den Massenabschuss. Die Parkdirektion stoppte die Jagd und gab der Organisation Zeit, andere Lösungen für das Problem der Fynbos-fressenden Tiere zu finden. Die Tahr-Freunde überflogen per Helikopter den Berg und schmiedeten Pläne, die Tiere zu betäuben, und aufwendig in ihre indische Heimat zu bringen. Blumberg: »Indien hatte sich schon bereit erklärt, die Tahr aufzunehmen, aber das Projekt scheiterte an der Finanzierung.«

Schädlich für das Ökosystem

Parkdirektor Langley sagt: »Inzwischen ist unsere Geduld zu Ende, die Freunde der Tahr hatten Zeit genug.« Er ließ zur Jagd blasen. Vergangene Woche wurden die Ranger wieder auf die Pirsch geschickt. »Die Ziegen sind enorm schädlich fürs Ökosystem des Parks. Bisher hatte die Fynbos-Vegetation keine Chance, sich wie geplant zu entwickeln«, sagt Langley, meint aber: »Wir können die Jagd nicht weiter verschieben, aber wenn uns jemand eine machbare Lösung zeigt, wie wir die Tiere lebend vom Berg kriegen, werden wir?s versuchen.«

Letzter Hoffnungsschimmer sind Spenden

Ein Hoffnungsschimmer kam von einem auf »Skalpell-Tourismus« spezialisierten Reisebüros, das wohlhabende Übersee-Patientinnen zum preisgünstigen Liften ans Kap bringt. Für jede zehnte Kundin will das Büro nun einen namhaften Betrag für die Rettung der Tahr spenden.

Stefan Rychlak


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