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Nobelpreis "Haha, das ist der Anruf": So überrascht waren die deutschen Nobelpreisträger von ihrem Gewinn

Benjamin List
Benjamin List freut sich über seinen Nobelpreis für Chemie
© Federico Gambarini / DPA
Zwei deutsche Forscher sind in diesem Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Für Klaus Hasselmann und Benjamin List kam der entscheidende Anruf aus Stockholm völlig überraschend.

Meistens arbeiten Wissenschaftler:innen unbemerkt von der Öffentlichkeit an ihren Forschungen, in Laboren, Büros oder Archiven. Einmal im Jahr aber haben die besten von ihnen ihren großen Auftritt: Mit der Verleihung der Nobelpreise werden Forschende ausgezeichnet, die auf ihrem Gebiet besonders wichtige Leistungen erbracht haben. Und das kommt für viele komplett überraschend.

In diesem Jahr durften sich gleich zwei Deutsche über die Auszeichnung freuen. Der Hamburger Forscher Klaus Hasselmann erhielt gemeinsam mit seinem US-japanischen Kollegen Syukuro Manabe den Physik-Nobelpreis für seine Forschungen zur Vorhersage des Klimawandels. Benjamin List, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr, wurde mit dem in Schottland geborenen US-Forscher David W. C. MacMillan für Methoden zur Beschleunigung chemischer Reaktionen ausgezeichnet. Beide hatten mit dieser Ehre offenbar überhaupt nicht gerechnet.

Physik-Nobelpreis für Hamburger Forscher Klaus Hasselmann

Das führte zu unterhaltsamen Reaktionen der beiden frischgebackenen Nobelpreisträger – beide erreichte der Anruf des Komitees aus Schweden mitten im Alltag. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm, welche die Preise jährlich vergibt, veröffentlichte Telefonate mit den Preisträgern auf ihrem Twitter-Account.

Hasselmann erwischten sie zu Hause – zunächst ging jedoch seine Frau ans Telefon. Die musste ihren Ehemann erst einmal ausfindig machen: "Klaus, kommst du mal?" Hasselmann selbst war völlig baff: "Ich bin ziemlich überrascht. Ich kann das gar nicht verstehen." Die Nachricht habe ihn wie ein "Blitz aus heiterem Himmel" beim Zeitunglesen getroffen, erzählte der Physiker später.

Der deutsche Physiker und Klimaforscher Klaus Hasselmann

Benjamin List hielt den Anruf für einen Witz

Der zweite deutsche Gewinner, Benjamin List, befand sich gerade in einem Café in Amsterdam. ""Als wir gerade bestellen wollten, sah ich auf dem Display so 'Schweden'. Ich guckte meine Frau an, wir lächelten uns ironisch an – 'Haha, das ist der Anruf.' Als Witz", erzählte er auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz. "Aber dann war es wirklich der Anruf. Es war echt unglaublich. Ein unglaublicher Moment." Mit der Auszeichnung hatte List in dem Moment offenbar überhaupt nicht gerechnet – und war auch mit der öffentlichen Aufmerksamkeit zunächst leicht überfordert. Die Pressekonferenz eröffnete er leicht selbstironisch mit den Worten: "Ich habe mich mal wieder überhaupt nicht vorbereitet." Dabei liegt der Nobelpreis bei List sogar in der Familie: Seine Tante Christiane Nüsslein-Volhard erhielt 1995 den Preis für Medizin.

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Noch überraschender kam der Nobelpreis für Lists Kollegen David W.C. MacMillan. Dem Komitee in Stockholm lag offenbar die Nummer des britischen Forschers zuerst gar nicht vor, List musste den Kontakt herstellen. Doch MacMillan ging nicht ans Telefon, sein Kollege musste ihm die entscheidende Textnachricht schicken: "Dave, wake up!" Was MacMillan wiederum für einen Scherz von List hielt – bis die Nachricht dann doch offiziell wurde.

Nobelpreis wird am 10. Dezember überreicht

Für die Forscher ist der Nobelpreis zweifelsohne der Höhepunkt ihrer wissenschaftlichen Laufbahn. Ein weiterer großer Auftritt steht aber noch an: Am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, werden die Preise persönlich überreicht. Wegen der Corona-Pandemie findet aber auch in diesem Jahr keine Feier in Stockholm statt, stattdessen bekommen die Ausgezeichneten die Preise in ihren Heimatländern. 

epp

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