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Schwarzer Tod Patient Zero: Vor 5000 Jahre starb das älteste bekannte Pestopfer

Schwarzer Tod : Patient Zero: Vor 5000 Jahre starb das älteste bekannte Pestopfer
© Dominik Gölnder, BGAEU Berlin / Commons
Ein Mann, der vor über als 5000 Jahren in Lettland starb, war mit dem frühesten bekannten Stamm der Pest infiziert. Doch damals war die Pest lange nicht so ansteckend wie im Mittelalter.

Im 14. Jahrhundert wütete die Pest in Europa und löschte nahezu die Hälfte der Bevölkerung aus, und auch später kam es immer wieder zu Wellen der Krankheit mir Millionen von Toten. Dabei ist die Krankheit viel älter. In Lettland wurden nun "Patient Zero" identifiziert. "Bis jetzt ist dies das älteste identifizierte Pestopfer, das wir haben", sagte Dr. Ben Krause-Kyora von der Universität Kiel in Deutschland über die 5300 Jahre alten Überreste. Er ist Hauptautor der Studie die in "Cell Reports" veröffentlicht wurde.

Erst jetzt untersucht

Der Mann wurde mit drei anderen Toten in einem Steinzeitgrab am Ufer des Flusses Salac, der in die Ostsee mündet, begraben. Sein Skelett, bekannt als "RV 2039", wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts ausgegraben. Erst jetzt konnte man die DNA aller vier Toten extrahieren und untersuchen. Die Forscher waren überrascht, als sie feststellten, dass ein Grabfund mit einem alten Peststamm infiziert war. Bei diesem Toten handelt sich um einen Mann in den 20ern. "Er wurde höchstwahrscheinlich von einem Nagetier gebissen, bekam die Primärinfektion von Yersinia pestis und starb ein paar Tage - vielleicht eine Woche später - an dem septischen Schock", so Dr. Krause-Kyora.

"Es ist überraschend, dass wir in diesem frühen Stamm bereits mehr oder weniger den kompletten genetischen Satz von Y. pestis sehen, und nur ein paar Gene fehlen", so Krause-Kyora. "Aber selbst eine kleine Verschiebung in den genetischen Einstellungen kann einen dramatischen Einfluss auf die Virulenz haben."

Noch ohne Floh-Biss

Dem alten Stamm fehlte nämlich etwas Entscheidendes: Er hatte das Gen nicht, das Flöhe zu Vektoren macht. So können sie die Pest auf Menschen übertragen. Die Forscher glauben, dass es mehr als 1000 Jahre dauerte, bis das Bakterium alle Mutationen annahm, die für diese Übertragung durch Flöhe erforderlich waren. Sie nehmen an, dass die Krankheit, die RV 2039 erlebte, wahrscheinlich viel milder war als die mittelalterliche Version. Y.pestis war in seinem Blut vorhanden, doch die Menschen, die neben ihm begraben waren, waren nicht mit der Pest infiziert. Ein Hinweis darauf, dass der Erreger damals nicht hoch ansteckend war. Daher nehmen die Wissenschaftler auch an, dass sich "Patient Zero" die Krankheit durch den Biss eines Nagetiers zugezogen hat.

Offenbar haben sich die frühen Peststämme nur langsam ausgebreitet. Später waren die Erreger weit ansteckender, im Mittelalter wie auch im römischen Imperium bereiteten sie sich entlang der Handelswege schnell aus und rafften in den Bevölkerungszentren in kurzer Zeit mehr als die Hälfte der Einwohner hinweg. Zu solchen Opferzahlen ist es in der Steinzeit nicht gekommen, die Überreste solcher Mengen an plötzlichen Toten hätte man inzwischen entdeckt.WISSEN Winterschlaf 12.45

Nur singuläre Tote in der Steinzeit

"Wir sehen infizierte Tote in Gesellschaften, die als Hirten in der Steppe leben, als Jäger und Sammler, die fischen, und in Bauerngemeinschaften – völlig unterschiedliche soziale Organisationen, es findet sich aber stets nur ein spontanes Auftreten von Y. pestis-Fällen", so der Wissenschaftler.

Später haben auch die veränderten sozialen Strukturen eine Rolle gespielt. Die Jäger und Sammler der Steinzeit waren auch mobil und trieben Handel. Doch ihre Bewegungen sind nicht mit den Seefahrtrouten und dem Verkehr auf dem Straßennetz der römischen Zeit zu vergleichen. Die Menge und Dichte der Kontakte wie auch die Geschwindigkeit der Bewegung ist entscheidend.

Quelle:  Cell Reports

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