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Zwangsversteigerung verschoben: Schloss der Kelly Family ist schwer vermittelbar

Die Zwangsversteigerung von Schloss Gymnich ist schwieriger als erwartet: Weil außer Ex-Bewohner Joey Kelly niemand für die imposante Immobilie bieten will und dessen Gebot zu niedrig ist, kommt der frühere Wohnsitz der Kelly Family später unter den Hammer.

Schloss Gymnich, früherer Wohnsitz der Kelly Family, ist bei einem Zwangsversteigerungstermin am Dienstag nicht unter den Hammer gekommen. Einziger Bieter im Brühler Amtsgericht war Joey Kelly, der ein Gebot von 1,7 Millionen Euro abgab. Das reichte aber nicht aus: Beim ersten Termin hätte ein Interessent mindestens die Hälfte des auf 5,3 Millionen Euro festgelegten Verkehrswerts bieten müssen, um den Zuschlag zu erhalten. Nun wird das Gericht einen neuen Versteigerungstermin bestimmen, bei dem dann keine Untergrenzen mehr gelten. Joey Kelly hat also noch Chancen, alleiniger Schlossherr des Familienbesitzes zu werden. Nach seinen Angaben wird das Schloss versteigert, weil die zwölf Kelly-Geschwister sich nicht einigen können.

"Bei so vielen Miteigentümern ist ein Verkauf einfach fast unmöglich, weil immer jemand anderer Meinung ist", erklärte der 39-Jährige vor wenigen Tagen. Die Aufteilung sei kompliziert: Neben ihm und seinen acht leiblichen Geschwistern hätten nach dem Tod des Vaters auch noch drei Halbgeschwister Anspruch auf einen Erbteil. Ein geistig behinderter Halbbruder in den USA stehe unter Vormundschaft. Das habe alles noch komplizierter gemacht, sagte Joey Kelly. Außerdem seien die laufenden Betriebskosten für das Gebäude unwirtschaftlich. "Deshalb habe ich die Versteigerung forciert."

Gläubiger hoffen auf höheres Gebot

Beim Gerichtstermin gab Joey Kelly sich wortkarger und wollte auf Journalistenfragen nicht antworten. Gekommen war er in kurzer Radlerhose und Joggingjacke. Nachdem er der Rechtspflegerin einen Zettel mit seinem Gebot zugeschoben hatte, verließ er den Saal - und kam zum Ende der Bieterzeit grinsend im Anzug wieder herein. Nach Angaben einer Rechtspflegerin ist es durchaus erlaubt, dass bei einer Zwangsversteigerung der Besitzer einer Immobilie selbst mitbietet.

Zwar befanden sich noch mehrere Menschen im Saal, die Unterlagen dabei hatten und das ausliegende "Merkblatt für Bietinteressenten" einsteckten - aber niemand von ihnen gab ein Gebot ab. Möglicherweise warteten Interessenten ab, ob jemand die 50-Prozent-Untergrenze überschritt - um nun beim nächsten Termin mitzubieten, in der Hoffnung, das Schloss günstiger als für 2,65 Millionen Euro zu bekommen. Es kann allerdings auch passieren, dass mehrere Bieter den Preis dann in die Höhe treiben. "Ich gehe davon aus, dass beim nächsten Termin mehr herausspringt", sagte ein Vertreter der Gläubigerbank schmunzelnd.

Queen, Nixon und Breschnew wohnten im Schloss

Die Geschichte von Schloss Gymnich - etwa 50 Kilometer entfernt von Bonn - reicht zurück bis ins 14. Jahrhundert. Es war der Stammsitz des rheinischen Adelsgeschlechts von Gymnich. Von 1971 bis 1990 diente das Wasserschloss mit dem umgebenden Park als Gästehaus der Bundesregierung.

Dort residierten Kaiser, Könige und Minister, zum Beispiel Queen Elizabeth II., US-Präsident Richard Nixon und der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew. Bei einem Geheimtreffen auf Schloss Gymnich im August 1989 erfuhren der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher, dass die ungarische Regierung die Grenze für DDR-Bürger öffnen werde.

Als die Bundesregierung das Schloss aufgab, wurde es nacheinander an zwei Investoren verkauft, die mit ihren Plänen für exklusive Golfanlagen scheiterten. 1998 ersteigerte die Kelly Family das Schloss und zog dort ein. Seit einigen Jahren steht die Immobilie leer.

mlr/DPA / DPA