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Vor 13.000 Jahren Flucht vor Säbelzahntigern? Fußspuren verraten gefährliche Reise einer Frau mit Kind

Der Schlamm hat die Spuren 13.000 Jahre lang bewahrt.
Der Schlamm hat die Spuren 13.000 Jahre lang bewahrt.
Vor 13.000 Jahren unternahm eine Frau einen gefährlichen Marsch. In großer Eile durchquerte sie mit einem Kind auf dem Arm ein Gebiet, in dem Raubtiere jagten. Nun wurden ihre Spuren in einem schlammigen Flussbett gefunden.

Im White Sands National Park in New Mexico, USA, wurden die Fußabdrücke des ältesten Marsches der Geschichte gefunden. Und die Story dahinter ist so spannend wie ein Hollywoodfilm: Eine Frau trägt ein Kleinkind auf einer langen Reise, sie ist erschöpft und müde. Dann muss sie mit letzter Kraft eine endlose offene Fläche überqueren - in einem Gebiet, in dem Gruppen von Raubtieren auf die Jagd gehen.

Die Fußabdrücke wurden in einem ausgetrockneten See entdeckt, der Hunderttausende von Fußabdrücken enthält, die vom Ende der letzten Eiszeit vor etwa 11.550 Jahren bis in die Zeit von vor etwa 13.000 Jahren reichen. Diese Fußspuren haben zwei Besonderheiten: Über 1,5 Kilometer verlaufen sie gerade ohne jede Abweichung und dann ist die Frau wenige Stunden später auf dem gleichen Weg zurückgekehrt.

Anstrengung und Stress

Die Forscher schätzen, dass die Frau mit erhöhter Schrittgeschwindigkeit gelaufen ist, obwohl der Boden damals feucht und schlüpfrig war. Die Forschungsarbeit wurde in "Quaternary Science Reviews" veröffentlicht. Ab und zu finden sich die Fußspuren eines Kindes. Es ist anzunehmen, dass die Frau das etwa zweijährige Kind an diesen Stellen kurz abgesetzt hat. Ihre Spuren verraten, dass das Kind auf dem Hinweg getragen wurde, aber nicht auf dem Rückweg. Die zusätzliche Last führt zu breiteren Spuren und charakteristischen Drehungen des Fußes.

Diese flache, feuchte Landschaft zog auch viele Eiszeittiere an. Es finden sich Spuren von Mammuts, Riesenfaultieren, Säbelzahntigern, Wölfen, Bisons und Kamelen. Viele Spuren deuten darauf hin, dass die prähistorischen Menschen die Tiere gejagt haben. Abdrücke zeigen auch, wie Kinder in den Pfützen gespielt haben, die sich in riesigen Faultierspuren gebildet hatten, oder sie verraten, wie sie von Fußabdruck zu Fußabdruck eines Mammuts gesprungen sind.

Tiere kreuzen ihre Spur

Auch als die Frau unterwegs war, gab es ein reges Tierleben. Zwischen ihrem Hin- und Rückmarsch kreuzten ein Faultier und ein Mammut die erste Spur. Hier zeigt sich auch, wie genau die Forschung heute eine Begegnung rekonstruieren kann, die vor über 10.000 Jahren geschehen war. Das Faultier war nämlich vorsichtig, ihm war die Gegenwart der gefährlichen Menschen auf dem Pfad bewusst. Bevor es den Weg kreuzte, ruhte es sich aus und nahm erst mal die Witterung auf, bevor es den Flusslauf durchquerte. Das große Mammut musste nicht so umsichtig sein, es trampelte zu zögernd durch die Niederung.

Die ganze Geschichte hinter der Reise lässt sich nicht wissenschaftlich exakt rekonstruieren. Sicher ist, dass die Frau erschöpft war und sich dennoch aufs Äußerste angestrengt hat, um die Strecke hinter sich zu bringen. Ob sie Angst vor Raubtieren oder einem Unwetter hatte oder ob irgendein anderer Grund sie zur Eile trieb, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Doch da hier regelmäßig Raubtiere unterwegs waren, ist es zumindest plausibel, dass der ungeschützte langsame Marsch mit einem Kind auf dem Arm nicht ungefährlich war und ihr Angst machte. Auch ist sicher, dass sie ihr Ziel erreichte, dort das Kind ablieferte, um relativ zeitnah den Rückweg anzutreten. Doch war das Kind krank, wurde es zu seiner Mutter zurückgebracht? Warum sie all das auf sich nahm, wissen die Forscher nicht.

Quelle: Quaternary Science Reviews

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