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BERGBAU: Tod unter Tage

Schwere Grubenunglücke sind im Osten Europas keine Seltenheit. Schuld daran sind schlechte Ausrüstung, veraltete Technik und Fahrlässigkeit. Besonders betroffen: das ukrainische Donbass, eines der größten Kohlereviere der Welt.

Nach der schweren Gasexplosion mit 36 Toten im ukrainischen Kohlebergwerk Sasjadko hat ein starker Brand am Montag den Zugang der Rettungsmannschaften zum Schacht verlegt. Bevor weitere Bergungsversuche unternommen werden könnten, müsse erst der Brand isoliert werden, sagte der Leiter des Bergungsteams am Montag. Dies könne zwei Tage dauern. Für die zehn noch unten vermuteten Bergleute gebe es aber schon jetzt praktisch keine Überlebenschance mehr. Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma lehnte eine sofortig Schließung der wegen Sicherheitsmängeln berüchtigten Kohlegrube ab.

Durch den Brand im Stollen herrschen dort nach Angaben der Bergungshelfer Temperaturen zwischen 60 und 80 Grad Celsius. Es sei vorläufig nicht möglich, näher als 100 Meter an den Explosionsort heranzukommen. »Wir brauchen spezielles Gerät, denn das Feuer lodert in sehr großer Tiefe«, sagte der Leiter des Bergungsteams. Voraussichtlich sollen die Gänge, in denen der Brand lodert, mit Betonblöcken verschlossen werden, danach soll ein Löschgas in die Stollen geblasen werden. Wasser könne dazu nicht eingesetzt werden, da ansonsten eine Überflutung drohe. Die Grube Sasjadko ist das größte Bergwerk der Ukraine.

Zum Zeitpunkt der Explosion - der zweiten in Sasjadko innerhalb von drei Jahren - befanden sich nach offiziellen Angaben

259 Arbeiter auf der Schicht in rund 1000 Metern Tiefe. Mindestens 43 Bergleute wurden bei dem Unglück verletzt. Im ukrainischen Fernsehen hieß es, die Kumpels hätten unter starkem Druck in der Grube gearbeitet, um die Jahres-Zielvorgabe von vier Millionen Tonnen Kohle zu schaffen.

Kommission soll ermitteln

Angehörige der Vermissten versuchten im Bergwerk Auskunft über das Schicksal der Verunglückten zu erhalten. Vor dem geschlossenen Werkstor standen zahlreiche weinende Frauen. Auf dem Friedhof wurden bereits frische Gräber neben den Gräbern der Kumpels ausgehoben, die vor drei Jahren in der gleichen Grube getötet worden waren. Über die Unglücksursache gibt es noch keine offiziellen Angaben. Es sei eine Kommission eingesetzt worden, die ermitteln soll, wie es zu der Explosion kommen konnte, hieß es. Ein Gewerkschaftsvertreter sagte, derartige Unfälle passierten in der Ukraine immer häufiger. »Die Gehälter sind schlecht. Die Sicherheitskontrollen sind schlecht«. Bei Unglücken in ukrainischen Bergwerken sind nach offiziellen Angaben seit Anfang vergangenen Jahres bereits rund 500 Menschen ums Leben gekommen.

Bei einem Besuch an der Kohlegrube sagte Präsident Kutschma, wenn die Unternehmen nicht über entsprechende Sicherheitsgeräte verfügten, dürfe eben Kohle nicht in solchen Tiefen abgebaut werden. Gleichwohl warnte er vor der »unbedachten Schließung« von Kohlebergwerken im Donezk-Becken. In den 193 Gruben der Region finden zur Zeit rund 450.000 Bergleute Arbeit. Die Kosten für die Produktion sind relativ hoch, doch wären die für die Bereitstellung alternativer Arbeitsplätze entstehenden Kosten bei der Schließung gefährlicher Gruben noch deutlich höher.