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Verhaltensforschung: Gesellig ist die gute Mutter

Mama Pavian verbringt viel Zeit mit ihren Artgenossen. Das ist nicht nur gut für sie, sondern erhöht auch die Überlebenschancen ihres Nachwuchses.

Gesellige Mütter sind die besseren Mütter - zumindest bei Pavianen in Kenia. Ihre Jungen haben eine höhere Überlebenschance, berichten US-Forscherinnen in "Science". Ihre Feldstudie stützt sich auf 16-jährige Beobachtungen im Amboseli-Nationalpark. Fazit der Studie ist eine Erkenntnis, die beim Menschen bereits bekannt ist: soziale Bindungen sind "in jedem Lebensalter gut für die Gesundheit und das Wohlergehen".

Doch was ist der Maßstab für Geselligkeit bei Affen? Joan Silk und ihre Kolleginnen von der Universität von Kalifornien in Los Angeles maßen jene Zeit, die die Pavianmütter mit dem Kämmen und Umsorgen anderer Weibchen ihres Stammes verbrachten. "Die Geselligkeit eines erwachsenen Pavianweibchens wirkt sich positiv auf die Überlebenschancen des Nachwuchses aus, das heißt, generell auf die Fitness für das Leben", heißt es in einem Begleitkommentar in "Science".

Körperpflege setzt Endorphine frei

Unklar ist dagegen noch, wie die Geselligkeit der Mütter und die Überlebenschane des Nachwuchses zusammen hängen. Das Team um Silk vermutet, dass kontaktfreudige Pavianweibchen besser die Absichten anderer Tiere durchschauen können und dadurch sicherer werden. Außerdem würden im Körper Endorphine frei gesetzt, während die Affen andere Tiere kämmen und umsorgen. Dadurch komme bei den Pavianmüttern unter anderem Entspannung und ein Gefühl der Euphorie auf.

Eine zweite Studie untersuchte die Fähigkeit erwachsener Paviane, den sozialen Rang und die Gruppenzugehörigkeit anderer Pavianweibchen sofort zu erkennen. Dafür beobachteten die Wissenschaftler die Primaten im Okavango-Delta in Botswana. Thore Bergmann und seine Kollegen von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia stellten fest, dass Paviane "die Welt hierarchisch kategorisieren" können. Sie könnten nämlich zwischen Signalen unterscheiden, die für ihren Rang unbedeutend oder aber von größerer Gefahr sein können.