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Weltkarte: Wie der Mensch das Meer verändert

Eine einzigartige Karte zeigt, welchen Einfluss der Mensch auf die Meere hat: Nur vier Prozent der Wasserflächen gelten demnach als weitgehend unberührt. Mehr als 40 Prozent sind unter anderem durch Fischerei und die Umweltverschmutzung angegriffen.

Es ist die erste Weltkarte, die den Einfluss des Menschen auf die Weltmeere dokumentiert, und sie zeigt ein beunruhigendes Bild. Der überwiegende Teil der globalen Ozeane leidet unter menschlichen Einflüssen. Die Studie, die im Fachmagazin "Sciene" erscheint, wurde am Donnerstag zum Auftakt der Jahrestagung des US-Wissenschaftsverbands AAAS in Boston vorgestellt. 19 Forschergruppen führender Universitäten, staatlicher und unabhängiger Institute hatten unter der Leitung der Universität von Kalifornien in Santa Barbara die vorhandenen Daten zu Fischfang, Klimawandel und Verschmutzung der Weltmeere ausgewertet. Insgesamt sammelten sie Daten 17 verschiedener menschlicher Einwirkungen auf die Meere - von der Küstenentwicklung über Düngemittel-Einlauf bis zur Verschmutzung durch Schiffsverkehr - und bewerteten ihre Schädlichkeit für 20 unterschiedliche marine Ökosysteme.

"Ein viel schlechteres Gesamtbild als erwartet"

Bislang seien im Hinblick auf die Meeresverschmutzung nur jeweils Einzelaspekte untersucht worden. "Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Summe der jeweiligen Einwirkungen ein viel schlechteres Gesamtbild ergibt, als die meisten Leute erwartet hätten", sagte Benjamin Halpern vom US-Zentrum für ökologische Analysen der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.

Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Korallenriffe bedroht sind: Fast die Hälfte ist durch die Folgen menschlicher Aktivitäten bereits stark geschädigt. Dabei wachsen viele dieser Nesseltiere so langsam, dass die Verluste nicht in überschaubarer Zeit zu ersetzen sind. So haben manche Tiefseekorallen vor der Küste Hawaiis bis zu 4000 Jahre benötigt, um ihre heutige Größe zu erreichen, wie eine weitere Gruppe um Brendan Roark von der Universität Stanford (US-Staat Kalifornien) zum Tagungsauftakt in Boston berichtete.

Kein erneuerbarer Rohstoff

Dieses ungeahnt hohe Alter der Korallen habe zweierlei Konsequenzen, sagte Roark. Zum einen sollte die "Ernte" der besonders langlebigen Arten zur Schmuckherstellung umfassend verboten werden. "Es ist kein erneuerbarer Rohstoff", betonte der Forscher. Zum anderen könnten sich alte Korallen aber als einzigartige Archive der Klimageschichte der Ozeane herausstellen. Außer den Korallen sind der neuen Meereskarte zufolge auch Seegras-Matten, Mangroven-Wälder in Flussmündungsgebieten, unterseeische Berge, Felsenriffe und die Kontinentalsockel stark von menschlichen Eingriffen betroffen. Am besten schnitten bei der Bewertung weich-gründige Flachwasser und Tiefsee-Ökosysteme ab, obwohl auch sie an den meisten Stellen nicht mehr unberührt seien.

Laut Studie sind die Störungen am stärksten in der Nordsee zwischen Schottland und Norwegen, im Süd- und Ostchinesischen Meer, in der Karibik, im Mittelmeer, im Roten Meer, der Beringsee entlang der nordamerikanischen Ostküste und in weiten Teilen des westlichen Pazifiks. An der deutschen Nordseeküste attestierten die Forscher dem Meer noch einen relativ guten Zustand. Kaum betroffen sind bislang die Ökosysteme der Ozeane rund um den Nord- und Südpol, sie werden aber in Zukunft durch die schmelzenden Eiskappen gefährdet. Sehr geringe Auswirkungen zeigten sich auch vor der Küste Nord- Australiens, in Regionen des westlichen Zentralpazifiks und kleinen Flecken vor der südamerikanischen und afrikanischen Küste.

Kiribati richtet weltweit größte Schutzzone ein

Der Pazifikstaat Kiribati unternimmt bereits etwas, um das marine Ökosystem zu schützen: Am Donnerstag hat Umweltminister Tetapo Nakara die weltweit größte Meeresschutzzone proklamiert. Das Gebiet mit einer Fläche größer als Deutschland umfasst einzigartige Riffe und acht Korallenatolle mit einem großen Fisch- und Vogelvorkommen. Das Schutzgebiet Phoenix Islands (PIPA) liegt etwa in der Mitte zwischen Hawaii und den Fidschi-Inseln. Es bewahrt eines der letzten Ökosysteme intakter Korallenarchipele der Erde. Die Regierung wolle mit diesem Schritt die biologische Vielfalt der Region bewahren, erklärte Umweltminister Nakara. "Die Korallenriffe und Vogelpopulationen der Inseln sind einzigartig, praktisch unberührt vom Menschen - eine wahre Wildnis natürlicher Schönheit", sagte er. Sein Ministerium hoffe, dass die Einrichtung der 410.000 Quadratkilometer großen Schutzzone bis Ende des Jahres umgesetzt sei. Ziel sei auch, damit mehr Touristen in den vergleichsweise kleinen Karibikstaat zu locken.

DPA/AP / AP / DPA