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25. Jahrestag: Iran feiert die "islamische Revolution"

Am 25. Jahrestag der "islamischen Revolution" im Iran hat Präsident Mohammed Chatami die Einschränkungen bei der bevorstehenden Wahl scharf kritisiert. In einer stark emotional geprägten Rede gelobte er, den Reformprozess voranzutreiben.

Für die iranische Schülerzeitung "Ohne Mauer" war das Exklusivinterview mit Präsident Mohammed Chatami das Ereignis des Jahres. Und die Schüler waren bei ihren Fragen alles andere als artig. "Herr Präsident, seit Ihrem Amtsantritt 1997 ist Ihre Popularität drastisch gesunken. Wie konnte das passieren?", wollte ein junger Iraner wissen. Diese Frage beschäftigt zunehmend mehr Menschen im Land, die eine überzeugende Antwort vermissen.

"Wir sind erst am Anfang der Demokratisierung des Landes, nicht alles ist zu frieden stellend, aber man sollte realistisch bleiben und diesem Prozesse die notwendige Zeit geben", erwidert Chatami unentwegt. Dies war auch am Mittwoch der Tenor seiner Rede in Teheran vor mehreren hunderttausend Menschen zum 25. Jahrestag des Sieges der islamischen Revolution über den Schah. Chatami ist überzeugt, dass das Volk die Demokratie innerhalb des islamischen Rahmens will und nicht nach westlichem Vorbild.

Präsident Chatami in der Kritik

Chatamis Vision von einer islamischen Demokratie brachte ihn bei zwei Präsidentenwahlen (1997 und 2001) über 70 Prozent der Stimmen. Aber spätestens seit er den Ausschluss von Reformkandidaten von den Parlamentswahlen am 20. Februar nicht verhindern konnte, wird er heftiger denn je kritisiert.

Auch für die Studenten ist der einstige politische Hoffnungsträger nun zum Buhmann geworden. "Falls das Volk für dich noch wichtig ist und du dessen Stimme noch erhörst, dann solltest du zurücktreten", forderten Studentenführer erst kürzlich in der Teheraner Universität von Chatami. Auch bei seinen eigenen Reformern, die eine Verschiebung der Wahlen wollten, hat der 60-Jährige wegen seiner eher zaghaften Politik gegenüber den konservativen an der Staatsspitze sehr viel an Kredit verloren. "Der Klerus hat den Reformtrend an den Rand des Abgrunds gebracht. Weiß der Präsident überhaupt noch, was dies für innen- und außenpolitische Auswirkungen haben wird", fragte der Abgeordnete Dschalil Sasgarnedschad.

Zu seinen Widersachern gehört inzwischen auch sein jüngerer Bruder Mohammed-Resa Chatami. Dessen liberale "Beteiligungsfront" wurde von den Wahlen ausgeschlossen. Die politischen Meinungsverschiedenheiten scheinen unüberbrückbar. In politischen Kreisen der Haupstadt heisst es, der Präsident habe seinem Bruder sogar vorgeworfen haben, sich vom Islam und der Revolution distanziert zu haben. Dieser höre aber schon lange nicht mehr hin, und halte den Präsidenten und seine Regierung verantwortlich für die unabsehbaren Folgen der kommenden "illegalen" Wahlen.

Mehr Systembewahrer als Hoffnungsträger

Die Wogen versucht der ehemalige Abgeordnete Taha Haschemi zu glätten. "Man sollte die Kritik an Chatami nicht übertreiben", sagte er kürzlich. "Die Demokratie ist eine Kultur, die in unserer Gesellschaft erst wachsen muss, und das kann keiner besser voranbringen als Chatami", so Haschemi. Obwohl auch viele westliche Diplomaten in Teheran diese Auffassung teilen, scheint der Präsident beim Volk jedoch mehr und mehr als Systembewahrer denn als Hoffnungsträger für Reformen angesehen zu werden. "Für Jemanden, der sich für den weltweiten Dialog der Zivilisationen einsetzen wollte, ist es ziemlich traurig, diesen nicht mal im eigenen Land konsequent durchsetzen zu können", sagte der Reformer Sasgarnedschad.

Farshid Motahari / DPA