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Hurrikan "Harvey" in Texas: Beispielloser Regen: US-Wetterdienst braucht Zusatzfarbe für Flutkarten

Eine Regenflut, wie sie über Houston und Teile von Texas niedergeht, hat es so wohl noch nicht gegeben. Anschaulich macht das ein Detail: Der US-Wetterdienst braucht neue Farben für seine Karten.

Ist das schon der Klimawandel? Hat es sowas schon einmal gegeben? Es sind drängende Fragen, die sich angesichts der durch Tropensturm/Hurricane "Harvey" ausgelösten Regen-Katastrophe in Houston, Teilen von Texas und demnächst wohl auch in Louisiana stellen. Dass es sich um Regenfälle von wahrhaft "historischem Ausmaß" handelt, zeigt besonders anschaulich ein Detail: Der National Weather Service (NWS) könnte die enormen Wassermassen auf seinen Karten nicht mehr korrekt darstellen. Es blieb ihm nichts anderes übrig als zusätzliche Farben einzuführen.

"Es ist so viel Regen gefallen, dass wir unsere Farbenskala für unseren Grafiken ergänzen mussten, um dies richtig darzustellen", teilte der US-Wetterdienst via Twitter mit. Bisher sah die Skala des NWS 13 Farben vor - von hellgrün (0,1 Inch/2,54 Zentimeter) bis zu einem dunklen Lila (mehr als 15 Inches/über 38 Zentimeter). Doch das reicht angesichts der Sintflut, die "Harvey" über den Südosten von Texas bringt, nicht mehr aus. Daher gibt es nun zwei weitere, noch dunklere Schattierungen von Lila. Sie umfassen Regenmengen von 15 bis 20 Inches (38 bis über 50 Zentimeter) und von 20 bis 30 Inches und darüber hinaus (50 bis mehr als 76 Zentimeter). In Anspielung an den verstorbenen Rockmusiker Prince kommentierte ein User die neuen Kategorien mit den Worten: "Das ist das einzige Mal, dass ich 'Purple Rain' hasse".


Tropensturm Harvey: Regenrekorde keine Utopie

Dass die beiden neuen Regen-Kategorien nicht hypothetisch sind, hat "Harvey" bereits bewiesen. Nahe der texanischen Stadt Dayton wurden sogar fast 40 Inches gemessen - also rund ein Meter Regen in den vergangenen Tagen. Laut dem Wetter-Prognose-Zentrum wurden am Montag in 15 Regionen Regenmengen von mehr als 30 Inches, also rund einem Dreiviertelliter, gemessen. Im von der Flut am härtesten getroffenen Houston wurde laut NWS am Sonntag ein neuer Tagesrekord von knapp 41 Zentimetern Regen gemessen. Insgesamt fielen am vergangenen Wochenende in der Millionenstadt mehr als 60 Zentimeter Regen - und es ist noch keine Ende in Sicht.

Der NWS warnt weiter vor sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen. Der Sturm sog über dem am Ende des Sommers sehr warmen Golf von Mexiko extrem viel Feuchtigkeit auf, die er nun als Regen wieder abgibt. "Harvey" bewegt sich dabei nur langsam vorwärts. Er könnte nach Einschätzung von Meteorologen des National Hurrican Centers an diesem Dienstag leicht ostwärts wandern und damit auch Teile Louisianas erreichen. Dort hatte es schon in den vergangenen Tagen heftig geregnet. Der Gouverneur des Bundesstaates, John Bel Edwards, befürchtet, dass seinem Staat das Schlimmste aller Wahrscheinlichkeit nach noch bevorstehe.


dho mit / DPA