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Verirrter Pinguin in Neuseeland: "Happy Feet", der Entdecker

Der Pinguin "Happy Feet" ist wie der Seefahrer Kolumbus: Der ist auch vom Weg abgekommen - und hat dabei alles richtig gemacht. Warum Tiere sich manchmal verirren müssen.

Von Laura Höflinger

Diese 3000 Kilometer lange Irrfahrt, an deren Ende ein Pinguin den Magen durchgespült bekommt, weil er Sand für Schnee hält, hat einen Kaiserpinguin weltweit berühmt gemacht - dabei ist es eigentlich eine gewöhnliche Geschichte. Im Grunde ist es sogar sehr verständlich, was dem Pinguin "Happy Feet" da in Neuseeland passiert ist: Er ist einfach falsch abgebogen. "Manchmal verlieren Pinguine eben die Orientierung und kommen irgendwo an Land, wo sie nicht sein dürften", sagt Ulrich Schürer, Zoodirektor in Wuppertal.

Eine Woche ist es jetzt her, da entdeckte eine Spaziergängerin den Pinguin an der Peka Beach auf der Nordinsel Neuseelands. Seitdem genießt das Tier viel Aufmerksamkeit, hat den Namen von einem Animationsfilm bekommen und eine Magen-OP überstehen müssen, weil er sich mit Schnee abkühlen wollte, aber dummerweise den weißen Sand futterte.

Haben heftige Sonnenstürme das Tier verwirrt?

Kaiserpinguine wie "Happy Feet" legen auf der Jagd Hunderte von Kilometern zurück. Vermutlich hat das Jungtier unterwegs seine Gruppe verloren, ist zu weit rausgeschwommen, hat nicht mehr zurückgefunden und ist immer weiter geschwommen. Vielleicht weil heftige Sonnenstürme vor zwei Wochen das Magnetfeld der Erde gestört und ihm damit eine seiner Orientierungshilfen geraubt haben, überlegt Meeresbiologe Boris Culik laut und sagt sofort: "Alles nur Hypothesen." Doch von einem ausgewiesenen Experten: Culik beschäftigt sich seit Jahren beruflich mit Pinguinen. Es könnte auch eine starke Strömung gewesen sein, die das Tier mitriss, womöglich ist es auch krank, oder vielleicht war es auch nur hungrig.

Schon einmal vermuteten Wissenschaftler die Überfischung der Meere als Grund für verirrte Pinguine. Vor drei Jahren standen plötzlich mehr als 300 Tiere an der Küste Brasiliens. Aber nicht im kühlen Süden des Landes, wo das durchaus üblich ist, sondern in der Nähe des Äquators. In einem Hubschrauber flogen Retter die Tiere wieder in den Süden. Bilder zeigten, wie sie dort angekommen wieder eifrig ins Meer watscheln.

Wie den Pinguinen ergeht es auch manchen Säugern: Wale stranden oder schwimmen in Kanäle großer Städte, möglichweise weil Schifflärm ihre Orientierung stört. Robben aus Neufundland werden in der Nordsee gefunden. Ab und an tauchen Eisbären an der Küste von Island auf. Tierschützer glauben, der Klimawandel lasse häufiger Eisschollen abbrechen, auf denen die Tiere ein großes Stück des Weges hinübertreiben. "Happy Feets" Glück, könnte man sagen, ist nun, dass er ein Pinguin ist: Eisbären werden erschossen.

Irrfahrten als Chance für neue Arten

Doch warum der Pinguin nun tatsächlich in Neuseeland gelandet ist, wird ein Rätsel bleiben. Fest steht: Verirrte Tiere sind normal, ja sogar wichtig: "Wie werden neue Inseln besiedelt, wie kommt ein neuer Lachsschwarm plötzlich in die Ostsee?", fragt Boris Culik, "da verschwimmen sich welche." Sie weichen von ihrer alten Route ab, weil sie Futter suchen oder sie eine Strömung mitreißt. Sie verbreiten sich so als Art – oder legen den Grundstein für eine neue.

Ob der Seefahrer Kolumbus oder "Happy Feet" - die Besiedlung der Welt ist das Ergebnis von Neugier und von Irrfahrten. Manchmal finden die Entdecker eine neue Welt, manchmal gehen sie in ihr zugrunde. Das ist Evolution. Und in der modernen Welt ist die Eroberung eben nicht so einfach, weshalb süße Tiere eine Magen-OP kriegen und gefährliche erschossen werden.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?