Walfang Japan macht wieder Jagd auf die grauen Riesen


Kommerzieller Walfang ist verboten, dennoch ist am Dienstag erneut eine japanische Walfangflotte in See gestochen - "zu wissenschaftlichen Zwecken". Erstmals stehen auch die bedrohten Finnwale auf der Abschussliste.

Ungeachtet scharfer internationaler Proteste ist am Dienstag erneut eine japanische Walfangflotte gestartet. Auf der Abschussliste stehen etwa 850 Zwergwale, doppelt so viele wie im Vorjahr, und zudem erstmals auch 10 Finnwale. Zwar hatte die Internationale Walfangkommission (IWC) im Juni eine Resolution verabschiedet, in der Japan zum Verzicht auf sein Forschungsprogramm aufgerufen wird. Dennoch kündigte Japan an, man werde die Fangquoten für Zwergwale verdoppeln und die Jagd auf die als bedroht geltenden Finnwale ausweiten.

Dass erstmals auch Finnwale getötet werden sollten, begründete Ministeriumssprecher Kenji Masuda mit dem Wachstum dieser Spezies: "Bei der letzten Expedition haben wir festgestellt, dass es mehr Tiere gibt, also jagen wir jetzt nach ihnen." 2007 sollen erstmals auch Buckelwale gejagt werden.

Naturschützer zweifeln an "wissenschaftlichen Zwecken"

Japan jagt nach eigenen Angaben Wale nur zu "wissenschaftlichen Zwecken". Das Land hat die kommerzielle Jagd offiziell 1986 eingestellt und im Jahr darauf die so genannte wissenschaftliche Jagd begonnen. Seither sind bereits 19 Walfangflotten ausgelaufen, einschließlich der vom Dienstag. Sie besteht aus dem 8030-Tonnen-Mutterschiff Nisshin Maru und fünf weiteren Schiffen, die Wale beobachten und Daten zum Alter und dem Mageninhalt der Tiere sammeln sollen. Die Flotte wird Mitte April aus der Antarktis zurückerwartet. Naturschützer kritisieren Japans wiederholte Walfänge seit langem und verweisen darauf, dass das Fleisch zum Verzehr verkauft wird.

Auch Neuseeland kritisierte Japan zu Beginn der neuen Walfang-Saison scharf. "Die Jagd auf Wale ist wie die Jagd auf Tiger oder Gorillas", sagte der neuseeländische Umweltminister Chris Carter am Dienstag. "Neuseeländer halten es für unverantwortlich."

Nur noch wenige tausend Finnwale in den Weltmeeren

Der Direktor des japanischen Instituts für Walforschung in Tokio, Hiroshi Hatanaka, begründe das Forschungsprogramm damit, dass man die Zunahme von Buckel- und Finnwal-Beständen untersuchen müsse, berichtete die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) in Hamburg. "Eine eventuelle, leichte Zunahme kann keinesfalls eine Fangquote dieser stark gefährdeten und unter allen erdenklichen Konventionen geschützten Großwale rechtfertigen", sagt Petra Deimer, Meeresbiologin der GSM.

Vor Beginn des kommerziellen Walfangs in der Antarktis, um 1910, habe es hochgerechnet 500.000 Finnwale gegeben, um 1990 noch 2000. "Von einem solchen Aderlass können sich Tiere mit einer sehr langsamen Fortpflanzungsrate in so kurzer Zeit niemals erholt haben." Um die Situation der Buckelwale stehe es nicht besser, erklärte Deimer.

DPA/AP AP DPA

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