Vogelgrippe Seuche erreicht sechstes Bundesland


Trotz der verschärften Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe hat die Krankheit ein sechstes Bundesland erreicht. Betroffen ist nun auch das wichtigste Nutzgeflügelland.

Die Vogelgrippe hat jetzt auch das wichtigste Nutzgeflügelland Deutschlands erreicht: In Niedersachsen wurde eine mit dem H5N1-Virus infizierte Graugans entdeckt, wie der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne, der Nachrichtenagentur AP sagte. Damit sind jetzt sechs Bundesländer von der Tierseuche betroffen. Der Vogel sei am vergangenen Sonntag auf einem Acker im Landkreis Soltau-Fallingbostel aufgeschlagen, sagte Hahne. Er sei bereits nach zwei Stunden gefunden und aufgesammelt worden, keine anderen Tiere seien mit dem toten Vogel in Kontakt gekommen. Außerdem gebe es in der Gegend keine gewerblichen Geflügelbetriebe. Von 125 Millionen Stück Wirtschaftsgeflügel, die es bundesweit gibt, stehen 72 Millionen in niedersächsischen Ställen.

Das Ausmaß der Vogelgrippe ist nach Einschätzung des bayerischen Umweltministeriums wegen der hohen Schneedecke in vielen Regionen noch nicht absehbar. Unter dem Schnee könnten weitere tote Tiere begraben sein, sagte ein Sprecher am Samstag in München. "Viele verendete Tiere werden wir erst finden, wenn der Schnee geschmolzen ist." Daher sei der Hausarrest für Katzen und der Leinenzwang für Hunde in den Beobachtungsgebieten besonders wichtig.

Untersuchungen an toten Katzen

Drei tote Katzen aus dem Landkreis Landsberg am Lech werden derzeit untersucht. Zunächst wird geprüft, ob die Tiere mit dem Influenza-Virus infiziert waren. Falls dieser Test positiv ausfällt, erfolgen weitere Untersuchungen auf H5N1 beim Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems. Ein erstes Ergebnis wird vermutlich noch am Wochenende vorliegen. Die drei Katzen waren am Freitag in der Nähe des Fundorts eines Höckerschwans entdeckt worden, bei dem der gefährliche H5N1-Erreger festgestellt worden war. An diesem Wochenende treten in den Vogelgrippegebieten in fünf Bundesländern die verschärften Schutzmaßnahmen in Kraft. Per Bundesverordnung gilt von Samstag an ein Freilaufverbot für Hund und Katze im Umkreis von zehn Kilometern um Vogelgrippe-Fundorte, im engeren Umkreis von drei Kilometern haben Fremde Stallverbot. Nur wer zum Geflügelbetrieb gehört sowie Tierärzte dürfen den Hof betreten. Dies gilt für Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Brandenburg und Bayern.

Fleisch fressende Tiere werden untersucht

Im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit arbeiten derzeit rund 60 Veterinäre im Schichtdienst, um verdächtige Tiere zu untersuchen. Angesichts der Ausbreitung der Vogelgrippe sollen neuerdings auch verendete Fleisch fressende Wildtiere wie Marder, Füchse und Dachse sowie Wildschweine dort untersucht werden. Bislang sei dies aber noch nicht der Fall gewesen, sagte der Sprecher. Erstmals wurde am Freitag ein Vogelgrippefall in einer deutschen Großstadt festgestellt: Bei einer toten Wildente in Mannheim wurde das gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen. Eine Drei-Kilometer-Zone um den Fundort gilt als Sperrbezirk. Das Ergebnis der Virus-Untersuchung soll bereits am Wochenende vorliegen. Spätestens am Sonntag werde bekannt sein, ob die in Mannheim gefundene tote Wildente den hochaggressiven Asia-Typ in sich trug, sagte Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk (CDU) am Freitagabend.

"Nicht sonderlich überrascht"

Auf der deutschen Bodensee-Seite sind bisher fünf und auf Schweizer Seite vier infizierte Wasservögel entdeckt worden. In der Mehrzahl der Fälle stand jedoch noch nicht fest, ob es sich um den aggressiven asiatischen Stamm des Virus handelt. Der erste Vogelgrippe-Fall am Oberrhein habe sein Ministerium "nicht sonderlich überrascht", sagte Hauk: "Baden-Württemberg zählt zu dem Bundesland, das mit die größte Vogelpopulation überhaupt hat." Das Zusammenspiel zwischen den drei betroffenen Bundesländern im Drei-Länder-Eck - das Beobachtungsgebiet umfasst auch Kreise in Rheinland-Pfalz und Hessen - habe hervorragend funktioniert.

Bei Berlin fanden Forscher in den brandenburgischen Landkreisen Barnim und Märkisch-Oderland den Erreger bei einem toten Blesshuhn und einem Schwan. In Brück bei Potsdam trug ein Turmfalke das H5N1-Virus in sich. Trotz des ersten Vogelgrippefundes in einer Großstadt ist in Deutschland nach Ansicht des Marburger Virologen Prof. Hans-Dieter Klenk keine neue Gefahrenstufe erreicht. "Eine andere Dimension ist es nicht. Das Virus taucht eben überall da auf, wo Vögel wie Wildenten und Wildgänse sind", hatte Klenk gesagt.

Bundesweit 140 Fälle

Bayern verschärfte die Maßnahmen gegen die Vogelgrippe ein weiteres Mal. In den Schutzzonen werden Wildtiere wie Marder oder Füchse, die das Fleisch verendeter Tiere fressen, ab sofort auf das H5N1-Virus untersucht. Zudem wurde der Hausarrest für Katzen und der Leinenzwang für Hunde auf das Zehn-Kilometer-Beobachtungsgebiet ausgeweitet. Die Zahl der bestätigten Vogelgrippefälle stieg in Deutschland auf mehr als 140. Außer bei dem verendeten Kater auf Rügen wurde der Erreger aber bei keinem weiteren Säugetier gefunden. Auch auf Nutzgeflügel sprang das Virus nicht über.

DPA DPA

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