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AUSLAND: Glückliches Ende des Höhlen-Dramas

Nach drei Tagen unter der Erde sind sieben Schweizer Studenten und ihre Führerin gestern aus einer Höhle befreit worden.

Nach drei Tagen unter der Erde sind sieben Schweizer Studenten und ihre Gruppenführerin am Samstagabend aus einer Höhle im französischen Jura befreit worden. Die fünf Männer und drei Frauen kletterten von Kopf bis Fuß verschlammt, aber glücklich und offenbar gesund an die Erdoberfläche. Ihre Angehörigen und die mehr als 250 Retter begrüßten sie jubelnd. »Alle befinden sich in guter Verfassung«, sagte Präfekt Alain Gehin in Goumois. Um den Abfluss des Wassers aus den überfluteten Höhlengängen zu beschleunigen, hatten die Retter mehrere Sprengungen vorgenommen.

Nach einer ersten medizinischen Untersuchung wurden die Geretteten mit Ambulanzen ins Spital von Delemont in der Schweiz gefahren. Die Frauen und Männer zwischen 20 und 30 Jahren seien allerdings in sehr guter Verfassung, sagte Gehain unter Berufung auf einen Mediziner. »Sie leiden höchstens etwas unter Glukose-Mangel«, fügte er an. Ein Schweizer Retter sagte dem Rundfunksender DRS, die Geretteten hätten so rasch wie möglich ihre Angehörigen treffen wollen.

Um ins Freie zu gelangen, mussten die Eingeschlossenen gut zehn Meter weit durch knietiefes Wasser waten und dann einen rund vierzig Meter langen Gang durchqueren. »Sie konnten gut gehen, wir mussten ihnen nicht helfen. Sie kamen ganz alleine hinaus«, sagte der Retter. Die Gruppe verließ die Höhle durch einen zweiten Ausgang, der am Freitag freigesprengt worden war. »Wir wollen es so machen, dass die jungen Leute so trocken wie möglich herauskommen,« hatte Gehin noch am Nachmittag gesagt. »Das heißt, wenn möglich mit dem Kopf über Wasser.« Nachdem am Nachmittag auf dem Weg zum Ausgang noch zwanzig Meter tauchend zurückgelegt werden mussten, hatte Gehin mit einer Rettung erst spät in der Nacht gerechnet.

Die Rettungsaktion selbst dauerte schließlich lediglich 20 Minuten. Die Rettungskräfte hatten zuvor mit eineinhalb Stunden gerechnet. Die Aktion sei nicht zuletzt so rasch verlaufen, weil sich die Eingeschlossenen in einem sehr guten Zustand befunden hätten, sagte ein Helfer. Die Frauen und Männer mussten seit Mittwochabend bei etwa 12 Grad Lufttemperatur ausharren. Taucher entdeckten die Gruppe erst am Freitagvormittag und versorgten sie mit Lebensmitteln, warmer Kleidung und einem beheizbaren Zelt. Seither blieb auch ein Arzt bei ihnen.

Die Rettung war zuletzt immer wieder verschoben worden, weil der Wasserstand in den nach Regenfällen überfluteten Höhlengängen zu hoch war. Nach mehreren Sprengungen floss das Wasser aus den besonders überfluteten Stellen dann am Samstag jedoch deutlich schneller ab. Zudem wurden stärkere Pumpen eingesetzt, um den Wasserstand zu senken. Geholfen habe schließlich auch das gute Wetter, sagte ein Helfer.

Das eindringende Wasser hatte die Gruppe am Mittwochabend während eines Höhlengangs überrascht. Sie hatte sich daraufhin in den hinteren Teil der Höhle zurückgezogen, an eine höher gelegene Stelle, die trocken blieb und genug Sauerstoff bot. Am Samstagmorgen waren erneut Taucher zu den Eingeschlossenen vorgedrungen und hatten ihnen neue Kleidung und Nahrungsmittel gebracht.

Die Höhle »Bief Paroux« liegt in Sichtweite der Schweizer Grenze am Fluss Doubs. Die Tour in die Höhle war Teil eines Kurses »Erlebnispädagogik« einer Zürcher Fachhochschule. Die Bürgermeisterin von Goumois, Jeanne-Marie Taillard sagte, die Gruppe habe sich möglicherweise leichtsinnig verhalten. »Sie haben die Risiken vielleicht unterschätzt, denen sie sich ausgesetzt haben.« Sie hätten das Gewitter vom Mittwoch und die tagelangen Regenfälle nicht als Warnzeichen genommen. Durch die starken Regenfälle fließe nun jedoch das auf dem Kalkplateau von Maiche gesammelte Wasser durch die Höhle ab. Die Niederschläge seien im April viermal so ergiebig wie der Durchschnitt gewesen, sagte Taillard. Bei schönem Wetter sei die Höhle nicht gefährlich, fügte sie hinzu. Im Sommer werde sie ein bis zweimal pro Woche von Gruppen begangen.

An der dreitägigen Rettungsaktion waren 260 Menschen beteiligt, darunter 118 Höhlenforscher. Die Helfer hätten noch eine sehr schwere Nacht vor sich, sagte Didier Pasian, technischer Berater der Aktion. »Wir müssen noch die ungeheure Menge an Material zurückholen, die im Höhleninnern installiert wurde. Für uns gibt es nochmals gut 24 Stunden Arbeit.«

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