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Ausgrabung Aus der Zeit vor Kolumbus – italienischer Glasschmuck in Amerika entdeckt

Die Perlen lassen sich nicht datieren, nur die Schnur, die bei ihnen gefunden wurde.
Die Perlen lassen sich nicht datieren, nur die Schnur, die bei ihnen gefunden wurde.
© American Antiquity / PR
Lange vor Kolumbus brachten Händler kleine Glasperlen nach Amerika. Sie stammen aus Venedig und wurden über die Seidenstraße nach China gebracht. Von dort aus ging es mit einem Kajak über die eisige Beringsee.

Dass die Wikinger Amerika Jahrhunderte vor Kolumbus erreichten, ist lange bekannt. Aber nun haben Wissenschaftler einen weiteren Beleg für die europäische Präsenz auf dem amerikanischen Kontinent entdeckt. Sie fanden in Alaska kleine Glasperlen aus Venedig. Bei den Perlen wurde auch ein Bindfaden gefunden. Dieses biologische Material konnte mit der Radiokohlenstoffmethode auf die Jahre 1440 bis 1480 datiert werden. Die Ankunft der Perlen hatte auch gar nichts mit den europäischen Entdeckern beziehungsweise Eroberern der Neuzeit zu tun.

Die Perlen waren ein wertvolles Handelsgut zwischen Italien und Asien. Viele Luxusgüter wurden damals weit edler in Asien hergestellt. Aber das Geheimnis, kunstvoll gefärbtes Glas herzustellen, hatten die Venezianer entdeckt und sie hüteten es eifersüchtig. Die Glasperlen waren nicht, wie man heute denken könnte, wertloser Tand, sondern ein kostbarer Schmuck.

Datierung möglich 

Die Perlen in der Farbe von Blaubeeren wurden bei einer Ausgrabung in Punyik Point gefunden. Dort befand sich ein Inuit-Lager. Punyik Point war ein beliebter Zwischenstopp für Händler, so der Archäologe Mike Kunz, wegen der vielen amerikanischen Rentiere in der Gegend. Schon der Archäologe William Irving fand in den 1950er- und 1960er-Jahren dort mehrere türkisfarbene Perlen, doch die konnten nicht datiert werden.

Im Jahr 2004 suchten Kunz und die Archäologin Robin Mills die alten Fundorte wieder auf und sie fanden weitere Gegenstände. Das Besondere war nun die Schnur, die nur eine Handbreit unter dem Erdboden die Jahrhunderte überdauert hatte.

Sie war aus biologischer Substanz, die exakt datiert werden konnte. "Wir sind fast umgefallen", so Kunz. "Das Ergebnis zeigt, dass die Pflanze irgendwann in den 1400er-Jahren gelebt hat. Das war ... wow!'

Reise über China

Die Forscher nehmen an, dass die Perlen zu den Schmuckstücken gehörten, die über die damaligen Handelsrouten weitergereicht wurden. Ihre Reise begann in Venedig und führte über die Seidenstraße nach China und von dort über die Beringstraße nach Alaska. Kunz nimmt an, dass sie mit dem Kajak über den eisigen arktischen Ozean nach Alaska gebracht wurden. Wahrscheinlich wurden die Perlen beim alten Handelsposten Shashalik an Land gebracht.

Die Perlen stellen die bisherige Chronologie infrage. Sie beweisen, dass Alaska zu der Zeit vor Kolumbus in ein weltweites Handelsnetz eingebunden war. Sie sind der früheste Fund von zweifelsfrei europäischen Materialien auf dem amerikanischen Kontinent.

Wertvolles Handelsgut

Die Lage der Funde am Eingang eines unterirdischen Hauses deutet darauf hin, dass sie nicht absichtlich vergraben, sondern fallen gelassen wurden und dann liegen blieben. Da die wertvollen Schmuckstücke nicht wieder aufgesammelt wurden, wird der Verlust vermutlich in Zusammenhang mit einem Überfall oder einer anderen Katastrophe stattgefunden haben.

Archäologen finden häufig Glasperlen an den Stätten der amerikanischen Ureinwohner. Die Europäer produzierten diese Glasperlen mit Technologien, die es in einheimischen Kulturen nicht gab. Entdecker tauschten sie im Handel mit den Ureinwohnern. Der Niederländer Peter Minuit soll so zumindest der Legende nach, Manhattan den Ureinwohnern abgekauft haben. Auch er nahm 1626 Handelsperlen in sein Geschäft auf.

Quelle: American Antiquity

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