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Blutbad an US-Universität: Amokläufer tötet sechs Menschen

Wieder hat es einen blutigen Amoklauf an einer Universität in den USA gegeben: Mit einem Gewehr und zwei Pistolen hat ein Schütze in einer Vorlesung an der Universität von Northern Illinois das Feuer eröffnet. Sechs Menschen kamen ums Leben, mindestens 16 weitere wurden verletzt. Anschließend tötete der Amokläufer sich selbst.

Ein ehemaliger Student ist an einer US-Universität bei Chicago Amok gelaufen: In einem Hörsaal erschoss er sechs Studenten, verletzte weitere 16 zum Teil schwer und brachte sich schließlich um. Nachdem der Amokläufer das Feuer mit einer Schrotflinte und zwei Pistolen eröffnet hatte, brach in dem Saal Panik aus, über 100 Studenten flohen aus dem Hörsaal. Die Polizei rätselt unterdessen noch über das Motiv des Täters. Nach Erkenntnissen der Behörden handelte es sich bei dem Täter um einen ehemaligen Soziologie-Studenten der Universität, der aktuell aber nicht eingeschrieben war. Der schwarz gekleidete Schütze tauchte nach Angaben von Augenzeugen am Donnerstagnachmittag, dem Valentinstag, in einer Vorlesung plötzlich auf dem Podest auf und schoss.

Laut Polizei dauerte der Amoklauf vermutlich nur wenige Minuten. "Ich sagte mir, ich könnte aufspringen und weglaufen oder hier sterben", erklärte die Studentin Lauren Carr, die sich unverletzt in Sicherheit bringen konnte. Sie habe in der dritten Reihe gesessen als sie den Amokläufer bewaffnet haben reinkommen sehen. "Ich hörte ein Mädchen schreien: 'Lauf, er lädt sein Gewehr wieder'", sagte Carr. Die Studenten flüchteten panisch und rannten zu den Ausgängen. Eine andere Kursteilnehmerin berichtete, sie habe schon an ihren sicheren Tod geglaubt. Sie warf sich auf den Boden und versuchte, hinauszurobben. "Als ich dann zur Tür kam, bin ich aufgestanden und losgelaufen", sagte Desiree Smith.

Für die Vorlesung in dem Hörsaal waren 162 Studierende eingeschrieben, wie viele zum Tatzeitpunkt, kurz vor Ende des Kurses, anwesend waren, war unklar. Es war bereits die vierte Schießerei an einer amerikanischen Schule binnen einer Woche. Drei Studenten und der Schütze starben noch am Tatort, drei weitere erlagen kurze Zeit später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Am Freitagmorgen versammelten sich über 100 Studenten vor der Universität und gedachten der Opfer.

Opfer offenbar gezielt ausgesucht

Der Schütze wurde von Studenten als "dünner, weißer Kerl" beschrieben. Er habe sich seine Opfer anscheinend gezielt ausgesucht, berichteten Zeugen. "Ein Mädchen wurde ins Auge getroffen, ein Junge erhielt einen Schuss ins Bein", erzählte ein Student. Die Universität wurde für Freitag geschlossen. Die Universität, die rund 100 Kilometer westlich von Chicago liegt und von etwa 25.000 Studenten besucht wird, war im Dezember während der Abschlussprüfungen für einen Tag geschlossen worden, nachdem die Campus-Polizei rassistische Drohungen und Hinweise auf den Amoklauf an der Universität Virginia Tech erhalten hatte, bei dem im vergangenen April 32 Menschen getötet wurden.

Nachdem die Ermittlungen aber keine Hinweise auf eine unmittelbare Gefahr ergaben, wurde der Lehrbetrieb nach der kurzen Unterbrechung wieder aufgenommen. Universitäts-Präsident John Peters erklärte, er wisse nicht, ob es einen Zusammenhang zwischen dem damaligen Vorfall und dem Amoklauf vom Donnerstag gebe. In Hongkong erklärte der Produzent eines Kinofilms über den Amoklauf eines amerikanischen Studenten unterdessen, dass der Film wie geplant Mitte April in die US-Kinos kommen solle. Meryl Streep und die aufsteigende chinesische Schauspielerin Liu Ye spielen in dem Streifen "Dark Matter" ("Düstere Angelegenheit") wichtige Rollen.

In den USA kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Schießereien und Amokläufen an Schulen und Universitäten, was jedes Mal eine Debatte über die nach Ansicht von Kritikern viel zu laschen US-Waffengesetze auslöste.

DPA/AP / AP / DPA
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