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Hugo Chavez: Der Volkstribun gerät ins Schwitzen

Eigentlich hat Hugo Chavez, Erzfeind der USA, mit einem sicheren Sieg bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela gerechnet. Doch nun spürt der Amtsinhaber unerwartete Konkurrenz: "Herr Unbekannt" wagt den Angriff auf den "Messias der Armen".

Ein vor wenigen Monaten selbst in Venezuela noch weit gehend unbekannter Politiker bringt Staatspräsident und US-Feind Hugo Chavez (52) wenige Tage vor den Präsidentenwahlen ins Schwitzen. Mit Manuel Rosales tritt die Opposition bei der Abstimmung an diesem Sonntag erstmals seit der Machtübernahme des Linksnationalisten Chavez vor acht Jahren mit einem "Einheitskandidaten" an. "In unglaublich kurzer Zeit ist der vor drei Monaten noch unbekannte Provinzgouverneur zu einer Alternative geworden...", schreibt die Zeitung "El Universal".

Die Regierung habe Angst vor einer Niederlage, spreche von Destabilisierungsversuchen der Opposition und bereite sich auf Gewalt vor, klagte Anwalt Gonzalo Himiob von der Menschenrechtsgruppe "Foro Penal Venezolano". Chavez hatte seine Anhänger zuvor "notfalls zum Schutz des (Wahl-)Sieges" aufgerufen. In Maracaibo, Hauptstadt des von Rosales regierten Öl-Bundesstaates Zulia, legte er zudem prompt den Grundstein für eine neue U-Bahn.

Zur Abschlusskundgebung des 53-jährigen Sozialdemokraten Rosales waren am vergangenen Samstag in Caracas 1,4 Millionen Menschen zusammengekommen. Der im Gegensatz zu Chavez uncharismatische Unternehmer versucht Kapital zu schlagen aus Problemen seines Gegners, der von vielen als "Messias der Armen" verehrt wird.

"Die Senkung der Armutsraten hält mit dem Wachstum der Erdöleinnahmen nicht Schritt", meint Universitätsprofessor Alberto Garrido Garcia, einer der wenigen unabhängigen Beobachter im zerspaltenen Land. Selbst Chavez habe große Probleme wie Korruption, Bürokratie und Ineffizienz in der Regierung beklagt. "Bemerkenswert ist, dass immer mehr Chavez-Anhänger protestieren, aber nicht gegen Chavez, sondern gegen die korrupten Regierungsbeamten", sagt Garcia.

Unentschlossene könnten für Spannung sorgen

Der Ex-Oberstleutnant, Fallschirmjäger und Putschist Chavez, der nach eigenen Angaben bis 2030 regieren will, führt laut Umfragen zwar mit rund 60 Prozent. Die knapp 23 Prozent Unentschlossenen unter den 15 Millionen Wahlberechtigten können jedoch für ein spannendes Rennen sorgen. "Die meisten Unentschlossenen sind Gegner der Regierung, aber sie identifizieren sich noch nicht mit Rosales oder haben Angst vor Repressalien der Regierung", meint Luis León vom Meinungsforschungsinstitut Datanalisis.

Die Opposition, die vor allem aus dem "Establishment" von Unternehmern und gehobenen Schichten kommt, wirft Chavez einen diktaturähnlichen Regierungsstil vor. Er wolle einen Sozialismus nach kubanischem Muster durchsetzen und "verschenke" das Erdöl, um international politische Sympathien zu gewinnen. Er rüste militärisch auf, gehe Allianzen mit umstrittenen Regimes wie dem Iran, Libyen oder China und mit Kolumbiens Rebellen ein und übe intern mit Streitkräften und Zivilmilizen Druck aus. Zudem sei die Kriminalität stark gewachsen.

Rückendeckung in den Slums

In den Slums rund um Caracas sind andere Stimmen zu hören. "In diesem Land hat sich vor Chavez niemand um die Armen gekümmert", sagt Hausfrau Janeth Hurtado. Chavez’ "Geheimwaffe" sind die "Missionen". Sie wurden nach zwei Generalstreiks und einem nach 48 Stunden gescheiterten Putsch der Opposition 2003 eingeführt. In den Armenvierteln kümmern sich auch aus Kuba "eingeführte" Fachkräfte um soziale Probleme wie den regelmäßigen Schulbesuch der Kinder, Sorgen allein erziehender Mütter oder die Alphabetisierung älterer Bürger.

Viel Erfolg hatte die Mission Mercal: Lebensmittel werden direkt von Erzeugern gekauft und in regierungseigenen Läden praktisch ohne Zuschlag angeboten. Die Opposition kritisiert, die Aktion bekämpfe die Wurzel der Armut nicht. Außerdem seien die Missionäre oft Spione der Regierung. Nach amtlichen Zahlen fiel die Armut in Venezuela seit 1999 aber immerhin von 50 auf 39 Prozent.

DPA / DPA
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