HOME

Gletscher-Mann Ötzi: Warum ein Toter noch immer nicht ruhen darf

Ötzi ist der unangefochtene Star unter den Urzeitfunden - und ein Liebling der Wissenschaft. Zu seinem Erhalt werden keine Kosten und Mühen gescheut. Und auch an der Ermittlung seiner Todesursache tüfteln zahlreiche Forscher noch immer.

Von Irmgard Hochreither

 Jede Körperstelle wird unter die Lupe genommen. Die besterhaltene Feuchtmumie der Welt beantwortet Fragen, die Tausende Jahre zurückliegen. 

 Jede Körperstelle wird unter die Lupe genommen. Die besterhaltene Feuchtmumie der Welt beantwortet Fragen, die Tausende Jahre zurückliegen. 

Der Star liegt auf Eis. Wohlfühltemperatur in seiner von Kaltlampen beleuchteten Kühlzelle: Minus sechs Grad. Er ist 1.54 Meter groß, wiegt etwa 13 Kilogramm und ist rund 5300 Jahre alt. Seit der im Gletscher der italienischen Alpen konservierte Steinzeitmann am 19. September 1991 gefunden wurde, hat er unter dem Namen "Ötzi" eine sagenhafte Medienkarriere hingelegt. Magazine und Zeitungen rund um den Globus berichteten über den Jahrhundertfund. Noch immer reisen Wissenschaftler an, um die "besterhaltene Feuchtmumie der Welt" mit modernster Medizintechnik zu untersuchen und Erkenntnisse zu gewinnen über die Lebensumstände der Menschen im 4. Jahrtausend vor Christus. Derzeit wird Ötzis Mageninhalt analysiert, die Ergebnisse sollen demnächst veröffentlicht werden.

In Bozen wurde 1998 ein eigenes Museum mit ausgeklügelter Konservierungstechnik für die legendäre Mumie umgestaltet. Eine Touristenattraktion. Rund 250.000 Besucher schauen jedes Jahr durch das kleine Guckloch aus sechs Zentimeter dickem Panzerglas in Ötzis eisige Gruft und stehen staunend vor den Glasvitrinen, in denen Ausrüstung und Kleidung ausgestellt sind. Wer das archäologische Museum betritt und durch die klug konzipierte Ausstellung wandert, begibt sich auf eine spannende Reise in eine versunkene Zeit.

Ötzi war bestens ausgerüstet

Eine Ötzi Nachbildung

Ötzi und die Konservierungsexperten Oliver Peschel (rechts) und Eduard Egarter. 

Nicht nur Ötzi selbst, sondern auch alle von Experten restaurierten Gegenstände, die er mit sich führte, erzählen Geschichten aus dem Leben unserer frühen Vorfahren. Der Mann war jedenfalls gut gerüstet im Hochgebirge unterwegs. Er trug einen Lendenschurz und Leggins aus Ziegenleder, die mit Straps ähnlichen Schlaufen an einem Gürtel befestigt waren, einen Mantel und einen Grasumhang, auf dem Kopf eine Bärenfell-Mütze, an den Füßen Hirschlederschuhe, die mit Heu ausgepolstert waren. Als Selbstversorger hatte er alles Überlebensnotwendige im Gepäck. Ein wertvolles Kupferbeil, Pfeile und Bogen, einen Bohrer, einen Dolch und sogar ein Nähset, das aus einer Knochenahle zum Löcherstechen, Lindenbast, Lederschnüren und Tiersehnen bestand. Auch führte er Feuerstein, Zunderschwamm und Eisenpyrit mit sich. Die warme Glut war in Ahornblätter eingerollt und in einem Birkenrindengefäß verstaut. Auch eine Reisenotfall-Apotheke fehlte nicht: Zwei Pilzstückchen mit antibiotischer und blutstillender Wirkung.

Wie genau starb Ötzi?

Doch auch die konnte den Gletschermann schließlich nicht vor dem Verderben retten. Nachdem man jahrelang angenommen hatte, Ötzi sei in den Bergen erfroren, wurde diese Diagnose 2001 ad acta gelegt. Bei einer Röntgenuntersuchung wurde eine 2,7 Zentimeter lange Pfeilspitze gefunden, die das Schulterblatt durchschlagen und die Schlüsselbeinarterie zerfetzt hatte. Der Mann ist verblutet. Ein Befund, der ihn zum mutmaßlichen Mordopfer werden lässt.

Den möglichst genauen Tathergang zu rekonstruieren, wird ab August nächsten Jahres eine der Aufgaben des neuen Konservierungsbeauftragten. Dann nämlich wird der Münchner Gerichtsmediziner Oliver Peschel die Nachfolge des langjährigen Ötzi-Pflegers Eduard Egarter Vigl antreten. Was man als Leibarzt einer Mumie alles drauf haben muss, lesen Sie im aktuellen Stern.


Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.