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Chile: Soldatentod im Schneesturm

Anteilnahme und Entsetzen hat in Chile der Tod Dutzender junger Rekruten ausgelöst, die bei einem Marsch in den Anden in einen Schneesturm geraten waren. Viele trugen weder Gesichtsmasken noch Schneebrillen noch Handschuhe.

Chile steht fassungslos vor der größten Tragödie zu Friedenszeiten in der Geschichte seiner Streitkräfte. 433 meist junge und unerfahrene Rekruten wurden von fahrlässigen Vorgesetzten in den Hochanden in einen vom Wetterbericht schon Tags zuvor angekündigten Schneesturm geschickt. Mindestens 45 von ihnen sind aller Wahrscheinlichkeit nach bei Temperaturen von minus 20 Grad jämmerlich erfroren, die anderen kamen mit Erfrierungen und einem Schock fürs Leben davon. Bei den Toten und Vermissten handelt es sich mit einer Ausnahme um junge Wehrpflichtige im Alter von 18 bis 19 Jahren, die gerade ihre Grundausbildung begonnen hatten. Ihr Regiment befand sich auf dem Rückweg von einer Übung, als es in den Schneesturm geriet.

"Chancen gleich Null"

Bis Donnerstagmorgen stieg die Zahl der tot geborgenen Soldaten auf 34. Die restlichen 11 seit letzter Woche Mittwoch Vermissten waren irgendwo an den Hängen des Vulkans Antuco unter meterhohen Schneemassen begraben. "Die Chancen, noch jemanden lebend zu finden, sind gleich Null", sagte Heereschef General Juan Emilio Cheyre. Es sei nicht einmal sicher, dass alle Leichen gefunden würden. "Wir sollten die Hoffnung als letztes aufgeben", sagte Cheyre dennoch vor Beginn einer weiteren Suchaktion, die er selbst befehligte. Am Freitag vergangener Woche waren bereits 13 erfrorene Rekruten entdeckt worden. Sie lagen in Schlafsäcken und in Zelten unter einer bis zu einem Meter dicken Schneeschicht. Viele der Soldaten hatten weder Gesichtsmasken noch Schneebrillen oder warme Handschuhe. Präsident Ricardo Lagos rief eine dreitägige Staatstrauer aus und überwachte die Sucharbeiten persönlich vor Ort.

Cheyre enthob die drei höchsten Offiziere des Regiments. "Der Marsch hätte in diesen Wetterverhältnissen niemals angetreten werden dürfen. Es war der schlimmste Schneesturm seit 30 Jahren", sagte der General. Überlebende berichteten, sie hätten ihre Kameraden hinter sich vor Schwäche umfallen sehen und sie zurücklassen müssen, um sich selbst zu retten. Der 18-jährige Juan Millar sagte, er habe in dem Schneesturm nichts sehen können. Schließlich seien die Rekruten angewiesen worden, ihre 45 Kilogramm schweren Rücksäcke abzulegen, um ihre Leben zu retten. Erfahrenere Soldaten hätten ihre Kameraden auf Schlafsäcke gelegt und sie wie auf Schlitten durch den Schnee gezogen. 112 Soldaten schafften es in eine Schutzhütte. Sie wurden am Samstag in die nahe gelegene Ortschaft Los Angeles ausgeflogen.

Die rund 600 Angehörigen, die seit über einer Woche in einer Kaserne in der Stadt Los Angeles etwa 500 Kilometer südlich von der Hauptstadt Santiago auf ein Lebenszeichen hofften, machten Höllenqualen durch. "Ich habe meinen Sohn den Streitkräften lebend überlassen, und jetzt bekomme ich ihn in einem Sarg zurück", sagte ein Vater mit tränenerstickter Stimme im Fernsehen. Trauer schlug in Wut um, als Namen mal auf einer Totenliste, dann wieder als gerettet und am dritten Tag für immer auf der Opferliste aufgeführt wurden.

Wie bei so vielen Streitkräften weltweit sind es vor allem die Jungs aus den ärmsten Bevölkerungsschichten, die der Wehrpflicht nachkommen. Kinder aus wohlhabenderen Kreisen schreiben sich nach dem Abitur zum Studium an einer Universität ein und sind damit vom Wehrdienst befreit. "Nur wenn es in einer reichen Familie einen Tunichtgut gibt, wird er zum Militär geschickt", sagte ein Journalist in Santiago.

Schinderei bei den "Preußen" Südamerikas

Und wie bei so vielen Streitkräften weltweit besteht auch bei den wegen ihrer Disziplin als "Preußen" Südamerikas bezeichneten Streitkräften Chiles die Grundausbildung vor allem aus Schinderei. So berichtete die Zeitung "La Tercera", Polizisten hätten angesichts der Erschöpfung einiger der Rekruten schon am Dienstag Hilfe angeboten. Die Vorgesetzten, von denen keiner ums Leben kam, hätten dies aber abgelehnt. Cheyre ordnete eine Untersuchung durch die Militärstaatsanwaltschaft an.

Immer wieder kommt es bei den Streitkräften zu tödlichen Unfällen, und Rekruten nehmen sich wegen Quälereien und Erniedrigungen das Leben. Lagos sagte, Chile müsse die Größe besitzen und die richtigen Lehren aus der Tragödie ziehen. Politische Beobachter in Santiago werteten dies als Hinweis darauf, dass die Tage der Wehrpflicht auch in Chile gezählt sind. Im benachbarten Argentinien war die Wehrpflicht abgeschafft worden, nachdem ein Rekrut 1994 von seinen Ausbildern zu Tode geschunden worden war.

Jan-Uwe Ronneburger/DPA / DPA
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(