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Reparationen: Athen fordert knapp 280 Milliarden Euro für Nazi-Verbrechen

Für die Kriegsverbrechen während des Nationalsozialismus fordert Griechenland Reparationszahlungen - und beziffert diese nun: Knapp 280 Milliarden Euro schulden die Deutschen den Griechen demnach.

Generalfeldmarschall von Brauchitsch (M.) in Athen: Die Besetzung Griechenlands durch Deutschland ist seit vielen Jahren Thema

Generalfeldmarschall von Brauchitsch (M.) in Athen: Die Besetzung Griechenlands durch Deutschland ist seit vielen Jahren Thema

Griechenland hat erstmals seine Entschädigungs-Forderungen an Deutschland wegen Verbrechen während des Nationalsozialismus beziffert. Der stellvertretende Finanzminister Dimitris Mardas sagte im Parlament in Athen, Deutschland schulde Griechenland 278,7 Milliarden Euro. Diese Summe habe der von der neuen Regierung in Athen eingesetzte Parlamentsausschuss vorläufig berechnet, sagte Mardas.

Seit Jahrzehnten belastet das Thema die deutsch-griechischen Beziehungen. Die Regierung und der oberste Gerichtshof des Landes hatten angekündigt, Forderungen gegen Deutschland durchsetzen zu wollen. Dabei geht es um Entschädigungszahlungen und die Erstattung eines Zwangskredits, den die Nationalsozialisten von der griechischen Notenbank erhalten hatten. Die Bundesregierung sieht die Entschädigungsfrage dagegen als erledigt an. Das Thema sei mit dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag zur deutschen Wiedervereinigung beendet, erklärte die Bundesregierung wiederholt.

"Ehren alle Opfer"

Im Zweiten Weltkrieg hatte die SS schlimme Massaker auch in Griechenland verübt, zum Beispiel im Juni 1944 im Ort Distomo. Im einzigen Entschädigungsabkommen mit Griechenland wurde vor 55 Jahren eine Zahlung von 115 Millionen Mark vereinbart.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte im März im Parlament gesagt, mit der Bildung des Ausschusses "ehren wir alle Opfer des Zweiten Weltkrieges und des Nazismus (...) sowie des griechischen Widerstandes. Wir vergessen nicht, dass das deutsche Volk auch unter den Nazis gelitten hat", fügte er hinzu.

Griechenland ist in akuter Geldnot. Derzeit ringen Gläubiger und die Regierung in Athen um die Auszahlung der letzten Kreditrate des auslaufenden Hilfsprogramms in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Griechenland droht bereits in wenigen Tagen die Zahlungsunfähigkeit, sollte es keine weiteren Finanzhilfen erhalten. Das Land ist seit 2010 mit Finanzspritzen seiner internationalen Partner von rund 240 Milliarden Euro vor der Staatspleite bewahrt worden.

Erst am Wochenende hatte Finanzminister Yanis Varoufakis bei einem Besuch bei IWF-Chefin Christine Lagarde zugesichert, dass sein Land am Donnerstag wie vorgesehen eine Kreditrate in Höhe von 460 Millionen Euro begleichen werde. "Die griechische Regierung erfüllt immer ihre Verpflichtungen gegenüber allen Gläubigern und sie hat vor, dies für immer zu tun", sagte er nach dem Treffen in Washington.

kis/Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters